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Highlight: Liebeserklärung an „American Beauty“

Unsterbliche Lieder: fünf bewegende Alben über den Tod

Sex, Drugs and Rock ’n‘ Roll? Gerne. Rockopern über den Aufstieg und Fall außerirdischer Spinnen? Klar, warum nicht. Aber ein Konzeptalbum über den Tod?

Das letzte Tabu

Bis heute wird das unvermeidliche Tabuthema auch in der Popkultur eher gemeiden. Besonders auf Albumlänge gibt es nur wenige Musiker, die sich ihm gewidmet haben.

Dass dabei aber durchaus unsterbliche Werke enstehen können, beweisen diese fünf prominenten Ausnahmen:

The Antlers – „Hospice“ (2009)

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Ohne Vorwarnung veröffentlichten die Indie-Rocker aus New York im Sommer 2009 dieses aufwühlende Konzeptalbum über eine unheilbar an Leukämie erkrankte Frau und einen Hospizmitarbeiter/ Ehemann, der an dieser Wendung des Schicksals zu zerbrechen droht.

Unerträglich aufwühlend

Er sieht sie leiden, um ihr Leben weinen. Um nicht an ihrer Wut zu ersticken wirft sie Dinge nach ihm, schreit ihm ins Gesicht. Nur nachts, wenn sie schläft und er an ihrem Bett steht, kann er seine eigenen, sich zusammenballenden Sorgen mit ihr teilen: „Don’t ever let anyone tell you you deserve that“.

Im Mittelteil „Thirteen“ übernimmt Sharon van Etten die weibliche Perspektive, ihre Stimme weht wie aus einem Fiebertraum herüber: „Dig me out/ Oh, dig me out/ Couldn’t you have kept this all from happening?“

Autobiographisches Leiden

Das besungene „Memorial Sloan-Kettering Cancer Center“ existiert wirklich, Antlers-Frontman Peter Silberman hält sich jedoch bis heute bedeckt über den autobiographischen Gehalt der Songs. Nur einmal teilte er in einem Interview mit, dass die Geschichte vor allem als Analogie zu einer von Abhängigkeit geprägten Beziehung zu verstehen sei.

Die zehn atmosphärischen Lieder pendeln zwischen Trauer und Erinnerung, zwischen stiller und himmelschreiender Verzweiflung: „Tell me how to stop this/She’s screaming, expiring, and I’m her only witness/ I’m freezing, infected, and rigid in that room inside her/ No one’s gonna come as long as I lay still in bed beside her“. Im letzten Song „Epilogue“ wacht der Erzähler dann auf, „ohne atmenden Körper an der Seite“.

Leben und sterben, lieben und loslassen

Pitchfork attestierte der Platte „die Kraft, ihre Hörer emotional fertig zu machen“. Tatsächlich wurde der Konflikt zwischen leben und sterben, lieben und loslassen niemals wieder so intensiv in Musik umgesetzt wie hier.


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Liebeserklärung an „American Beauty“

Wer hätte je gedacht, dass es möglich sein könnte, wegen einer Plastiktüte zu weinen? „American Beauty“ rührt immer noch zu Tränen, auch 20 Jahre nach dem Kinostart. Das liegt daran, dass diese geradezu paradigmatische Tragikomödie mit Feingefühl und Sprüchen, die gezielten Boxschlägen gleichen, eine Riesenportion Melancholie über ihre Figuren ausschütten lässt und ihnen genüsslich dabei zuschaut, wie sie sich, mehr schlecht als recht, freischwimmen. Natürlich ist Lester Burnham, diese vom Leben kleingestampfte Wiederkehr von Wladimir Nabokovs Humbert Humbert, der sich vom amerikanischen Traum gelinde gesagt verarscht fühlt und nun wie ein pubertierender Teenager dagegen ankämpft, ein armes Würstchen. („Sehen sie…
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