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Arcade Fire live in Berlin: Wenn Songs mal nicht so swingen – Pullover schwingen

Arcade Fire machen live noch immer vieles richtig. Die Musiker, ehemals zwölf, nun runtergetrimmt auf neun, spielen weiterhin ihre verschiedene Rollen: Mal sind sie der Zirkus, der in die Stadt kommt („Wake Up“), was heißt, dass sie gut drauf sind. Dann verkörpern sie die New-Orleans-Prozession, die über die Bühne zieht („Intervention“), was heißt, dass sie nicht so gut drauf sind.

Selbst ihre als impulsiv wahrgenommene, aber bei dieser Ensemble-Größe – keiner darf schließlich den anderen über den Haufen rennen – eingespielte Choreografie ist wohl vertraut. Will Butler, der Oskar Matzerath von Arcade Fire, springt auf den Frontmonitor und haut die Trommel. Richard Reed Perry trägt die weiße Mallorca-Jeans, sieht aber noch immer so furchteinflößend aus wie Malachai aus der Stephen-King-Verfilmung „Kinder des Zorns“.

Régine Chassagne macht den Tanz mit den Bändern der rhythmischen Tanz-Gymnastik. Und wenn die Songs mal nicht so swingen, und alle anderen Musiker, nur nicht sie gerade ein Instrument zur Verfügung haben, dann schwingt Chassagne, wann hat man so etwas das letzte Mal auf der Bühne gesehen, vielleicht bei Tina Turner, im Takt ihren Pullover über den Kopf.

Régine Chassagne

Richtig neu ist das Bühnenbild. Im Hintergrund steht eine Art Aquarium ohne Wasser; ein überdimensionales Schaufenster, in das sich die Musiker beizeiten begeben und als Schatten bewundern lassen. Am Ende schreitet auch Régine Chassagne hinein und tanzt unter dem animierten Symbol der „Neon Bible“, das auch heute noch, zehn Jahre später, eines der schönsten und rätselhaftesten Album-Art-Symbole darstellt.

Reise nach Jerusalem

2004 wurden Arcade Fire mit ihrem Debüt „Funeral“ aus dem Stand zu einer der wichtigsten Bands des neuen Jahrtausends. Mittzwanziger, die über den Tod singen, gibt es zwar zuhauf. Aber dies waren Mittzwanziger, die über die Last von Beerdigungen sangen. Über Familienbürden, Erinnerungen, vergilbte Fotoalben, Rituale. Die nächste Stufe wurde gezündet, als Arcade Fire mit diesem Material erstmals auf Tour gingen. Den Bigband-Rocksound übertrugen sie in eine noch flammendere Live-Darbietung mit allerhöchstem Schauwert. In den seltensten Fällen spielte jeder mehr als zwei Songs lang dasselbe Instrument, was bei einem Dutzend Mitgliedern für maximale Bewegung auf der Bühne sorgte, Reise nach Jerusalem allein an Drums und Keyboards.

Getty Images


ROLLING STONE präsentiert: Beck auf Tour 2020

Beck erfindet sich immer wieder neu. Seine über 25 Jahre andauernde Karriere ist so eng mit der jüngeren US-Musikgeschichte verbunden wie kaum eine andere. Vom Grunge-Blues mit HipHop-Anleihen auf „Mellow Gold“ über sein vielleicht wichtigstes Album „Odela“ (1998) bis hin zu seinem gefeierten Folk-Album „Morning Phase“ probierte sich Beck in fast jedem Genre aus. 2017 brachte ihm sein Pop-Album „Colors“ erneut Grammys ein - und es wäre nicht verwunderlich, wenn seine von Pharell Williams mit produzierte LP „Hyperspac“ ebenfalls für einen Preisregen sorgt. Egal wie weit sich Beck jeweils von seinem gerade erst praktizierten Stil entfernte, seine Konzerte waren immer…
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