Peter Doherty & Frédéric Lo „The Fantasy Life Of Poetry & Crime“


Strap Originals (VÖ: 18.3.)


von

Unglaublich, dass das Libertines-Debüt, „Up The Bracket“, nun auch schon 20 Jahre auf dem Buckel hat. Aber noch unglaublicher erscheint, dass Pete Doherty 2022 quietschfidel und lebendig herumspringt und immer noch hervorragende Platten aufnehmen kann. „The Fantasy Life Of Poetry & Crime“ zählt zum Besten, was der sympathische Wirrkopf je abgeliefert hat. Die Zusammenarbeit mit Frédéric Lo, einem französischen Musiker und Produzenten, bekannt durch seine Arbeit mit der großartigen Powerpop-Band Pony Pony Run Run und Stephan Eicher, entpuppt sich als völlig unaufdringlich, aber tief unter die Haut gehend.

Dohertys Drogenabstinenz ist jederzeit spürbar

Los französisch angehauchte, ein bisschen zum Chanson neigende Arrangements passen perfekt zu Dohertys nörgelndem Gesang, der diesmal gar nicht brüchig herüberkommt. Ein bisschen Dramatik – ja, Theatralik – nein. Dohertys Drogenabstinenz ist jederzeit spürbar, und ein bisschen Wein und Rum durften es schon sein zu den Austern, dort in der Normandie, wo die beiden zwei Monate zusammen Songs schrieben und das Album, neben dem Standort Paris, aufnahmen. Beim Titeltrack spürt man förmlich den Seewind in der Bucht von Étretat.

Am ehesten an alte Babyshambles-Tage erinnert das vorab veröffentlichte „You Can’t Keep It From Me Forever“, aber Lo weiß alles Ungestüme bei Doherty in geordnete Bahnen zu lenken, sodass ein klassischer Britpop-Track entstand, der den frühen Suede und den ersten Soloversuchen von Morrissey entspricht. Inspiriert wurde der Song übrigens von dem französischen Schriftsteller Maurice Leblanc und seinem Meisterdieb Arsène Lupin.

Mehr Namedropping? Da hätten wir ja noch Victor Hugo… Mit „The Epidemiologist“ und „Yes I Wear A Mask“ liefern die beiden gleich zwei wunderbare Songtitel zur Zeit. Nebenbei erweist sich Ersteres als schönste bisher von Doherty gesungene Pianoballade. Chris Martin, eat your heart out! Musikalische Glückseligkeit von einem grünen Rand der Welt.


ÄHNLICHE KRITIKEN

Liam Gallagher :: „C’mon You Know“

Der Ex-Rebell gibt sich fit und konziliant.

Johnny Marr :: „Fever Dreams, Pts. 1–4“

Der Smiths-Mann kann viel mehr als nur Gitarre spielen

Morrissey :: I am Not a Dog on a Chain

Der Unzurechnungsfähige feiert seine Narrenfreiheit - und findet unvergleichliche Morrissey-Melodien.


ÄHNLICHE ARTIKEL

Morrisseys Meisterwerk „Vauxhall And I“: Hach!

Die schönste und die zarteste Platte des Misanthropen.

20 Jahre „Up the Bracket“: The Libertines gehen auf Jubiläumstour

Auf neue Musik der Band müssen Fans weiter geduldig warten. Dafür kommen The Libertines zum 20. Geburtstag ihres Debütalbums „Up the Bracket“ für drei Konzerte nach Deutschland.

Die 10 besten Alben des Britpop

Britpop bestimmte in den 90ern die musikalische Landschaft in England. ROLLING STONE listet die 10 besten Alben jener Zeit.