Westernhagen empfiehlt Kollegah und Farid Bang einen Besuch in Auschwitz

Westernhagen empfiehlt Kollegah und Farid Bang einen Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz. Der 69-Jährige hatte aus Protest über die Echo-Auszeichnung der zwei Rapper („Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“) sämtliche seiner acht Preise zurückgegeben, um seinen Protest gegen die als antisemitisch kritisierten Texte der Kollegen kundzutun.

„Wenn politisch gezündelt wird und keiner mehr wissen will, wer eigentlich die Nazis waren und was der Antisemitismus in der Welt schon alles angerichtet hat, dann kann der Aufschrei gar nicht laut genug sein“, sagt Westernhagen. „Für Farid Bang und Kollegah wäre es vielleicht auch mal gut, wenn man sie durch das Lager Auschwitz-Birkenau führen würde.“

Marius Müller-Westernhagen gab im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ außerdem seine Zufriedenheit damit zu Protokoll, dass der Echo im Zuge der Antisemitismus-Debatte nun abgeschafft wurde: „Gut, dass dieser Preis jetzt vom Tisch ist.“

Der Musiker spekuliert darüber, ob überhaupt jemand gewusst habe, dass am Tag der Echo-Verleihung auch Holocaust-Gedenktag gewesen sei (12. April) und sagt außerdem: „Als Künstler hätte man den Echo eigentlich von Anfang an boykottieren sollen.“

Kollegah
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Westernhagen: „Verrohung der Gesellschaft“

Der Echo sei für ihn auch keine Messlatte für künstlerischen Erfolg: „Platten verkaufen, das ist kein Verdienst. Das können, wie man sieht, auch die Beschränkten. Für mich war jetzt einfach eine Grenze überschritten. Seit der Sache mit den Rappern war der für mich tot.“

Westernhagen bezweifelt allerdings, dass Kollegah und Farid Bang irgendwas aus der Debatte lernen. „Wahrscheinlich wäre ihnen das sogar wurscht.“

„Es geht hier übrigens auch nicht um zwei Rapper-Jungs, die was Blödes gesagt haben und nun zu Recht einen auf den Deckel kriegen“, so der Sänger. Das Problem sei tiefergehend. „Das Problem ist die Verrohung der Gesellschaft insgesamt. Darüber sollten wir sprechen.“

AXEL SCHMIDT AFP/Getty Images

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„Ich nehme dir die Annahme übel, dass Musik nicht mein Ding ist – seit mehreren Jahren argumentiere ich, dass Musik die neue Literatur ist, dass Dylan die Sechzigerjahre-Antwort auf Hemingway ist und dass die primäre Stimme der Siebziger statt in Büchern auf Platten und Videokassetten festgehalten wird.“ Diese Zeilen schrieb Hunter S. Thompson Ende der Siebziger an den ROLLING STONE-Journalisten John Lombardi – sein Brief war Bestandteil des Buchs „Fear and Loathing in America: The Brutal Odyssey of an Outlaw Journalist 1968–1976“. Um seine Musikkenntnisse zu untermauern, legte der Gonzo-Journalist, der neben dem Schreiben literarischer Meilensteine auch mit subjektiven Politik-…
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