Jeff Tweedy Love Is The King


dBpm/Warner


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Es gibt ungemütlichere Orte, um den sozialen Winter zu überstehen, in dem sich nicht nur die USA befinden: Im April dieses Jahres zog sich Jeff Tweedy ins Chicagoer Wilco-Loft zurück und nahm mit seinen Söhnen Spencer und Sam „Love Is The King“ auf. Das Album erinnert in seiner kaputt-erschöpften Stimmung an den Neil Young von „On The Beach“ und „Zuma“.

Immer wieder kommentieren schreiende E-Gitarren Tweedys Gemütsverfassung. Sein apathischer Vortrag ist nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit. Vielmehr wohnt den unaufgeregt poetischen Liebes- und Endzeitliedern eine typische Tweedy-Weisheit inne: Wenn alles am Boden liegt, können wir neu beginnen!

Das Titelstück nimmt gleich mal den großen Kampf auf: „I’m a boxer/ Blind when I swing/ I sink to my knees/ I cling and I bleed/ But cry don’t you dare/ When I die in the ring/ Life isn’t fair/ Love is the king.“ Eine Strophe und einen Chorus später setzt Tweedy zum Solo an. Und – gütiger Gitarrengott! – so haben wir diesen Mann seit „A Ghost Is Born“ (2004) nicht mehr spielen hören. Nels Cline dürfte sich Sorgen um seine hauptberufliche Karriere machen.

„Opaline“ und „A Robin Or A Wren“ sind von der Art knochentrockener Country-Musik, wie sie von einigen Altvorderen als Reaktion auf den fett über-schminkten Nashville-Sound entwickelt wurde. Mit jedem Stück taucht „Love Is The King“ tiefer in die Songschreiberwelt der 70er-Jahre. Das von einem unwiderstehlichen Bass-Riff angetriebene „Gwendolyn“ evoziert Big-Star-Magie, „Natural Disaster“ klingt wie ein „Basement Tape“ von Michael Nesmith und Jesse Winchester.

Spencer Tweedy bereichert das Familienbusiness, indem er sich – stets songdienlich – in der Tradition von Levon Helm und Fairport Conventions Dave Mattacks bewegt.

„Love Is The King“ ist ein Freispiel. Jeff Tweedy streicht das graue Innenleben mit Humor und Gelassenheit. Und wie schon auf „Sukierae“ (2014) und seinen anderen Solo-Werken befreit er sich hier einmal mehr von der Last des Wilco-Bandleaders.


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