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Suki Waterhouse macht Musik, weil sie gar nicht anders kann


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Bisher machte sich Suki Waterhouse vorrangig als Model und als Schauspielerin einen Namen. Doch eigentlich wollte die Britin schon immer Musik machen. Das fühle sich einfach am natürlichsten an, sagt sie. Nur der Mut dazu fehlte bisher. Mit „I Can’t Let Go“ erscheint nun jedoch das Debütalbum der Sängerin (am 22. April 2022 via Sub Pop).

Als Waterhouse fünfzehn war, wurde sie von einem Modelscout entdeckt. Beim Einkaufen in ihrer Heimatstadt London. Eigentlich war sie dafür nicht schlank und auch nicht groß genug, wie ihr damals oft gesagt wurde. Davon versuchte die Britin abzulenken, indem sie „verrückte Outfits und Plateauschuhe trug“. Eine Taktik, die scheinbar funktionierte. Denn unzählige Vorsprechen später war sie auf den Titelseiten aller großen Modezeitschriften zu sehen.

Irgendwann wurde der Druck der Branche jedoch zu groß. Dann wandte sich die Britin mehr und mehr der Schauspielerei zu. So spielte sie in Filmen wie „Love, Rosie“ oder „A Rainy Day in New York“ mit. Aber eigentlich sah sie sich selbst während all dieser Zeit vor allem als eines: als Musikerin. „Ich habe einfach schon immer Musik gemacht. Es fühlt sich sehr natürlich an“, so Waterhouse. „Ich habe mich schon immer wohl dabei gefühlt, Musik vor Leuten zu spielen und auch das Leben einer Musikerin zu führen. Aber es machte mir unentwegt Angst, Songs tatsächlich zu veröffentlichen. Zuletzt habe ich mir vorgenommen einen Song pro Jahr zu veröffentlichen, und dazu musste ich mich sehr überwinden.“

Die erste Single nahm Suki Waterhouse alleine in ihrem Schlafzimmer auf

Tatsächlich erschien in den vergangenen Jahren jeweils ein Lied der Sängerin. Das erste kam 2016: „Brutally“. „Ich habe es in meinem Schlafzimmer aufgenommen, auf akustischer Gitarre ohne viel Produktion“, erzählt Waterhouse. „Das Lied ist aus einer Notwendigkeit entstanden. Ich musste während der gesamten Aufnahme weinen, weil ich mich damals so hoffnungslos und trostlos gefühlt habe. Aber als es Leute dann gehört haben und es zu ihrem Song geworden ist, hat alles mehr Sinn ergeben. Denn ich hatte das Gefühl, dass aus der schwierigen Zeit etwas schönes entstanden ist.“

„Gewisse Dinge kann ich nur über Musik ausdrücken“

Von ihrer kommenden Platte „I Can’t Let Go“ erhofft sich Waterhouse ähnliches. „Ich hoffe, ich kann die Lieder und die Momente, aus denen sie entstanden sind, mit anderen Leuten teilen und [meine Gefühle] so hinter mir lassen“. Die Arbeit an „I Can’t Let Go“ begann bereits vor sieben Jahren. Damals war die Sängerin gerade dreiundzwanzig Jahre alt und hatte mit einer schweren Depression zu kämpfen. „Zu der Zeit habe ich mich unglaublich einsam gefühlt“, erzählt Waterhouse. „Erst jetzt fühle ich mich bereit, das Album zu veröffentlichen.“ Denn es brauche Mut, sich verletzlich zu zeigen und die eigenen Gefühle publik zur Schau zur stellen. „Es hat lange gedauert, bis ich dazu bereit war“, ergänzt sie. „Aber es gab all diese Dinge, über die ich noch nie gesprochen habe, und mit denen ich vor meinen Dreißigern noch abschließen wollte. Gewisse Dinge kann ich nur über Musik ausdrücken.“

Dabei stellt sich Waterhouse vor, dass man ihre Musik beim Autofahren hört. Während man „sehnsüchtig aus dem Fenster sieht und etwas verzweifelt vermisst“. Ein Thema, das sich auch in der ersten Single ihres Albums „Moves“ widerspiegelt. Die Inspiration hinter dem Lied waren die Girlbands der 1960er und auch der Klassiker „Thelma & Louise“. Es sollte ein Song werden, den die beiden Protagonistinnen hören könnten, „während sie im Auto an den Klippen entlang fahren“.

Nach der Veröffentlichung ihres Debüts freut sich Waterhouse auch besonders auf ihre anschließende Tour. „Ich mag das Gefühl von Erschöpfung, das man spürt, wenn man reist und nicht zum Stoppen kommt“, sagt sie. „Genau das habe ich mir schon immer für mein Leben gewünscht“.

Unterdessen wird Waterhouse auch bald wieder als Schauspielerin zu sehen sein. Sie wird die Pianistin Karen Sirko darstellen, in der kommenden Serienadaption von Taylor Jenkins Reids Roman „Daisy Jones & The Six“,  einer Geschichte über eine Rockband der 1970er und deren Aufstieg zum Ruhm, lose inspiriert von der Produktion hinter Fleetwood Macs „Rumours“. Gedreht wurde unter anderem bereits in den Sound City Studios, dem berühmten Aufnahmestudio, wo neben Fleetwood Mac auch Musiker wie Bob Dylan, Nirvana, oder die Red Hot Chili Peppers einige ihrer erfolgreichsten Alben produzierten.