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Nirvana Nevermind

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Wir schreiben die Geschichte, und wir haben entschieden: Nirvana gehören ins Pantheon der Popkultur, und „Nevermind“ ist das beste Album der Neunziger. Wir, das sind die Musikhörer der Welt, die Fans, die Journalisten, die Teenager und alle, die mal Teenager waren und die wieder Teenager sind, wenn „Nevermind“ läuft. Wie kaum eine zweite Band machten Nirvana Musik für sensible Heranwachsende, für pubertierende Verwirrte, die in ihren Körpern und ihren Elternhäusern, ihren Ängsten und Aggressionen gefangen waren und ihre Dämonen den schmerzerfüllten Schreien Kurt Cobains und seinen kryptisch-düsteren Texten übergeben konnten, der überwältigenden Macht der elektrischen Gitarren, Dave Grohls präzise polternden Drums. ­

Alle diese Teenager sind mittlerweile erwachsen, und einige von ihnen arbeiten in den Redaktionen kanonbildender Musikmagazine. Die beständige Popularität und Präsenz Nir­vanas – ­Cobain starb vor 22 Jahren und wäre nächstes Jahr 50 geworden – ist alles andere als rätselhaft: Nach einem nach Haarspray stinkenden Jahrzehnt mutete „Nevermind“ an wie der erste frische Wind seit langer Zeit. Cobain behielt das Rauschhafte, das Selbstzerstörerische der bekannten Rockstars, aber im Gegensatz zu, sagen wir, Robert Plant in den Siebzigern oder Eddie Van Halen in den Achtzigern stellte Cobain nicht eine lustgetriebene Männlichkeit in den Mittelpunkt seiner Figur, sondern eben Selbstzweifel, Selbsthass und existenzielle Unsicherheit.

Das hatten vor ihm schon andere getan, im musikalischen Mainstream jedoch nur andeutungsweise und meist durch den Kontext einer misslungenen Romanze entschärft. Cobains Helden waren, neben den Beatles, die Ikonen des Hardcore-Punk der frühen 80er-Jahre; Figuren, die in der Schule von den coolen Sportlern gegen ihren Spind geschubst wurden, die in ihren DIY-Subkulturen florierten und alles bespuckten, was der Masse gefiel.

Und dann wurde mit „Nevermind“ die Gegen­kultur selbst zum Mainstream. Es ist kein Wunder, „Nevermind“ vereint bisher unver­söhnliche Binaritäten: auf der einen Seite Butch Vigs sauber-geordnete State-of-the-Art-Produktion und Cobains im Grunde poppiges Songwriting, auf der anderen die manische Energie dieser drei Männer, das abgründige Gemüt, der Schmerz, der Lärm. „Never­mind“ avancierte zum Konsensalbum und machte aus Cobain das, was er am wenigstens sein wollte: eine öffent­liche Figur, einen Unter­halter, einen Leitstern. Einen Rockstar.

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