Der modernste James-Bond-Film wird 50: ‚Goldfinger’ kommt in die Kinos

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Der modernste James-Bond-Film wird 50: ‚Goldfinger’ kommt in die Kinos

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Es sollte erst sein dritter „Bond“-Film werden, aber Hauptdarsteller Sean Connery hatte bereits keine Lust mehr auf diesen Geheimagenten, mehrere Drehbuchfassungen hatte er schon abgelehnt. Er hielt den besten Mann ihrer Majestät für einen Sexisten, womit er Recht hatte, und war genervt von den ewig gleichen Sprüchen des Martini-Trinkers.

Zum Glück ließ der Schotte sich überreden wieder anzutreten (und danach noch einige Male mehr). „Goldfinger“, der am 17. September 1964 in London seine Premiere feierte, ist für viele Fans und Kritiker der beste der bis heute 23  – offiziellen – Filme über die Doppel-Null.

Der eher sachliche, melancholische Vorgänger „From Russia With Love“ (1963) bot noch eine klassische Spionage-Story. „Goldfinger“ dagegen war reinster Pop, und das sogar noch zwei Jahre vor der Erweckung Großbritanniens durch die Swinging Sixties.  Bond nahm gar die Fab Four auf die Schippe, als er die Wirkung von Alkohol mit der Wirkung ihrer Musik vergleicht: „My dear girl, there are some things that just aren’t done, such as drinking Dom Perignon ’53 above the temperature of 38 degrees Fahrenheit. That’s just as bad as listening to the Beatles without earmuffs.“ Liest sich vielleicht als altbackener, um Teilhabe am Zeitgeist bemühter Kommentar, war damals aber eine Aufmerksamkeitsbekundung vom berühmtesten Agenten der Welt.

Alles erstrahlte in Gold, oder zumindest in Gelb, so wie das angespannte Gesicht Gert Fröbes, der Bonds Gegenspieler Goldfinger verkörperte.  Mit diesem Film war der erste moderne James Bond geboren; einer, dessen Gadgets und Überzeichnungen hin zur Parodie fast ebenso viel erzählerische Aufmerksamkeit erhielten wie die obligatorische Welt-Bedrohung durch den Bösewicht.

Mit Bonds Dienstwagen, dem Aston Martin, schufen die Briten das seinerzeit coolste Auto. Dieses Gefährt verfügte über Maschinengewehre neben den Scheinwerfern, eine kugelsichere Heckwand, und, Wahnsinn, einen roten Knopf an der Gangschaltung, mit dem sich ein Schleudersitz aktivieren und der Beifahrer somit entledigen ließ. Das Publikum in den Sechzigern war erheitert. Die Bond-Gadgets kamen an: Dem Daniel Düsentrieb des MI-6, Waffenbastler „Q“, wurden von nun an zu jedem Filmbeginn zirka fünf Minuten eingeräumt, um seine Produkte vorzustellen. Als der Schleudersitz-Knopf präsentiert wurde (“nicht drücken!”), zählte man als Zuschauer schon die Minuten und sichtete mögliche Szenen, bis zum dem Punkt, wann Bond das Verbot von Q endlich brechen würde.

Aber auch die Gegenspieler waren bestens gerüstet. Lotte Lenyas Schuh mit Messer, wie er in „From Russia With Love“ noch zum Einsatz kam, war nichts gegen die neue Armada, mit der Auric Goldfinger und Co. antraten. Der Wirtschaftskriminelle arbeitete mit Laserwaffen, sein Handlanger Oddjob hatte eine Melone mit eingebauter Rundklinge, dessen Schärfe der schweigsame Koreaner an Steinstatuen ausprobierte, die er zum Leidwesen von Villenbesitzern regelmäßig köpfte.

Mit Goldfinger wurde zudem der erste große Bond-Gegenspieler erschaffen: hochintelligent, lauernd, aber auch sehr cholerisch, er konnte mit einer Hand Bleistifte zerbrechen. Einer der wenigen Antagonisten der Bond-Serie, die mit dem Agenten auf Augenhöhe standen. Gert Fröbe, zuvor kein internationaler Star, sollte nach „Goldfinger“ für viele Jahre das Muster definieren, das für Deutsche in Hollywood vorgesehen war: immer die Bösen spielen. 1964 war von 1945 noch nicht sehr weit entfernt.

Dieser Deutsche war eine Gefahr für die Welt. Die wohl legendärste „Goldfinger“-Szene zeigt nicht nur die drohende Kastration des Engländers Bond durch eine neuartige Waffe (einen Laserstrahl); auch mit der Wortwahl Goldfingers wird das britische Understatement parodiert: „No, Mr. Bond , I Expect You To Die.“ Dieses Spektakel wird nur noch durch das Finale überboten, als Goldfinger dann die Amerikaner an den Eiern packen will: Hätte sein ausgeklügelter, wenn auch etwas unrealistischer Angriffsplan auf die Goldreserven in Fort Knox ( den gesamten dortigen Goldbestand verseuchen, damit er die alleinige Gold-Allmacht besitzt) funktioniert, würde die Supermacht USA wirtschaftlich dem Untergang entgegentrudeln.

Eine der Pilotinnen, die mittels Betäubungsgas die Wachmänner von Fort Knox ausschalten soll, ist Pussy Galore (Honor Blackman). Sie ist die erste Frau in einem Bond-Film, die sich vom Agenten nicht auf den Hintern klatschen lässt (wie Connery zu Beginn an einem Zufallsopfer vorführt). Die zwei rangeln im Heu, und Blackman kann es mit Bond aufnehmen. Mitte der 80er-Jahre waren die Musiker Jon Spencer, Cristina Martinez und Neil Hagerty dermaßen von Name und Wirkung dieser Frau beeindruckt, dass sie ihre New Yorker Band Pussy Galore nach eben dieser Figur benennen sollten.

Auch die Geburtsstunde des klassischen Bond-Lieds durch eine Soulsängerin wurde eingeläutet: Shirley Bassey intonierte zu John Barrys Melodie ein dramatisch-orchestrales Stück, das zum Maßstab für jede Bond-Präsentation wurde.  Auch fast 50 Jahre später, diesmal war Adele mit „Skyfall“ an der Reihe, ließ es sich nicht kopieren. 

James Bond war nach „Goldfinger“ natürlich platt. Vielleicht lässt sich so erklären, dass der Agent im Nachfolger „Thunderball“ (1965) das erste Filmdrittel damit verschwendet, sich in einer Klinik zu regenerieren (und dort natürlich zu ermitteln).  So manche „Goldfinger“-Szene aber liefert bis heute Gesprächsstoff. Das zeigen auch die regelmäßigen Fragen in den “Gibt’s das wirklich?“-Rubriken verschiedener Zeitschriften. Nein, beide Szenen waren reine Filmemacher-Fantasien und würden im wahren Leben nicht funktionieren: Jene arme Frau würde nicht ersticken, nur weil man sie mit Goldfarbe überzieht; und ein Mensch, wie es Auric Goldfinger passiert, wird in der Luft nicht aus dem Flugzeugfenster gesaugt, falls man die Scheibe kaputtschießt.

Beide Todesfälle sahen aber ziemlich spektakulär aus.

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