Kritik: „Game of Thrones“, Staffel 8, Folge 5: Daenerys‘ Inferno

Es war einfach zu viel geworden für Daenerys. Verraten von Jon, verraten von Varys, verraten von Tyrion, einem Sprengel taktierender, um ihr Nachleben besorgter, sentimental gewordener Zauderer. Der lebensmüde Varys schreibt in der befunzelten Kemenate seine letzte Intrige, er ist zu ehrlich gegenüber Jon und Tyrion, und die beiden hintergehen Daenerys und reden dann darüber.

  • Achtung, dieser Text enthält Spoiler!

Varys wird dem Drachenfeuer überantwortet. Jaime will die Seiten wechseln, wird gefasst und von seinem unwahrscheinlichen Bruder Tyrion befreit, damit er zu Cersei zurückkehren und Königsmund retten kann. Jaime, erfahren wir jetzt, hat Tyrion das Leben gerettet. Er war der Einzige, der ihn nicht für ein Monstrum hielt. Tyrion will sein eigenes Leben gegen das Leben einer Stadt eintauschen. Tyrion weint. Jaime weint. Brüder. Der letzte Verrat an Daenerys.
Die Glocken. Sie müssen geläutet werden.

Aber zwei Frauen wollen nicht, dass die Glocken ertönen: Cersei und Daenerys, die Rivalinnen. So nimmt die Katastrophe ihren Lauf: Eyron Graufreuds Armada, bisher unbesiegbar, wird von Daenerys‘ Drachenattacke zerstört. Eyron selbst tritt bramsig gegen Jaime an und stirbt, obwohl alles gegen Jaime spricht. Arya schleicht sich mit Sandor in die Stadt ein: „Ich werde Königin Cersei töten.“

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Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) lässt ihren Drachen auf Königsmund los
Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) lässt ihren Drachen auf Königsmund los

Und das Inferno bricht los

Cersei steht auf dem Roten Bergfried und schaut. „Der Rote Bergfried ist noch nie gefallen – und das wird er auch diesmal nicht.“ Das Volk – hier gezeigt als „das Volk“ – läuft aufgeregt in die Stadt, bevor die Türen geschlossen werden, also in die Falle. Die Truppen stellen sich auf: Ein Patt, den die gegen die Mauern anstürmende Armee nicht gewinnen kann. Der Drache macht den Unterschied: Daenerys greift die feindlichen Truppen in ihrem Rücken an, die eigenen Kohorten erobern die Stadt im Handstreich, voran Jon, Davos und der Graue Wurm. Die letzten Vasallen strecken die Waffen. Der bange Blick auf den Glockenturm. Jon wartet. Tyrion wartet. Cersei wartet. Die Glocken läuten. Dann sieht man Daenerys‘ Gesicht, während sie auf dem Drachen reitet, den Moment, in dem alles kippt. Und das Inferno bricht los.

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Man sieht jetzt den Feuersturm, die Gemetzel, die einstürzenden Mauern, die Asche, das Blut und den Staub, die „Game of Thrones“ stets exemplarisch inszeniert hat, und auch diesmal schnurrt das grausige Geschehen majestätisch ab: Der Blick über den Stadtprospekt, Cerseis imperiale Aussicht, der Drache in der Ferne, die Auslöschung des Fußvolks, Jaimes letzter Weg zu Cersei, Aryas Überlebenskampf, das blutrünstige Entscheidungsduell von Sandor und seinem Bruder Gregor, nun ohne Rüstung, Schwert im Leib, Messer im Auge, das Biest stirbt nicht, und schließlich sterben beide Kämpen, vereint im Fall vom Turm, dem Feuer entgegen. Cersei und Jaime finden sich wieder, aussichtslos in den Gewölben, während alles zusammenbricht. Es wird alles gesagt, was gesagt werden muss: Da draußen lebt niemand mehr. Ich will, dass unser Baby lebt. Du blutest. Die Apokalypse.

Arya erwacht aus der Asche, allein in den Trümmern. Rauchende, zerschmolzene Rudimente. Es ist die dröhnende, betäubte Stille nach der Schlacht. Und da steht ein Schimmel, eine Erscheinung wie bei Steven Spielberg, und Arya reibt sich die Augen, steigt aufs Pferd und reitet davon.

„Die Glocken“ bietet das gesamte Arsenal auf, das noch zur Verfügung stand. Allein, ein Mann fehlt. Nur George R. R. Martin könnte diese Geschichte so erzählen, dass sie über einen Film hinausginge, der zeigt, wie eine Stadt von einer Frau auf einem Drachen ausgelöscht wird, ein Retten, Rennen, Flüchten, ein Katastrophenfilm. „Game of Thrones“ zeigt das Inferno, die vielen namenlosen Toten und die wenigen, die man kennt, man sieht Zerstörung und Grauen. Die Ergriffenheit wird schon kommen.

Aber sie kommt nicht.

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