Who’s Who im Krautrock: Von Can bis Ton Steine Scherben

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Who’s Who im Krautrock: Von Can bis Ton Steine Scherben

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Krautrock als nerdige Randbewegung für Freaks und Sonderlinge abzutun, ist sicher nicht angebracht – zu groß war der gesamtkulturelle Einfluss. ROLLING STONE gibt einen Überblick über die besten Bands dieses wegweisenden Genres.

Agitation Free

Experimentelle Band aus Berlin, die 1972 sogar für das Goethe-Institut auf Nahosttournee ging. Mitte der Siebziger aufgelöst, Ende der Neunziger reformiert.

Amon Düül II

Der Prototyp des anarchischen Krautrock-Kollektivs, 1967 nahe München gegründet. Waren auch im Ausland aktiv, der große Durchbruch blieb allerdings aus.

Ash Ra Tempel

Trotz des Namens keine Raga-Rokker aus Bollywood, sondern innovative Progrocker aus Berlin. Setzten später verstärkt auf Psychedelic und elektronische Klänge.

Birth Control

Sie schenkten der Welt den Diskothekenknaller „„Gamma Ray„: solides Krautrock-Urgestein aus Berlin, das ab 1968 in zahllosen Besetzungen aktiv ist.

Can

Absolut wegweisend, was die Kölner Band ab 1968 produzierte: intelligent inszenierten, rhythmisch komplexen Avantgarde-Rock. Bis heute extrem einflussreich.

Cluster

Avantgarde-Brutkasten für kommende Krautrock-Talente, in Berlin 1969 von Conrad Schnitzler, Hans-Joachim Roedelius und Dieter Moebius installiert.

Eloy

Opulenter Fantasy-Progrock mit englischen Texten, von Kritikern häufig verschmäht, vom Publikum indes heiß geliebt. Eloy wurden 1969 in Hannover gegründet.

Embryo

Hippie-Kultur trifft Jazzrock trifft World Music: Die Münchner sind die einzig wahren Wandermusiker der Krautrock-Ära, nachzuerleben im Film „„Vagabundenkarawane“.

Faust

Rockmusik, zerlegt in seine Bestandteile und mit illustrem Instrumentarium inszeniert. Die 1970 in Hamburg gegründeten Faust sind die Wegbereiter des Industrial.

Floh De Cologne

1966 als Politkabarett gegründet, mauserte sich die Kölner Gruppe zur rockenden Agitationsplattform: Ihr Album „Fließbandbabies Beat-Show“ (1970) gilt als legendär.

Frumpy

Mochten andere politisch und progressiv agieren, bei Frumpy in Hamburg wurde ab 1969 einfach nur ehrlich gesoulrockt. Brillant: Ausnahmesängerin Inga Rumpf.

Grobschnitt

Entstanden 1970 in Hagen, kultivierte die Band auf der Bühne ein aufwändig inszeniertes Rocktheater. 1977 schwer innovativ: das Konzeptalbum „Rockpommels Land“.

Guru Guru

Die Anarcho-Jazzrocker aus dem Odenwald: Eine Krautrock-Institution, die mit ellenlangen, rhythmisch aufregenden Improvisationen immer wieder Neuland betrat.

Harmonia

Hybrid aus den Bands NEU! und Cluster. Im eigenen Studio im Weserbergland entstand 1975 das bahnbrechende Werk „„De Luxe“. Auch Brian Eno war fasziniert.

Hoelderlin

Die ausgewiesenen Schöngeister unter den Krautrockern formierten sich 1970 in Wuppertal: deutsche Romantik zwischen Psychedelic-Folk und Progrock.

Ihre Kinder

Folk-Blues-Rock-Psychedelic mit politisch engagierten Texten: 1968 in Nürnberg entstanden, blieben Ihre Kinder trotz ambitionierter Alben der ewige Geheimtipp.

Jane

Krautrock, englischsprachig: 1970 in Hannover zur Welt gekommen, rockte Jane zeitlebens recht hart und bodenständig – und noch dazu ziemlich erfolgreich.

Kraan

Die reine Spielfreude oder der Exportschlager aus Ulm: Kraans hochklassige Abfahrten mit ihren jazzigen und funkigen Untertönen schätzte man sogar in den USA.

Kraftwerk

Die Düsseldorfer setzten mit „Autobahn“ Deutschland auf die internationale Pop-Landkarte. Ohne sie wäre vieles anders. Etwa die elektronische Musik.

La Düsseldorf

Aus dem Duo NEU! hervorgegangen, kommerziell aber wesentlich erfolgreicher: Enorm fortschrittlicher Synthie-Avantgarde-Pop, der sogar im Radio gespielt wurde.

Missus Beastly

Herfords Finest: freiformaler, experimenteller Acid-Jazzrock, Jahrgang 1968. Bis 1978 erschienen vier Alben, dann war Schluss. Das große Geld verdienten wohl andere.

NEU!

Klaus Dingers kontrolliertes Schlagzeugspiel, Michael Rothers mäandernde Gitarrenspuren: Mehr brauchten die Düsseldorfer nicht, um Rockgeschichte zu schreiben.

Novalis

Wir sind eben doch das Land der Dichter und Denker: Novalis aus Hamburg setzten auf romantische Lyrik und barocke Klänge. Für die einen Kitsch, für andere Kult.

Ougenweide

Minnesang, elektrisch verstärkt: Der deutsche Mittelalterrock beginnt 1970 in Hamburg. Die verdienten Folkrock-Spielleute sind noch heute aktiv.

Popol Vuh

1970 von Florian Fricke in München gegründet, wurden sie vor allem durch ihre Soundtracks für Werner Herzog bekannt: Synthie-Ambient mit New-Age-Einschlag.

Klaus Schulze

Der Berliner Elektro-Einzelkämpfer entlockte den damals hochkomplexen Moog-Synthesizern schon Anfang der siebziger Jahre sphärische Klänge. Ein Pionier des Ambient.

Tangerine Dream

Edgar Froese erfand die noch heute aktive Band 1967 in Berlin: Das Navigationsgerät für alle kosmischen Kuriere wurde mehrfach für Grammys nominiert.

Ton Steine Scherben

Ohne ihre Musik machte Hausbesetzen nur halb so viel Spaß: Deutschlands wohl profilierteste Politrockband, 1970 in Berlin gegründet.

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