Nick Cave: „Das Publikum hat mich gerettet“


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Nick Cave tourt unermüdlich um die Welt, in Deutschland war der australische Musiker zuletzt im Sommer 2022 zu sehen. Dabei war erst im Mai sein Sohn Sohn Jethro Lazenby im Alter von 31 Jahren gestorben, der zweite Verlust eines Kindes nach dem Tod seines Sohns Arthur 2015. In einem Interview mit der „New York Times“ sagte Cave jetzt, dass es gerade die Konzerte und der Kontakt mit Fans seien, die ihm durch die Trauer helfen.

„Die Sorge des Publikums hat mich gerettet“, sagte Cave. „Die Fans haben mir sehr geholfen, und wenn ich jetzt spiele, habe ich das Gefühl, etwas zurückzugeben.“ Es sei schwer, über Jethros Tod zu reden. „Aber die Konzerte selbst und dieser Akt gegenseitiger Unterstützung retten mich. Leute fragen mich, wie kannst du auf Tour gehen? Aber für mich ist es anders herum. Wie könnte ich es nicht machen?“

Geteilte Trauer half Nick Cave

„Nach Arthurs Tod war ich am dunkelsten Ort, den man sich vorstellen kann“, sagt Cave. Aber der Kontakt zu den Menschen, die ihre eigenen Trauererfahrungen teilten, habe ihm und seiner Frau Susie geholfen. „Susie und ich schafften es irgendwie, uns da herauszuziehen, und – ich weiß, das klingt kitschig – das hatte etwas mit der Reaktion, die ich von Leuten bekam, die mir schrieben und sagte, mir ist das passiert, und das ist, was mit dir passiert, und das ist, was passieren kann. Das hat mich sehr bewegt.“

Die Auseinandersetzung Nick Caves mit Arthurs Tod steht auch im Zentrum des Buches „Faith, Hope and Carnage“, das am 20. September auf Englisch erscheint. Das Buch beruht auf ausführlichen Gesprächen mit dem irischen Journalisten Seán O’Hagan. Die Interviews fanden vor Jethros Tod statt, dieser wird dort also noch nicht thematisiert. Die deutsche Übersetzung erscheint am 3. November 2022 unter dem Titel „Glaube, Hoffnung und Gemetzel“.

In diesem Jahr ist auch der Dokumentarfilm „This Much I Know To Be True“ erschienen, der die enge musikalische Partnerschaft zwischen Cave und dem langjährigen Bad-Seeds-Mitglied Warren Ellis zeigt. (Lesen Sie hier unser Interview mit Warren Ellis zum Film.)

Nick Caves Sohn Arthur verunglückte 2015 im Alter von 15 Jahren tödlich, als er von einer Klippe stürzte. Ihm widmete Cave die Alben „Skeleton Tree“ und „Ghosteen“. Auch der Dokumentarfilm „One More Time With Feeling“ (2016), der den Aufnahmeprozess von „Skeleton Tree“ zeigt, thematisiert Caves Trauerprozess nach Arthurs Tod ausführlich. Jethro Lazenby starb im Mai 2022 im Alter von 31 Jahren, eine Todesursache wurde nicht bekannt gegeben. Er soll an Schizophrenie gelitten haben und saß kurz vor seinem Tod im Gefängnis.