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Eine Welt ohne Hoffnung: „Sieben“ von David Fincher


Eine der lustigsten Hollywood-Anekdoten der letzten Jahre stammt von „Sieben“-Regisseur David Fincher. Wer den Film aber noch nicht gesehen haben sollte, der liest besser nicht weiter. Diese Geschichte dreht sich um das schockierende Ende des Thrillers.

Immer wieder, erzählt Fincher, wurde er auf Partys auf den Schluss seines Films angesprochen: Wie er es denn hätte wagen können, den Kopf von Gwyneth Paltrow zu zeigen, blutig, abgetrennt vom Körper, verstaut in einem Pappkarton. Das sei einfach zu viel gewesen. „Ich konnte die Leute gar nicht mehr beruhigen“, erzählt der Regisseur.

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Der Protest sagt viel über die Kraft der Einbildung aus, denn Paltrows abgeschnittener Kopf ist in keiner Einstellung zu sehen, nur das entsetzte Gesicht von Hauptdarsteller Morgan Freeman, als er in den Karton blickt. Die Zuschauer aber haben weiter gedacht und seitdem ein Bild von der Enthauptung vor Augen.

Jeder im Kino stand senkrecht im Sessel

Bis heute wird das Ende von „Sieben“ in vielen Rankings als eines der überraschendsten und erschreckendsten überhaupt bezeichnet. Natürlich auch, weil es im Gegensatz steht zur expliziten Darstellung von Gewalt, die den Film bis dahin geprägt hatte. Ein Serienmörder richtet seine Opfer nach den sieben Todsünden der Bibel hin, Hochmut, Habgier, Neid, Zorn, Wollust, Völlerei und Trägheit.

Die Polizisten David Mills (Brad Pitt) und William R. Somerset (Freeman) stoßen etwa auf die Leiche eines betrügerischen Anwalts, der gezwungen wurde, seine Körperteile abzuschneiden, „Todsünde“: Habgier. Am beeindruckendsten ist wohl die Szene, die der „Todsünde“ Trägheit zugrunde liegt. Ein ans Bett gefesselter, bis zum Skelett abgemagerter Mann macht just dann einen lauten Atemzug, als sich die Polizisten über den vermeintlich Toten beugen. Ein echter Jump Scare, jeder im Kino stand damals senkrecht im Sessel. Diese Leiche lebt noch?!

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Brad Pitt (li.) mit Morgan Freeman

Und dann also das Ende mit dem Kopf im Karton. Ein grandioses Finale, als hätte Regisseur Fincher sagen wollen: Blut habt ihr genug gesehen, jetzt strengt eure Fantasie an. Dass nun auch die schwangere Tracy sterben würde, die von Gwyneth Paltrow gespielte Ehefrau von Mills, hatte keiner auf dem Schirm. Sie war eine engelsgleiche Figur, der einzige Mensch ohne bösen Schatten in einer fast nur im Dunkeln und im Regen gefilmten anonymen amerikanischen Großstadt. Tracys Auftritte spielten sich, unfreiwillig chauvinistisch in Szene gesetzt, nicht in der gefährlichen Außenwelt ab, sondern meist in ihrer Wohnküche.



Quentin Tarantino nennt „The Social Network“ besten Film der letzten 10 Jahre

Geht es nach der Meinung von Kult-Regisseur Quentin Tarantino, so ist „The Social Network“ der mit Abstand beste Film, der in den letzten 10 Jahren produziert wurde. Der einzige Film der diesem annähernd das Wasser reichen könne, sei Christopher Nolans Kriegsepos „Dunkirk“ von 2017. In einem Interview mit der französischen Zeitschrift „Premiere“ wurde Tarantino nach seinem Lieblingsfilm des letzten Jahrzehnts befragt, worauf der „Pulp Fiction“-Regisseur ohne zu Zögern auf den von David Fincher inszenierten Facebook-Streifen „The Social Network“ aus dem Jahr 2010 verwies. „Es ist 'The Social Network', zweifellos. Er ist die Nummer eins, weil er schlichtweg der beste ist! Er…
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