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Die ★ ★ ★ ★ ★ -Band: Alle Alben von Wilco im Ranking und bewertet

Wilco sind die bedeutendste Band dieser Zeit, weil sie das Spiel aushalten, ohne sich seinen Regeln zu unterwerfen“, schrieb ROLLING-STONE-Redakteur Arne Willander einst über die Chicagoer Band, als sie ihre Live-DVD „Ashes Of American Flags“ veröffentlichte. Ein Satz, der nicht allein deswegen Gültigkeit hat, weil Jeff Tweedy und seine Kollegen alle paar Jahre eine neue, großartige Studioeinspielung auf den Markt werfen, sondern weil diese sechs Musiker in Zeiten von nachlassenden Plattenverkäufen und medialen Hypes um Belanglosigkeiten eine fast schon einzigartige Daseinsform als Gruppe für sich gefunden haben. Eine, die Musik möglich macht, die in anderen Konstellationen gar nicht existieren könnte. Auf ihrer neusten Platte, „Ode To Joy“, zeigen sie nun, warum dieses Prinzip auch 2019 noch prächtige Früchte trägt.

Seit gut 15 Jahren agieren Tweedy, Stirratt, Kotche, Sansone, Cline und Jorgensen bereits als Einheit, nachdem zuvor auf nicht immer freundliche Art das eine oder andere Mitglied aussortiert wurde (nachzulesen in der eher düsteren Band-Biographie „Learning How To Die“ von Greg Kott und zu sehen in der exzellenten Dokumentation „I Am Trying To Break Your Heart“ von Sam Jones). Dass dabei so filigrane Musiker wie der Gitarrist Leroy Bach und vor allem der 2009 verstorbene Multiinstrumentalist Jay Bennent gehen mussten und möglicherweise schlicht und einfach durch filigranere Musiker ersetzt wurden, ist eine geradezu verwirrende Form des „Luxus“, den sich viele andere Bands nicht leisten könnten.

Wilco-Sänger Jeff Tweedy
Wilco-Sänger Jeff Tweedy

Im Zentrum des Wilco-Universums, zu dem ein eigenes Studio (The Loft), die Freiheit für alle Mitglieder, tun und lassen zu können, was sie wollen, und eine ausgesprochen großzügige Fan-Bindung gehören, steht seit der Gründung im Jahr 1994 Songwriter Jeff Tweedy, der in Interviews stets betont, dass hinter den komplexen Soundmustern von Wilco im Grunde zarte Folk-Songs schlummern.

Vermutlich können sich diese Musiker nicht langweilen, weshalb jede einzige Wilco-Platte ihren eigenen Herzschlag, ihre eigene Virtuosität besitzt.

RS-Autor Marc Vetter lässt die Alben von Wilco (die im ROLLING STONE mehrfach die Höchstwertung erhielten) noch einmal in einem Ranking Revue passieren:

11. „A.M.“ (1995) ★ ★ ★ 1/2

Der Neustart für Tweedy, nachdem Jay Farrar keine Lust mehr auf Uncle Tupelo hatte, kreiste noch in der Alternative-Country-Umlaufbahn und wurde später von der Band, die hier zum einzigen Mal von Brian Henneman von den Bottle Rockets unterstützt wurde, als „Fehlversuch“ gewertet. Vielleicht lag es auch daran, dass Farrar mit seiner neuen Formation Son Volt und „Trace“ im selben Jahr einfach etwas zielgerichteter zu Werke ging.

wilco-amTrotz deutlicher Anleihen an Gram Parsons und Neil Young kristallisiert sich auf „A.M.“ nur selten so etwas wie eine echte musikalische Agenda heraus. Dabei legte die Platte mit dem stürmischen „I Must Be High“ einen optimalen Start hin und schmeichelt sich mit melancholischen Balladen wie „Box Full Of Letters“ ein. Die allzu geradlinige Songs, die von langen Autofahrten und Casino-Besuchen handelten, entsprachen eben noch dem Horizont eines 28-jährigen Sängers, der zwar wusste, welche künstlerischen Vorbilder ihn leiten, daraus aber (vorerst) noch keinen Gewinn ziehen konnte.

