Beck Colors


Universal


von

Beck kann sagen, was er will – der Grammy hat vieles verändert. „Morning Phase“ erhielt 2015 unerwartet den „Album of the Year“-Award, Favoritin Beyoncé war enttäuscht, Kan­ye wütend, Preisüberreicher Prince amüsiert. Beck stand schüchtern auf der Bühne, es war sein Comeback nach sechs Jahren Plattenpause. Spürte er nach der Auszeichnung Druck? „Colors“ soll damals bereits in den Startlöchern gesessen haben. Und wurde verschoben. Und wieder verschoben.

Sie spielen hier alle mit: Beyoncé, Kanye West – zumindest in Musikzitaten. In berechenbarer Unberechenbarkeit bieten die Songs statt „Morning Phase“-Folk nun Club­stampfer und Handclaps. Auf Intro­spektion, so verlaufen die Wellen bei Beck, folgt Party. Produzent Greg Kurstin ist der bislang am wenigsten bekannte in der langen Koop-­Historie, aber er hat Wirkung erzielt. Beck arbeitet diesmal nahezu samplefrei, was uns nicht nur die üblichen „Erkennt ihr die Referenz?“-Gags erspart, sondern den Liedern auch mehr Struktur und den Melodien mehr Präzi­sion verschafft.

„Up All Night“ ist reinstes Vers-Chorus-Vers-Werk. Und der Titelsong rückt Panflötenklänge in den Vordergrund – als hätte Beck sich mit Ar­cade Fire abgesprochen, dem Instrument 2017 seinen Durchbruch im Pop zu verschaffen. Nur gelegentlich – immer wenn nicht klar ist, ob er eine Par­odie oder eine Hommage darbieten will – blitzt die bekannte Abgrenzungs­schwäche auf. „Wow“ richtet sich nun an die „Like, ­really!“- und eben die „Like, wow!“-Teenager Amerikas, deren formelhafte Begeisterungs­stürme von allen anderen nur schwer zu ertragen sind. Auch der Song ist schwer zu ertragen, klingt wie ­Katy Perry auf Halbmast, die Binsen sind altersgemäß: „Your life, live it once, can’t live it twice.“ Den R&B-Stakkato­gesang von „I’m So Free“ wiederum kriegt Pink besser hin.

Aber das sind zwei Ausnahmen. „Colors“ ist ein Popcharts-Stürmer per Ansage. Beck ist 47. Gewagtes Unterfangen also, aber bei „Morning Phase“ hatte er ja auch das Kanin­chen aus dem Hut gezaubert.


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