Nach Missbrauchsvorwürfen: Pixar-Chef John Lasseter tritt zurück

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Nach Missbrauchsvorwürfen: Pixar-Chef John Lasseter tritt zurück

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John Lasseter, Chef von Pixar und Disney Animation, reiht sich ein in die Liste von über 60 Männern, die seit dem Harvey-Weinstein-Vorfall der sexuellen Belästigung beschuldigt wurden. Berichten zufolge soll er für „Grapschen, Küssen und Kommentare über physische Attribute“ bekanntgewesen sein. Lasseter hat sich infolgedessen für sechs Monate beurlauben lassen und ist von seinem Chef-Posten zurückgetreten.

Laut „The Hollywood Reporter“ haben sich mehrere Mitarbeiter von Pixar unabhängig gemeldet, um die sexuellen Missbrauchsvorwürfe im Detail zu erläutern. Aus Angst um ihren Job möchten sie jedoch anonym bleiben. So soll Lasseter bereits bekannt dafür sein, andere Mitarbeiter  zu umarmen, doch alleine dabei blieb es nicht. Er ist auch bei der Belegschaft als Trinker berüchtigt, der auf Partys und Filmpremieren viel Alkohol konsumiert. Doch auch zu anderen Anlässen soll er Frauen belästigt haben. Die Mitarbeiter behalfen sich damit, indem sie ein eigenes Ausweichmanöver erfanden, welches intern als „The Lasseter“ bekannt wurde.

Dieses Ausweichmanöver soll mindestens 15 Jahre zurückreichen, wie sich ein Insider erinnert, der von einer Mitarbeiterin berichtet, die in einem Meeting neben Lasseter saß:

„Sie war gebeugt und hatte ihren Arm auf ihrem Oberschenkel. Am besten kann ich es als eine defensive Haltung beschreiben… John hatte seine Hand auf ihrem Knie und bewegte sie auf und ab.“

Nach dem Meeting fragte der Insider die Frau, was er da gerade gesehen hatte:

„Sie sagte, es sei unglücklich für sie gewesen, an dem Tag einen Rock getragen zu haben. Hätte sie ihre Hand nicht auf ihrem rechten Bein abgelegt, wäre seine Hand noch weiter gewandert.“

Darüber hinaus berichtet der gleiche Insider noch von einem äußerst merkwürdig zugeschnittenen Foto, welches Lasseter in einer offiziellen Firmenfunktion zwischen zwei Frauen stehend zeigte. Als er einen Kollegen darauf ansprach, bekam er folgende Antwort:

„Wir mussten es zuschneiden. Hast du eine Ahnung davon, wo seine Hände waren?“

Des Weiteren war Lasseter auch dafür bekannt, andere Menschen in Meetings zu umarmen. Doch dabei soll er Mitarbeiterinnen auch gerne zu nahe gekommen sein, wie sich eine andere Person erinnert:

„Man umarmte ihn und er flüsterte sehr lange Sachen in dein Ohr. Er umarmte und umarmte, während alle anderen dich anstarrten. Er verletzte den persönlichen Raum.“

Stellungnahme von Jon Lasseter

Inzwischen hat John Lasseter auch eine Stellungnahme in Form eines Mitarbeiter-Memos veröffentlicht und angekündigt, sich für sechs Monate beurlaubt zu haben. So spricht er davon, dass es „nicht einfach ist, sich seinen Fehltritten zu stellen, aber nur so lernt man von ihnen“. Indirekt scheint er die Anschuldigungen damit zuzugeben. Nach diesem sechs Monaten möchte er aber wieder zurückkehren.

Das Mitarbeiter-Memo in der deutschen Übersetzung:

„Ich wollte schon immer, dass unsere Animationsstudios Orte sind, an denen Schöpfer ihre Visionen mit der Unterstützung und Zusammenarbeit anderer begabter Animatoren und Geschichtenerzähler erforschen können. Diese Art von kreativer Kultur erfordert ständige Wachsamkeit, um sie aufrechtzuerhalten. Es baut auf Vertrauen und Respekt auf, und es wird zerbrechlich, wenn sich Mitglieder des Teams nicht geschätzt fühlen. Als Führungskraft ist es meine Verantwortung, dafür zu sorgen, dass das nicht geschieht; und ich glaube jetzt, dass ich in dieser Hinsicht nicht genug getan habe.

Ich habe vor kurzem eine Reihe von schwierigen Gesprächen geführt, die für mich sehr schmerzhaft waren. Es ist nie einfach, sich seinen Fehlern zu stellen, aber es ist der einzige Weg, von ihnen zu lernen. Infolgedessen habe ich viel darüber nachgedacht, welche Führungsperson ich heute bin und welcher Mentor, Fürsprecher und Meister ich sein möchte. Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass ich einige von euch dazu gebracht habe, sich respektlos oder unbehaglich zu fühlen. Das war nie meine Absicht. Gemeinsam bedeuten Sie mir die Welt, und ich entschuldige mich zutiefst, wenn ich Sie enttäuscht habe. Ich möchte mich besonders bei jedem entschuldigen, der jemals auf der Empfängerseite einer unerwünschten Umarmung oder einer anderen Geste war, von der sie glaubten, dass sie die Linie in irgendeiner Weise oder Form überschritten haben. Egal wie wohlwollend meine Absicht ist, jeder hat das Recht, seine eigenen Grenzen zu setzen und sie respektieren zu lassen.

In meinen Gesprächen mit Disney sind wir uns einig in unserer Verpflichtung, alle Anliegen, die Sie haben, stets mit der Ernsthaftigkeit zu behandeln, die sie verdienen, und sie in angemessener Weise anzugehen. Wir teilen auch den Wunsch, die lebendige und respektvolle Kultur zu stärken, die von Anfang an die Grundlage für den Erfolg unserer Studios war. Und wir sind uns einig, dass der erste Schritt in diese Richtung darin besteht, dass ich mir etwas Zeit nehme, um darüber nachzudenken, wie wir von hier aus vorankommen können. So schwer es mir auch fällt, mich von einem Job zu trennen, für den ich so leidenschaftlich bin und ein Team, das ich hoch schätze, nicht nur als Künstler, sondern auch als Menschen. Ich weiß, dass es das Beste für uns alle ist. Meine Hoffnung ist, dass ein sechsmonatiges Sabbatical mir die Gelegenheit gibt, mich besser um mich selbst zu kümmern, mich wieder aufzuladen und inspiriert zu werden und schließlich mit der Einsicht und Perspektive zurückzukehren, die ich brauche, um der Leiter zu sein, den Sie verdienen.

Ich bin sehr stolz auf dieses Team und ich weiß, dass Sie auch in meiner Abwesenheit die Welt begeistern werden. Ich wünsche Ihnen allen eine schöne Weihnachtszeit und freue mich darauf, auch im neuen Jahr wieder mit Ihnen zusammenzuarbeiten.

John“

Das sagt Disney zu den Vorfällen

Doch trotz der sexuellen Missbrauchsvorwürfe wird John Lasseter nicht von Disney gefeuert – ganz im Gegenteil sogar. Der Micky-Maus-Konzern unterstützt seine Beurlaubung und alles klingt ganz so, als ob Lasseter im nächsten Jahr tatsächlich wieder seinen alten Job übernimmt:

„Wir fühlen uns verpflichtet, ein Umfeld zu erhalten, in dem alle Mitarbeiter respektiert und befähigt werden, ihre beste Arbeit zu leisten. Wir schätzen Johns Offenheit und aufrichtige Entschuldigung und unterstützen sein Sabbatical voll und ganz.“

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