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Review: „The Walking Dead“, Staffel 7, Folge 15: Angriff der Algen-Zombies


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Das Season-Finale steht an, Ricks Truppe hat also noch eine Folge lang Gelegenheit, 45 Minuten, um die Armee für den letzten Kampf gegen Negan aufzurüsten (irgendwie gehen alle Rezensenten davon aus, auch ROLLING STONE, dass das Finale aus einer Schlacht besteht – ist aber überhaupt nicht so gesetzt).

Die Zeit rennt, warum also sollten die „Walking Dead“-Macher ihre Mühen damit verschwenden, Rick und Freunde kluge Dialoge mit Wunsch-Verbündeten austauschen zu lassen – wenn man auch einfach ein Gemetzel Taten sprechen lassen kann? Und das geht ganz einfach. Ein Schiff strandet an der „Oceanside“, Untote marschieren – wir befinden uns im bedeutungsschwanger inszenierten und dann mit Blick auf folgende Entwicklungen umso enttäuschenderen Vorspann, eine „TWD“-Tradition –  den Strand entlang und aufs Lager zu. Was den Helden jetzt wohl blüht?

Das Aussehen bestimmter Zombies geht, die Macher wissen das, nach jeder Episode oft viral. Der Mad-Max-Zombie gilt jetzt schon als legendär, auf Platz eins steht aber wohl immer noch der adipöse Brunnen-Zombie (Staffel zwei), dicht gefolgt vom Jim-Carrey-Zombie (Staffel eins). In dieser Folge, „Something They Need“, will das Makeup-Team mit Wasserleichen glänzen. Die tragen grüne Algen und Blasen, im Netz finden sich bereits die ersten „Look At These Supercool Ocean Walkers“- Postings. Und alle sind glücklich.

Entscheidend aber ist: Rick, Daryl, Michonne und Co mähen die Wassermonster, in einer der am bedrohlichsten aufgebauten und dann umso einfacher exekutierten Kampfzene der Staffel, mit ihren Maschinengewehren problemlos nieder. Die Beißer stellen sich schön in Reih und Glied auf. Die Menschen mit ihren Wummen auch. Hm. Das hätte früher mehr Drive gehabt.

Den Frauen von „Oceanside“ jedenfalls soll diese beeindruckende Machtdemonstration ihre Entscheidung abnehmen. Mit Grimes kämpfen oder nicht? Wie beschrieben, ist dies eine recht bequeme Story-Entscheidung. Anstatt Standpunkte debattieren zu lassen, kommen Zombies ins Bild, und die werden eben als Kanonenfutter eingesetzt, was über die Schützen mehr sagen soll als tausend Worte.

Tara, der Tollpatsch

Dass Tara sich zuvor in einer unbeschreiblich plumpen At-Gunpoint-Situation die Pistole hat abnehmen lassen, die sie ständig irgendwohin schwenkte, nur nicht auf ihre Gegner (und so oft und unnötig wie nie zuvor ausgerechnet auf ihre Armbanduhr blickte) – geschenkt. Sah zwar schlecht aus, schräge Regie, schräge Darstellung, Tara ist aber auch als Tollpatsch angelegt. Nur ist in dieser Serie aber ziemlich vieles absehbar. Wann immer also ein Goodie einen Baddie mit der Pistole bedroht, wird sie ihm innerhalb derselben Szene noch abgenommen.

Letztendlich aber ist der ganze Überfall auf „Oceanside“  für den Zuschauer nicht nachvollziehbar. Wenn die „Oceanside“-Frauen sich nicht am Kampf gegen Negan beteiligen werden, hätte man die Konfrontation auch weglassen können. Dass Rick nun mehr Waffen besitzen wird, spielt keine Rolle, wenn sein eigenes Team dadurch personell nicht mehr wächst. Der Schluss-Kampf sähe rein durch höheres Kanonen-Aufkommen auch nicht besser aus. Es sei denn … es sei denn, die Waffen würden benötigt um die Gruppe Jadis‘ damit ausstatten zu können, die neuen Verbündeten.

Aber warum sollte das so sein? Wer könnte sich noch an dieses Vorhaben erinnern, das vor einigen Folgen abgemacht wurde – und hier nicht (für den Zuschauer) wieder erwähnt wird.

In dieser Folge werden die „Walking Dead“-Frauen in ein komisches Licht gerückt. Ob es den Autoren bewusst ist, wie doof die Heldinnen sich in letzter Zeit anstellen – ist das absichtlich so inszeniert? Tara, der Tollpatsch. Auch Maggie wirkt seltsam desolat. Zunächst sehen wir, wie sie inmitten eines kargen Felds sich um eine Pflanze kümmert (warum?). Als sie und Gregory dann von zwei Zombies angegriffen werden, tanzt sie, sonst eine der potentesten Kämpferinnen von allen, mit einer der Leichen Walzer. Nur, damit wir Zeuge werden können, wie verzweifelt Gregory mit der anderen Leiche kämpft.

Schon oft an dieser Stelle geschrieben, aber es taucht nunmal in der Serie so immer wieder auf: Wann immer es spannend werden soll, büßen alle Heldinnen augenblicklich und unerklärlicherweise an Schlagkraft ein.

Was wird aus Sasha?

Auch die anderen Frauen sehen derzeit richtig schlecht aus. Drei Episoden lang schmiedete Sasha Rachepläne gegen Negan. Verbündete sich mit Rosita. „The Walking Dead“ wäre nicht „The Walking Dead“, wäre deren Plan nicht volllends nach hinten losgegangen, und die Heldinnen stünden – im Gegensatz zu Tara – eben unabsichtlich als etwas denkfaul dar. Zuerst versuchten die zwei Zwangsfreundinnen es mit Scharfschützengewehren (und vergaßen die Schutzkappen abzunehmen), dann stürmten sie blindlings und verzweifelt, trotz aller vorangegangenen Strategiesitzungen inklusive Schlachtplan-Skizzen, auf Negans Festung zu. Drahtzaun aufgeschnitten und rein.

Jetzt sitzt Sasha in Negans Knast. In dieser bemerkenswert lustigen Folge sorgt Negan selbst für die lustigsten Szenen. Er kommt in ihre Zelle, macht seine „Look. At. You!“-Schilfblattbeuge und hält der Gefangenen danach eine gerichtsphilosophische Rede. Er will, dass Tara sich ihm anschließt, denn sie hat die Skills.

Aber erst soll Sasha sich moralisch entscheiden. Falls sie die neben ihr liegende Leiche, damit die nicht zum Untoten wird, per Dolchstoß in den Kopf erlöst, ist alles für Negan klar. Sie wäre dann Team Saviors. Aber wenn Sasha nichts tut, die Verwandlung des armen Kerls zulässt, sich womöglich beißen lässt, dann hätte sie ihre Loyalität für Rick unter Beweis gestellt. Was für ein Denkmuster.

Klar, dass sie den Zombie töten wird, obwohl sie sich dann bald Negan verbunden fühlen würde. Denn Ricks Leute killen ja keine Zombies. So anscheinend dessen Logik. Alles roger.

Denn Sasha würde ja auch sonst keiner wandelnden Leiche was zuleide tun.

https://www.rollingstone.de/ranking-die-10-besten-the-walking-dead-charaktere-1202607/

Gene Page / AMC
Gene Page /AMC

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