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„Dürrenmatt kann mich am Arsch lecken“: Jan Böhmermann verreißt Meisterwerke deutscher Literatur

Jan Böhmermann darf sich durchaus zurecht als legitimer Erbe von Harald Schmidt fühlen. Obwohl das ZDF ihm bisher keine tägliche Late-Night-Show offeriert (und mit Blick auf die Zielgruppe möglicherweise auch nie tun wird), orientiert sich kein anderer deutscher Comedian an einem ähnlichen Sprachwitz. Auch die Meta-Spielereien können – abzüglich der Referenzen auf die modernen Medien – ihren Ursprung in der „Harald Schmidt Show“ kaum verleugnen.

Eines hatte Dirty Harry dem nicht immer ganz geschmackssicheren „Neo Magazin Royale“-Moderator aber stets voraus: Schmidt wusste, wie man das bildungsbürgerliche Publikum zärtlich in und auf den Arm nehmen konnte. In seiner Sendung wurde über Bobbele-Becker genauso parliert wie über den „Tannhäuser“ von Richard Wagner. Das konnte mitunter auch in herrlichen Quatsch übergehen, man erinnere sich nur an die Playmobil-Literaturadaptionen. Zu Hochzeiten seiner Sendung erreichte Harald Schmidt dabei wesentlich bessere Einschaltquoten als Jan Böhmermann. Aber der hat ja das Internet.

Kritik an den Großen der Literatur

Für die Netzgeneration inszenierte der ZDF-Satiriker nun am Donnerstag (22. Juni) auf ZDFNeo in seiner letzten „Neo Magazin Royale“-Sendung vor der großzügigen Sommerpause eine Deutschstunde (natürlich auch mit Photoshop-Philipp). Goethe, Kafka, Fontane, Dürrenmatt standen auf dem Programm – also all das, was den meisten Heranwachsenden womöglich selbst im Grundkurs Deutsch begegnet. Doch statt Bildungshuberei gab es bei Böhmermann das Konstrastprogramm: Im Sakko und mit Teekanne in der Hand zerlegte Böhmermann die großen Meisterwerke der Literatur in ihre Bestandteile.

„Effi Briest“ ist für ihn eine Vergewaltigungsposse im Kleide einer Gesellschaftstragödie. „Die Physiker“ ist ein einziges Gebrabbel ohne Sinn und Verstand. Und „Faust“ ist nur der versteckte Hinweis darauf, dass Goethe im Grunde eine Geschichte über einen Mann erzählen wollte, der blutjungen Mädchen unter den Rock gucken möchte.

Neo Magazin Royale: Letzte Stunde vor den Ferien

Passend zum Verriss (und möglicherweise in Erinnerung an Harald Schmidts Playmobil-Jux) gab es die „Physiker“ als Laientheater-Version im Einspieler zu sehen, die doch sehr an einen Edgar-Wallace-Krimi erinnerte. Als die Krankenschwester gerade etwas Dramentheorie zitiert, sagt einer der Ermittler: „Dürrenmatt kann mich gepflegt am Arsch lecken“.

Solche Filmchen spendierte das „Neo Magazin Royale“-Team dann unter dem hübsch-infantilen Titel „Letzte Stunde vor den Ferien“ auch „Faust“ und der „Verwandlung“ von Kafka.  Die geriet zum kleinen Highlight in der nur an der Oberfläche intellektuellen Literatur-Parodie. Mit zirpenden Synthesizern und Ekel-Bildern erinnert der Clip an Filme von David Cronenberg oder David Lynch. Dazu gibt es Doku-Einspieler, die die psychische Situation des Freud-Familien-Ödipus-Theater durch den Kakao ziehen und an einschlägige Sendungen auf RTL und RTL II erinnern.

Auf Twitter gab es dann für die Germanistikstudenten noch ein paar witzige Zusätze, die wohl einmal mehr veranschaulichen sollen, dass auch hinter dem größten literarischen Kunstwerk viel Banalität lauern kann. Oder wenn man Böhmermanns Deutschstunde eher nicht so komisch finden mag: dass man jedes Meisterstück mit dem passenden Werkzeug zum Trash erniedrigen kann.


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