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ROLLING-STONE-Archiv

Hausbesuch bei Ennio Morricone: „Immer diese romantische Vorstellung vom Komponisten, der am Klavier klimpert!“


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Aus dem ROLLING-STONE-Archiv 2014

Der Maestro ist genervt. Soeben hat ein TV-Journalist die Torheit besessen, den weltgrößten Filmmusikkomponisten nach der Musik zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ zu fragen. Überhaupt ist Sergio Leone, der Erfinder des Italo-Western, ein enormes Reizthema, bei dem der 85-jährige Morricone entweder wortkarg oder – noch lustiger – ganz patzig wird. Schließlich habe er, wie Morricone immer wieder betont, um die fünf hundert Filmmusiken geschrieben, von seinem nicht-filmischen Werk mal ganz abgesehen. Aber immer wieder wollen alle über die Leone-Filme sprechen, „vor allem in Deutschland“, wie er pikiert hinzufügt. Kein Wunder also, dass der Künstler vor seinem Konzert in Berlin auf der Leinwand zunächst einen zehnminütigen Film zeigen lässt, der ihn vor allem als Komponist ernster Musik – oder wie er es nennt: musica absoluta – präsentiert. Danach dirigiert er freilich eine Auswahl seiner größten Filmscores, darunter ganz viel Leone.

Weitere Fragen, mittels derer man sich eine entnervte Reaktion Morricones einhandeln kann: „Haben Sie eine Lieblingsfilmmusik?“ Antwort: „Nein.“ Waren Sie mal mit einem Film unzufrieden?“ Antwort: „Nein, dann hätte ich gar nicht erst zugesagt.“ „Wie komponieren Sie?“ Antwort: „Zu Hause.“ „Am Klavier?“ Augenrollen. „Nein, am Schreibtisch. Immer diese romantische Vorstellung vom Komponisten, der am Klavier klimpert und ab und zu ein paar Noten aufschreibt. Nur Dilettanten komponieren so.“ Es ist ebenso unterhaltsam wie schmerzvoll, zuzuhören, wie Morricone unterinformierte Interviewpartner abkanzelt. Natürlich signiert er dennoch am Schluss bereitwillig einen Leone-Soundtrack.

Es ist ein schwieriges Verhältnis, das Morricone zu seinem Schulfreund, dem 1989 verstorbenen Italo-Western-Gott Sergio Leone, pflegt. Morricone weiß, dass er Leone alles zu verdanken hat. Und er betont, dass bei dem Kino-Erneuerer etwas möglich war, das ihm nur wenige andere ermöglichen konnten, nämlich die Musik – wie in „C’era una volta il West“ („Spiel mir das Lied vom Tod“) – zum Hauptcharakter des Films zu machen. Nicht umsonst sagte Leone von Morricone gerne, er sei wohl mehr ein Drehbuchautor als ein Komponist, was nicht zuletzt seinen Ausdruck darin fand, dass der Regisseur den Maestro bat, den Großteil des Scores stets vor dem Dreh fertigzustellen, um ihn zum Zwecke der Atmosphäre-Steigerung am Set einzuspielen und die Schauspieler auf die Musik reagieren zu lassen. Morricone wird daher, wenn er einmal in der richtigen Laune ist, nicht müde zu betonen, dass Leone verstanden habe, dass man einer guten Filmmusik viel Zeit geben muss.



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