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Top Ten Club: Bosse macht den Engtanz, gejagt von Altmeister Roland Kaiser

In den deutschen Albumcharts ist mal wieder Deutschstunde angesagt. In den Top Ten wird eng getanzt, gebusselt und auf den Kopf gestellt. Nur Dauerbrennerin Adele durchbricht seit Wochen eisern die Phalanx der heimische Barden und Bardinnen.

Und nur noch ältere Leser dieser Kolumne werden sich an Zeiten erinnern, dass die „domestic artists“, also Künstler und Bands von dahoam gerade mal 20 Prozent der Verkaufs-Hitparaden der (alten) Bundesrepublik ausgemacht hatten. Ein einsamer Udo Lindenberg hier, ein röhrender Klaus Lage dort. Neben Grönemeyer, Niedecken und Westernhagen versteht sich.

Doch der Wende 1989/90 kam auch die Wende in den Charts: Auf einmal flankierte Rap auf Deutsch flankierte die Schlagerkönige und Regionalgiganten. Später verwischten vollends die Grenze zwischen Indie-Innerlichkeit, Herz-Schmerz-Kino à la Rosenstolz und knorrige Poesie à la Element of Crime. Selbst beim Eurodance haben „wir“ munter mitgemischt.

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Im Februar 2016 liegt der Braunschweiger Sänger Axel „Aki“ Bosse auf Platz eins der Midweek-Charts. Mit dem Album „Engtanz“ lässt er Pop-Power-mäßig die Gitarre krachen, und singt tragischen Liebschaften mit Indiemädchen aus dem Zonenrandgebiet hinterher: „Ich werd dich immer so lieben, als wärst Du gestern gegangen“, behauptet Bosse, der damit gar nicht soweit entfernt liegt von der Gefühlswelt von Roland Kaiser. Der Altmeister der Herzen drückt mit 63 Jahren noch einmal ein mutiges Statement in die Media-Markt-Regale: „Auf Den Kopf Gestellt“ heißt der Titel zum Abschied (?) einer seit 40 Jahren andauernden Power-Karriere. Kaiser kennt die Zeit noch, als auf Deutsch singen, was für „Schlagerfuzzys“ war, wie man damals sagte. Mittlerweile hat sich der Schlager-Vibe generations-übergreifend in alle Genres eingeschlichen.

Das gilt auch für die Weibliche-Hälfte-Nachfolgerband von Rosenstolz, die als Gleis 8 mit „Endlich“ – musikalisch geringfügig modifiziert – allerlei schmerzende Herzen und salzige Tränen kredenzt. Die Fastenzeit scheint vertonte Emotionen zu brauchen. Da bleibt es einzig Oberlehrer Heinz Rudolf Kunze vorbehalten, mit seinem 25sten Studioalbum „Deutschland“ noch mal ein wenig Heimatgepoltere zu betreiben. „Die Deutschen haben ein verkrampftes Verhältnis zu sich selbst“ diagnostizierte Kunze jüngst im Deutschlandfunk. Außer in den Charts möchten wir naseweis ergänzen. Jaja, darauf einen Dujardin!!

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