Xavier Naidoo erntet Verständnis in der Schweiz – bei Roger Köppel


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In seinen Videobeiträgen kommentiert Roger Köppel, der Chefredakteur der „Weltwoche“ und Nationalrat der rechtskonservativen Schweizer Volkspartei (SVP), eifrig das Tagesgeschehen. Als eidgenössische Cassandra geißelt er normalerweise die nationale und internationale Politik. In seiner Feiertagsbotschaft schlug er sich mit Verve für Xavier Naidoo in die Bresche.

Er verstehe das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes (BVerfG) nicht, nach dem der Mannheimer Soulsänger aufgrund seiner Songtexte antisemitisch genannt werden darf. „Jetzt entscheidet dieses Gericht, dass Xavier Naidoo ein Antisemit ist. Ich muss Ihnen sagen, ich glaube das einfach nicht. Ich glaube das einfach nicht“, so Köppel. Viel zu leichtfertig werde mit dem Begriff des Antisemitismus umgegangen.

In eigenwilligen Gedankensprüngen beklagt sich Köppel im Video weiter, dass stets diejenigen einen Stempel des Antisemitismus bekämen, die kritisch mit Migration und Angela Merkel umgehen würden. Dass sich Gerichte mit „den Muslimen“ beschäftigt hätten, die zum Teil „handfeste Judenhasser“ seien, habe er noch nicht erlebt.

Auf Nachfragen Schweizer Medien stellte sich heraus, dass Köppel weder die Songtexte von Xavier Naidoo kannte, die der Verurteilung zugrunden lagen, noch dessen spätere Einlassungen auf Telegram. Er habe sich vielmehr in „Weltwoche Daily“ auf die kritischen Aussagen Naidoos zur Migrationspolitik 2015 bezogen. Diese sind ihm als „nicht unvernünftig“ in Erinnerung geblieben, sagte er gegenüber watson.ch.

Der Sozialwissenschaftler Marko Ković, der zu Verschwörungstheorien und Extremismus forscht, stellt Köppel in dem Beitrag daraufhin „ein intellektuelles Armutszeugnis“ aus. „Herr Köppel will für Naidoos Antisemitismus blind sein, nur, weil er es gut findet, dass Naidoo Einwanderung kritisiert.“

Naidoo selbst hatte sich zum Urteil des BVerfG bislang nicht öffentlich geäußert, auch seine „Hin-und-Weg“-Tour im Sommer wird weiterhin beworben.