George Michael „Older“


Sony (VÖ: 30.9.)


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Im Gegensatz zu den Nachlassverwaltern David Bowies wird denen von George Michael gern vorgeworfen, dass die von ihnen abgesegneten Editionen lieblos kompiliert seien, ohne Mehrwert. Ja nun – Michael war nicht bekannt dafür, viele Songs produziert zu haben, die in einem Tresor verschwanden und entdeckt werden könnten. Daher erschließt sich das Reissue dieses 1996er-Albums eher durch sein erstmaliges Remaster; die 33 Remixe und Outtakes sind allesamt bekannt. Das sensationelle „Unplugged“-Konzert zur damaligen Album-Promotion wurde unsinnigerweise bereits der „Listen Without Prejudice“-Neuauflage beigefügt, und das in die „Older“-Ära gefallene, unveröffentlichte „Trojan Souls“-Album wird womöglich eigenständig herausgebracht.

Die Balladen sind unerreicht

Mit Bossa nova versuchte George Michael, den Tod seines Lebensgefährten Anselmo Feleppa zu verarbeiten, den Tod seines Idols Antônio Carlos Jobim sowie einen jahrelangen Streit mit seinem Label. Entstanden ist sein nach „Listen …“ vielleicht nur zweitbestes Werk, gerade die Experimente mit House („The Strangest Thing“, „Free“) sind schlecht gealtert. Die Balladen jedoch sind unerreicht. Michael nutzte Sinnbilder für Geburt und Tod, die Jobim in den Jahreszeiten sah, und komponierte mit „To Be Forgiven“ eine Trauerversion von „Águas de Março“.

In „Jesus To A Child“ sang er von Feleppas Totenbett aus, die Live-Premiere absolvierte er mutig in gar nicht so intimem Rahmen bei den MTV Awards 1994 vor dem Brandenburger Tor. Zwei Jahre später feierte er damit eine Nummer eins in den UK-Charts – vielleicht der erste Hit, in dem ein schwuler Mann den Aidstod seines Partners betrauert. „You Have Been Loved“, sein Meisterstück, beginnt als Rollenprosa, in der er sich am Ende doch offenbart. George Michael, der nie ein Kind haben würde, singt aus der Perspektive von Müttern, die ihre Söhne durch Krieg oder Krankheit verlieren: „I’ve no daughters, I’ve no sons/ Guess I’m the only one/ Living my life.“


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