Die Toten Hosen: Campino schließt Frieden mit den Bayern


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„Es kann so viel passieren, es kann so viel gescheh’n …“ lautet eine Textzeile in dem schwungvoll herum pöbelnden Song „Bayern“, mit dem die Toten Hosen vor über 20 Jahren ihre Aversionen gegen den FC Bayern München manifestierten. „Das ist doch bloß wieder eine dieser Gruppen, die damit versucht, bekannt zu werden“, kommentierte der damalige Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld diesen Schmäh-Gesang mit wuchtigen Pub-Rock-Riffs. Nicht ahnend, dass die Hosen zu Beginn der Nullerjahre bereits eine große Nummer im Showbiz waren.

Jedenfalls wollte sich Sänger Campino im „Bayern“-Song als fiktives Kicker-Talent, „nicht den Charakter versau’n“ und nach München wechseln, sollte Uli Hoeneß bei ihm wegen eines Transfers mit dem Geldkoffer anklopfen. Der damalige Club-Manager bekommt im legendären Video per ungefragtem Einspieler einen kurzen Cameo-Auftritt, in dem er grimmig feststellt: „Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft irgendwann ersticken wird.“

Tempi Passati. Die Toten Hosen sind längst gereifte Herren und machen gerade mal wieder Bandpause. Campino zieht mit Spannmann Kuddel über die Lesebühnen des Landes. Im Gepäck: Sein biografisch gefärbtes Fußball-Buch „Hope Street. Wie ich einmal englischer Meister wurde“. Durch eine Corona-bedingte Umplanung hatte es ihn nun in die alte Herzkammer des alten Feindes verschlagen: In die Südkurve des Olympiastadions, vor der einst Franz Beckenbauer und Gerd Müller wirbelten.

Auch in Gedenken an den jüngst verstorbenen „Bomber der Nation“ gibt sich Campino in München versöhnlich. Den Krawall-Song würde er heute als Jugendsünde betrachten, wie er in der Begrüßungs-Session seiner Kombi aus Lesung, Talk und Kammerkonzert einräumte. Neben Passagen aus seinem Buch gab er in Begleitung von Kumpel Kuddel Klassiker aus seiner englischen Herzens-Stadt wie „Long Way from Liverpool“ und natürlich „You’ll never walk alone“, dazu einige Hosen-Songs in kleiner Form zum besten.

Ein launig-versöhnlicher Abend im Reich der Bayern, mit allerlei Kicker-Romantik und Inside-Jokes, die auch Uli Hoeneß versöhnlich gestimmt hätten. Die anhaltenden Gerüchten über die Wechselpläne von Bayern-Tor-Maschine Robert Lewandowski ließ Campino – ganz der faire Sportsmann – einfach außen vor.