Shirley Eikhard: Die Musikerin der Musikerinnen ist tot


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Sie gewann zwei „Juno“-Awards der Musik-Akademie von Kanada. Sie verhalf der US-Country-und-Blues-Sängerin Bonnie Raitt zu einem Karriere-Comeback. Sie war Vollblut-Musikerin, die nur selten im grellen Rampenlicht stand. Aber Shirley Eikhard war produktiv wie nur wenige in ihrem Geschäft.

Nach einer Meldung des staatlichen kanadischen Radios CBC verstarb die Musikerin am frühen Donnerstag (15. Dezember) mit gerade einmal 67 Jahren in einem Krankenhaus in Orangeville (Ontario) im engsten Familien- und Freundeskreis. Das bestätigte auch ihre langjährige Freundin Deborah Duggan.

Songs aus der Feder von Eikhard wurden neben Bonnie Raitt auch von Cher, Amy Grant, Rita Coolidge und Emmylou Harris gespielt.

Für Eikhard war die Musik eine lebenslange Leidenschaft

Geboren in Sackville in der ländlichen Provinz New Brunswick als Tochter von Eltern, die beide Instrumente spielten, lebte sie später in Oshawa (Ontario) als sie im Jahr 1969 beim berühmten „Mariposa Folk Festival“ zum ersten Mal auftrat. Damals noch als Teenager. Auch mit gerade mal 15 Jahren schrieb sie „It Takes Time“, einen Nr. 1-Hit in den kanadischen Charts für Country-Legende Anne Murray.

1972 erzählte Eikhard im Interview, dass sie aus ihrem früheren Folk-Material eine Art „Country-Pop“ entwickelt hatte. Im selben Jahr brachte sie ihr selbstbetiteltes Debütalbum heraus und gewann 1973 und 1974 zweimal hintereinander den kanadischen „Juno“-Award für die beste „Weibliche Country-Sängerin“.

Auch Eikhards Cover von Fleetwood Macs „Say You Love Me“, das 1976 auf dem Album „Let Me Down Easy“ landete, wurde zum Erfolg

Im selben Jahr sprach sie mit der Tageszeitung „Globe and Mail“ über die Herausforderungen, eine erfolgreiche Karriere aufzubauen und gleichzeitig in Kanada zu bleiben. Obwohl sie ihre Brötchen im Wesentlichen mit Komponieren verdiente, waren Live-Auftritte ihre große Passion: „Die wenigen Stunden, in denen ich auf der Bühne stehe, bedeuten für mich alles“, gab sie in später zu Protokoll.

Sie beschrieb die Rumpelstrecke in den Achtzigern als „Tiefpunkt“ ihrer Karriere. Obwohl sie seinerzeit den Song „Kick Start My Heart“ mitgeschrieben hatte, der auf dem 1989er-Album von Alannah Myles landete.

Stimmprobleme zwangen Eikhard zur Pause

Bis zu ihrem 1987 erschienenen Album „Taking Charge“ gab es für sie eine 10-jährige (Live-) Pause aufgrund von Stimmproblemen. Für Eikhard ging es erst wieder stabil aufwärts, als mehrere Songs zündeten, die sie bereits inmitten ihrer Krisenzeit während eines Aufenthalts in Nashville produziert hatte.

Einer dieser Tracks, „Something to Talk About“, wurde von Bonnie Raitt für das 1991er-Album „Luck of the Draw“ eigespielt. Die Rückkehr der US-Sängerin und -Gitarristin ins Rampenlicht. Raitt lobte Eikhard damals bei einem Konzert in Toronto als „eine der talentiertesten Frauen, die ich je getroffen habe“. „Something to Talk About“ wurde bei den US-Grammys 1992 als „Album des Jahres“ nominiert. Raitt erhielt für den Song den Award für die beste „Pop-Gesangsdarbietung“.

Mit ihrem ersten Album nach diesem Popularitäts-Schub in Fachkreisen, „If I Had My Way“ von 1995 – kehrte Eikhard auf vertrautes musikalisches Terrain zurück. Drei Jahre später nahm sie dann für das Jazzlabel Blue Note auf. Für Eikhard keine große Umstellung, hatte sie doch bereits ihren früheren Jahren Songs von Jazz-Größen wie Billie Holiday in ihrem Repertoire.

Eikhard war bereits von ihrer Krebs-Erkrankung gezeichnet, als sie 2021 ihr letztes Album „On My Way to You“ veröffentlichte.