Bester Song: „Passenger Side“

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10. „Star Wars“ (2015) ★ ★ ★ 1/2

Wilco haben sich selten darum gekümmert, was cool sein könnte. Das hat ihnen unter anderem den Vorwurf eingebracht, „mellow“ zu sein oder schnöden „Dad Rock“ abzuliefern. „Star Wars“, 2015 von einem Tag auf den anderen kostenlos für die eigenen Fans (und all die anderen Neugierigen) ins Netz gestellt, sollte dann doch einmal der Versuch sein, für einen Moment den Bedingungen der vom Internet angetriebenen Hype-Industrie zu entsprechen – allerdings auf Wilco-Art.

wilco-starwarsWährend der geleckte Titel und das Poesiealbum-Cover ironisch die Hashtag-Trends kommentierten, gab sich die Band mit Progrock-Sounds wie in „You Satellite“ stacheliger und experimentiergetriebener. Viele Lieder sollten wohl bewusst den Eindruck erwecken, als könnten diese Klangperfektionisten auch einmal hastig zu Werke gehen (wie in der rumpelnden Soundskizze „EKG“) und Songs aus dem Spiel nehmen, bevor sie sich zu einem Höhepunkt aufraffen. Natürlich gibt es auch die gewohnten melancholische Vignetten, wie „Where Do I Begin“, bei denen Tweedy mit seiner Stimme geradezu ins Mikrofon hineinkriecht. Am Ende bleiben aber viele (mitunter natürlich großartige) Kabinettstückchen, die sich nie so ganz zu einer Einheit verbinden wollen.

Bester Song: „You Satellite“

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9. „Schmilco“ (2016) ★ ★ ★ ★

In einem Atemzug mit „Star Wars“ aufgenommen – ein Umstand, der sich auch durch die vielfältigen Solo-Projekte der trotz allem nahezu pausenlos tourenden Band ergab – nimmt „Schmilco“ einen, vielleicht sogar zwei Gänge heraus. Folk-Pirouetten wie „Cry All Day“ oder das nachdenklich stimmende „We Aren’t The World (Safety Girl)“ sind Produkte einer introvertierten Weltsicht und die Gruppe stellt sich mit fast schon masochistischer Zurückhaltung in den Dienst einer Handvoll auch einmal spröden Folk-Nummern. Doch Wilco beherrschen die kleine Form eben genauso wie die großen Gitarrenepen – verwirren mit finsterem Gefrickel („Common Sense“) genauso wie sie sich mit „Someone To Lose“ tief vor George Harrison verneigen. Alles klingt traurig, aber nie hoffnungslos.

wilco-schmilco-02Das herrliche „Just Say Goodbye“ schließt die sich am eigenen Pessimismus delektierende Platte mit getragenen Orgelklängen ab. Alles in allem eine Tweedy-Angelegenheit mit absurd-melancholischen Einsichten wie „I’ve never been alone/Long enough to know/If I ever was a child“, für die der Sänger inzwischen ein Patent anmelden könnte. Die fragmentarische, tagebuchartige Solo-Familien-Platte „Sukierae“ liegt nicht fern. Der hörbare Unterschied ist allerdings das hier geradezu perfekt vorgetragene musikalische Handwerk.

Bester Song: „If I Ever Was A Child““

8. „Wilco (the album)“ ★ ★ ★ ★ (2009)

„Wilco (the album)“ ist von allen LPs, die diese Band bisher aufgenommen hat, wohl am deutlichsten von ihrer Einsatzzentrale, dem Loft in Chicago, geprägt. Traumwandlerisch sicher vorgetragene Stücke wie „Deeper Down“ (bei dem man sogar die Geräusche des Fahrstuhls hört, der in dem Studiogebäude sein lärmendes Unwesen treibt) wechseln sich ab mit schwitzigem Feedback-Geröll („Bull Black Nova“) und zurückgenommenen Selbsteinsichten Tweedys wie in „Solitaire“. Hier hebt sich der Sänger wohl selbst auf die Anklagebank: „Once my life was a game so unfair/It beat me down and kept me there/Unaware of my naysayer/Solitaire was all I was playing“.

wilco-the-albumMit „You And I“ schaffte es auch ein zauberhaftes Duett mit Feist auf die Platte. Über allem legt sich aber die selbstsicher vorgetragene Haltung, dass diese Musiker inzwischen wissen, was sie tun (nämlich eine sonische Schulter zum Ausheulen zu bieten) und gleichzeitig auch über sich selbst lachen können. Wilco sind auch eine eigene Marke geworden.

