Highlight: Coldplay: Geschichte einer enttäuschten Liebe

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Dies ist das beste Album von Coldplay, das die Band nie veröffentlichen wird

Als „Parachutes“ im Juli 2000 erschien, waren Coldplay schon kein unbeschriebenes Blatt mehr. Die Band hatte sich zuvor mit mehreren glänzenden EPs („Safety“, „Brothers And Sisters“, „Blue Room“) einen Namen gemacht und ihre wehmütig-melancholischen Songs am großen Publikum ausgetestet. Bereits 1999 gab es einen bejubelten Auftritt beim Glastonbury. Die Folge: „Parachutes“ startete direkt durch, eroberte Platz eins der UK-Charts, gilt manchen sogar als eines der überzeugendsten Debütalben der vergangenen Jahrzehnte. Und es markierte den Anfang einer Weltkarriere, die Coldplay inzwischen in die großen Stadien der Welt geführt hat.

Coldplay schreiben nun (auch) Hymnen fürs Wochenende, zum Feiern, zum Hören in Shopping Malls und bei Modeschauen. Spätestens seit ihrer Platte „A Head Full Of Dreams“ sind die Mehrzweckhallen durch Stadien ausgetauscht worden. Hier fliegen Ballons und Konfetti – bunte Farben regieren. All das passt immer weniger zu intimen Balladen und sensitiven Rocksongs.

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Es gibt nicht wenige Hörer der ersten Stunde, die diesen offenkundigen Schritt in Richtung Kommerzialisierung und Pop-Musik mit Bauchschmerzen verfolgen. Es dürfte sich dabei um all jene handeln, die glauben, dass Coldplay spätestens nach „X&Y“ (manche lassen auch noch „Viva La Vida“ gelten) keine relevante Platte mehr aufgenommen haben.

Coldplay: Songs, die man hören muss

Sie können und müssen sich mit den von Jeff Buckley, Echo And The Bunnymen und Travis inspirierten Wiegenliedern der Vergangenheit trösten. Aber möglicherweise kennen auch sie nicht die fantastischen Stücke, die Coldplay in ihren ersten Jahren quasi nebenbei aufgenommen haben und die, auf EPs verteilt, als B-Sides und Rarities versteckt, in der Welt sind. Diese ambitionierten Kleinkunstwerke verdienen es, gerade jetzt, da diese eigentlich talentierteste aller britischen Bands der Gegenwart eine Pause vom Erfolg genommen hat und über neues Material nachdenkt, (wieder-)entdeckt zu werden.

Eine Schatztruhe von großartigen Songs, die alleine ein ganzes Album füllen könnten. Eines, das so aussehen könnte wie dieses hier! Eines, das möglicherweise „Lost Weekend“ heißen könnte.

Das einführende „I Ran Away“ zeigt spielend, warum Will Champion vielleicht doch kein so übler Drummer ist. „For You“ ist die zartfühlendste Liebeserklärung, die Chris Martin je gesungen hat. „Animals“ enthält die wunderbar schroffen Zeilen „Animals we are/Disposable/Collapsible And Raw“. „Brothers And Sisters“, 1999 als erste offizielle Single von Coldplay herausgebracht, enthält schon alle musikalischen Ingredienzien dieser Band, die auf hörbar simplen Strukturen beruhen. Und sie zeigt: Das Geheimnis von Coldplay ist am Ende doch der Gesang von Chris Martin, sein verzweifelt anmutendes Jaulen und Flehen und Jauchzen. „See You Soon“ funktionierte wunderbar live – wie oft gehört auf der Tour zu „A Rush Of Blood To The Head“. Und dann ist da noch „Gravity“: Chris Martin von allen Geistern verlassen allein am Klavier…

Coldplay: Lost Weekend

1. I Ran Away

2. Crest Of Waves

3. I Bloom Blaum

4. For You

5. 1.36

6. Only Superstition

7. Animals

8. Brothers And Sisters

9. No More Keeping My Feet On The Ground

10. Such A Rush

11. Help Is Round The Corner

12. See You Soon

13. Gravity

Bonus 1: One I Love

Bonus 2: Ladder To The Sun

Bonus 3: Bigger Stronger

Bonus 4: A Ghost

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