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Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten: Pearl Jam – „No Code“


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Nicht schnell genug, nicht hymnisch genug. Aber vor allem: An die Stelle Grunge­typischer Nöte (Süchte, Missbrauch durch die Eltern, Unverstandensein) rückte eine fast schon meditative Betrachtung der Existenz.

– „He’s alive but feels absolutely nothing/ So is he?“ Der Folk von „Who You Are“, der Identitätsproblemen einen versöhnlichen Ton entgegensetzt, war ihre erste lebensbejahende Single –und das nach vier Alben in sechs Jahren. Kritiker fanden das Album „inter­essant“, freundlich für „geht so“.

Pearl Jam schauten mit „No Code“ bewusst nach vorn

Und es ging mit einem drastischen Bedeutungsschwund bei Fans und jungen Erwachsenen einher. Sie vermissten Bodenhaftung bei Eddie Vedder, der sich mit india­nischer Spiritualität beschäftigte.

Eine Renaissance hat „No Code“ bis heute nicht erfahren, obwohl es einige der stärksten Pearl­-Jam­-­­Songs enthält: das Trennungslied „Smile“ sowie den Abgesang auf Grunge, „Present Tense“, das der latenten Wehlei­digkeit des Genres abschwört mit dem Einzigen, was hilft: nach vorn zu schauen.


Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten

Ohne Konzerte und Festivals fanden wir uns plötzlich abends auf unsere Plattensammlungen zurückgeworfen und stellten fest: Oft sind es nicht die kanonisierten Klassiker, die man besonders gern auflegt.

Stattdessen sind es Alben im Katalog eines lieb gewonnenen Künstlers, die man ganz für sich allein zu haben scheint, weil der Rest der Welt sie verschmäht oder gar schon vergessen hat – missverstandene Geniestreiche, verkannte Meisterstücke, vernachlässigte Schlüsselwerke und Platten, die einfach viel besser sind als ihr Ruf und eine Neubewertung verdienen.


Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten: Prince – „Batman“

Auf den ersten Blick schien sich das egozentrische Genie als Söldner zu verdin­gen: Um das durch teure Tourneen gebeu­telte Konto aufzufüllen, nahm Prince erstmals eine Auftragsarbeit an, für den garantierten Blockbuster „Batman“. Er erklärte sich also bereit, Songs über Comicfiguren und Lebenswelten zu schreiben, in denen er nicht zu Hause war. In Wirklichkeit ist der Soundtrack seine erste subversive Platte: Das dem Helden Batman zugeschriebene „The Future“ ist die verklausulierte Verarbeitung eigener missglückter Drogenerfahrungen. Höhnischer Gruß an verlorengegangene Fans Und „Batdance“ seine rebel­lischste Single: ohne Strophe­-Refrain-­Struktur, di­vidiert durch zwei brutale Rhythmuswechsel, mit drei Metal­-Gitarrensoli, Filmdialog­-Samples sowie einer Verballhornung der Ende…
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