Bester Song: „One Wing“

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7. „Ode To Joy“ (2019) ★ ★ ★ ★

Die Wahl des richtigen Schlagwerks stand am Anfang der Aufnahmen von „Ode To Joy“. Schlagzeug-Virtuose Glenn Kotche brachte ein antikes Instrument ein, das für den bleischweren Rhythmus im Opener „Bright Leaves“ sorgte. Ohnehin ist es eine Kotche-Angelegenheit, seine abgebremsten Drum-Beats bilden den Herzschlag dieses minimalistischen Art-Folk-Albums, das noch einmal ähnliche Schattenweltkreaturen beschwört wie einst „A Ghost Is Born“. Vielleicht auch weil sich Jeff Tweedy mit seiner bewegenden Autobiographie „Let’s Go (So We Can Get Back)“ daran erinnerte, wie er vor 15 Jahren den Soundtrack seines vorweggenommenen Todes schrieb.

Cover-Artwork zu „Ode To Joy“ von Wilco

Die Songs auf „Ode To Joy“ – vom kribbeligen „Quiet Amplifier“ bis zum Beatles-Schlenker „Everyone Hides“ allesamt von stiller Grazie; weit entfernt von Krautrock-Brachialität á la „Spiders“ oder Gitarrenmalerei wie „Impossible Germany“ – schweben oder blubbern oder rattern. Sie verströmen einen eigenartigen (Zweck-)Optimismus im Angesicht des Verfalls (Wilco biegen ins 25. Jahr ihrer Karriere) und der widerspenstigen Diskurse unserer Zeit (nun auf ewig der Höhepunkt in der kunstvollen Verwendung von Dualismen in Tweedys Schreibkunst: „Love Is Everywhere (Beware)). Der Beethoven-Titel mag etwas neben der Spur sein. Ein Klischee. Hier ist ein weiteres: Wilco haben sich noch einmal, ein elftes Mal, neu erfunden.

Bester Song: White Wooden Cross

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6. „The Whole Love“ ★ ★ ★ ★ 1/2 (2011)

Schon der Anfang ist eine Ansage: Das knapp siebenminütige „Art Of Almost“ schleicht sich mit knarzender Elektronik an, bis Jeff Tweedy einschlägt und lamentiert: „No! I froze/I can’t be so far away from my wasteland“. Dann folgen zwei Minuten Geräuschgewitter samt Gitarrenblitzen von Nels Cline. Vergnügt rumpelnde Bässe holen den Hörer im anschließenden „I Might“ wieder zurück in die Realität. „The Whole Love“ ist nichts als die Wahrheit und eine Liebeserklärung an die Möglichkeiten des Albums von einer Band, der das Ganze immer wichtiger war als einzelne Teile und die nun auch ihr eigenes Label gegründet hatte (dBPM Records). Hier passt alles, vermengt sich das Erhabene mit dem Düsteren, das Süße mit dem Bitterbösen: sonnengestärkt zirpt „Sunloathe“, schwermütig besingt „Black Moon“ die unbändige Natur und „Standing O“ zieht vom Leder wie einst The Who.

wilco-whole-loveMindestens seit den Beatles klang keine Studioproduktion mehr so rund, vielfarbig und vollmundig, auch wenn manche Songs wie „Red Rising Lung“ doch eher als Fingerübungen verbucht werden müssen. Der überraschende Höhepunkt kommt dann zum Schluss: „One Sunday Morning“, Tweedys Liebeserklärung an seinen inzwischen verstorbenen Vater, ist eine Folk-Ballade, wie sie keine andere amerikanische Gruppe derzeit schreiben könnte; 12 Minuten einfachen, aber keinesfalls simplen Glücks.

Bester Song: „Art Of Almost“

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Taylor Hill WireImage
dBmp/Warner


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