Netflix warnt vor Sudizidgefahr wegen „Tote Mädchen lügen nicht“


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Man kennt das: Hat man einmal eine Serie gefunden, die man so richtig liebt, entwickelt man Empathie gegenüber der Figuren. Ist die Geschichte irgendwann vorbei, ist das manchmal gar dem schmerzhaften Ende einer Freundschaft gleichzusetzen. Aber: Vielleicht kann man sich auch so sehr in eine Filmproduktion hineinversetzen, dass man sich selbst gefährdet – falls man bereits unter Verstimmungen leidet.

13 Kassetten

Das befürchten einige Jugendschützer anhand des Beispiels von „Tote Mädchen lügen nicht“. Die Serie, die im englischsprachigen Raum unter dem Titel „13 Reasons Why“ läuft, dreht sich um Teenagerin Hannah, die sich das Leben nimmt und dreizehn besprochene Kassetten für  Personen hinterlässt, die sie für ihren Suizid mitverantwortlich macht.

Verherrlichung von Suizid?

Viele Zuschauer sind begeistert von der Drama-Serie, aber viele schlagen auch Alarm. Eltern, Jugendschützer und auch Stars bezeichnen die Reihe als Gefahr für Heranwachsende. „Tote Mädchen lügen nicht“ soll beispielweise in Neuseeland von unter Achtzehnjährigen nur noch im Beisein eines Erwachsenen gesehen werden dürfen – die dortige Behörde mutmaßt, dass insbesondere junge Mädchen zum Suizid angestiftet werden könnten. Besonders kritisch sei zu beurteilen, dass der Selbstmord der Hauptfigur tatsächlich bildlich dargestellt wird, was viele als Verherrlichung von Suizid ansähen.

Kritik von Paris Jackson

Paris Jackson, Tochter von Michael Jackson, beäugt die Netflix-Produktion auch eher kritisch – auf ihrem Instagram-Profil schreibt die 19-Jährige, dass die Serie zwar eindrücklich darstelle, was Mobbing mit jungen Menschen anstellen kann.

Gleichzeitig sei die Serie aber auch „extrem triggernd“, wenn man – wie sie selbst in der Vergangenheit – ohnehin mit Selbstzweifeln und Suizidgedanken zu kämpfen habe, weshalb man sich bewusst sein solle, dass „Tote Mädchen lügen nicht“ den Zuschauer an einen „dunklen Ort“ führen könne.

Angesichts dieser Kritiken sieht sich Netflix gezwungen, zu reagieren und will nun vor jeder Episode eine sogenannte Trigger-Warnung einblenden – bisher war dies bei lediglich drei Folgen der Fall, in denen entweder Suizid oder Vergewaltigung zu sehen waren. In einem Statement sagte der Streaming-Anbieter:

„Viele unserer Zuschauer sehen die Sendung als eine Grundlage, essentielle Gespräche mit Familienmitgliedern zu führen – aber einige sind auch besorgt und finden, die Serie bräuchte mehr Warnhinweise. Deshalb werden wir ab sofort jeder Folge eine Trigger-Warnung vorausschicken, auch für all jene, die neu in die Serie einsteigen.“

Erklärung und Hilfestellung

Zusätzlich hat Netflix eine Art „Nachfilm“ produziert, der sich tiefer mit der Thematik des Mobbings und des Suizids beschäftigt, sowie eine Website ins Leben gerufen (13ReasonsWhy.info), auf welcher suizidgefährdete oder mental instabile Zuschauer Hilfsangebote in ihrer Nähe finden können.

Zensur wäre kontraproduktiv

Auch die partizipierenden Schauspieler sprechen sich für die Serie – und gegen die Vorwürfe des Triggerns aus. So erläuterte Alisha Boe, die in „Tote Mädchen lügen nicht“ die Rolle der Jessica übernimmt, gegenüber „The Hollywood Reporter“: „Die Vergewaltigungs- und Suizidszenen sollten nicht zensiert werden. Wenn man die Darstellung des Selbstmords einfach aus der Serie herausnimmt, könnten die Zuschauer denken, es sei eine leichte Sache gewesen.“

„Mehr als zufrieden“

Ähnlich sieht das auch Brian Yorkey, einer der Produzenten der Serie: „So schwer es auch anzusehen ist, so schwer soll es auch sein. Wenn wir die Geschichte als leichte Kost darstellen würden, dann würde das nicht das sein, was wir den Zuschauern geben möchten.“

Auch die Co-Produzentin, Pop-Sängerin Selena Gomez, verteidigt ihre Serie: „Wir haben uns sehr nah an der Buchvorlage von Jay Asher orientiert. Es ist kein einfaches Thema.“

https://youtu.be/m4R8wJmb45c