Kamasi Washington und John Coltrane: Kehrt Jazz endlich zurück aus der Nische?


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Zugegeben, es ist nur eine Momentaufnahme. Aber wann waren zum letzten Mal echte Jazz-Platten unter den ersten zehn Alben der deutschen Charts? Und gleich zwei auf einmal! Außerhalb der eigenen Genre-Hitparade, die friedlich und oft genug wenig beachtet in der Nische schmort. So richtig knallig im Rampenlicht neben Deutsch-­Rappern und der aufgemöbelten LP-Legende „Appetite For Destruction“ von Guns N’ Roses!

Das Saxofon macht es möglich. Da ist einerseits Westcoast-Wizard Kamasi Washington, 37, der mit furiosem Spiel auf „Heaven And Earth“ an die Jetztzeit andockt. Und da ist der Titan John Coltrane, der bereits im Juli 1967 verstarb. Verschollen geglaubtes Studiomaterial, das unter dem Titel „Both Directions At Once – The Lost Album“ erschien und weltweit euphorisch rezipiert wurde, löste einen fast popmäßigen Buzz aus.

John Coltrane
John Coltrane

Jazz mit HipHop-Wumms

Noch fahren keine tiefergelegten Lambos mit Tracks von Coltrane im Auto-Stereo über die Neuköllner Sonnenallee, doch die sich sonst so dezent gebende Jazz-­Gemeinde schlug im Fachhandel mächtig zu. Mit hohem Vinyl-Kaufanteil, versteht sich, was in der Berechnung der Charts sehr vorteilhaft ist. Kamasi Washington ist es gelungen, nach seinem Gastspiel bei Kendrick Lamar auch in den eigenen Songs jenen (HipHop-)Wumms zu erzeugen, der heute wohl nötig ist, um außerhalb elitärer Zirkel wahrgenommen zu werden.

Es ist nur ein musikalisches Wetterleuchten zwischen Schlagerland und öden Angeberversen – dennoch ein schönes Signal, dass es in der kommerziellen Statistik zur Abwechslung Ausreißer in die Qualitätszone gibt. Ob das „dem Jazz“ in seiner ganzen Bandbreite nutzt, sei mal dahin­gestellt. Vielleicht wirken die Charts als Mutmacher und Energieschub.

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