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Fran Healy von Travis: „Es gibt Songs by Design – aber meine sind by Divine!“


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Als es Travis Anfang der 1990er Jahre nach London verschlug, steckte der Britpop noch in den Kinderschuhen. Ohne großen Masterplan hofften die melodieverliebten Schotten aus Glasgow sechs Jahre lang auf den großen Plattendeal, feilten an ihrer tatsächlich von AC/DC inspirierten Performance und schrieben einen Song nach dem nächsten. Und dann endlich: 1997 veröffentlichten Travis ihr Debütalbum „Good Feeling“, mit dessen Durchbruchsingle „More Than Us“, die Band im Frühjahr 1998 in den UK-Top-20 landete.

Für die Produktion war Steve Lillywhite verantwortlich, der sich 1979 mit der Produktion des Siouxsie-and-the-Banshees-Songs „Hong Kong Garden“ einen Namen machte und daraufhin Bands wie U2, Talking Heads und Simple Minds produzierte. Wie wir nun erfahren, waren Travis mit der Arbeit an „Good Feeling“ nicht hundertprozentig zufrieden. Nun bringt die Band ihre Debütplatte als Reissue erneut auf Vinyl heraus.

„Wenn man sich die Musik jetzt anschaut, scheint es, als ob alle niedrig hängenden Früchte weg sind“

Wir haben uns mit Fran Healy via Zoom von der Londoner Abbey Road nach Hollywood über die magischsten Momente während der Aufnahmen von „Good Feeling“ in New York und die Zusammenarbeit mit Steve Lillywhite unterhalten. Denn obwohl Healy stolz auf die Platte ist, sei Lillywhites finale Produktion von „Good Feeling“ nicht zufriedenstellend gewesen. Grund dafür waren persönliche Probleme Lillywhites. Fran Healy:  „Ich denke, das Album klingt gut, aber Steve war kurz davor, in die Entzugsklinik zu gehen. Er ging nach dieser Platte auch in die Entzugsklinik. Er war auf einem Kollisionskurs mit dem Tod.“

Wir sprachen auch über Healys Pessimismus hinsichtlich der Zukunft des Songwritings. So fragt sich der Musiker, ob wir vielleicht bereits alle Melodien dieser Welt aufgebraucht haben: „Wenn man sich die Musik jetzt anschaut, scheint es, als ob alle niedrig hängenden Früchte weg sind. Denn wenn ich das Radio anmache, höre ich nicht mehr viele Songs, die mich dazu bringen, mein Auto anzuhalten und in Tränen auszubrechen.“ Musik sei in der digitalen Welt zu rational und selten noch eine Herzensangelegenheit. Gute Songwriter gebe es kaum noch, das zeichne sich insbesondere bei den Grammys ab. Der Sänger wünscht sich, dass wir wieder in das eiskalte Wasser springen und zurück zu unseren Emotionen finden, denn dort lege die wahre Kunst vergraben.

Fran Healy über „digitale Millennial-Affen“, Weinen und „All I Want To Do Is Rock“

Wie war die Ausgangssituation für euch als Band? Hattet ihr schon eine Menge Songs fertig und musstet sie nur noch auswählen oder habt ihr dann erst angefangen, Songs speziell für „Good Feeling“ zu schreiben?
Ein klein wenig von beidem. Bei den Aufnahmen von „Good Feeling“ haben wir auch schon „Writing To Reach You“ aufgenommen, das ist ein Song, der auf „The Man Who“ zwei Jahre später erscheinen würde, und wir haben uns bei „Good Felling“ sehr unwohl damit gefühlt. Es war einfach zu kompliziert zu spielen, seltsamerweise. Wir waren einfach nicht gut genug, ihn zu spielen, also haben wir ihn weggelassen. Aber es gibt einige Songs – wie „Midsummer Nights Dreamin’“ – die ich in London geschrieben habe, als wir von Glasgow nach London gezogen sind, vielleicht sechs Monate bevor wir „Tied To The 90s“ in London aufgenommen haben. Es gibt also ein paar Songs, die für die Platte geschrieben wurden, aber die meisten Songs hatte ich schon, was ja normalerweise der Fall ist. Man hat so ziemlich das Material von anderthalb Alben, wenn man einen Deal bekommt – hoffentlich. Und dann ist der beängstigendste Teil für jede Band, wenn dir die Songs ausgehen und du wieder anfangen musst zu schreiben, und das ist normalerweise der Punkt, an dem Bands aufgeben, weil sie es nicht mehr schaffen, weil der Druck zu groß ist. Wie ein Kaninchen im Scheinwerferlicht. Aber ich habe es geschafft, das ziemlich gut zu umschiffen, aber es war hart.

All die Dinge, die in den ersten sechs Monaten passieren, wenn man einen Plattenvertrag bekommt: das Album aufnehmen, die ersten Interviews geben, auf Tour gehen, das ist sehr intensiv.

Wie war damals deine Einstellung und Herangehensweise kurz vor den Aufnahmen eures Debüt-Albums?
Ich ging sehr aufgeregt rein. Wir arbeiteten mit Steve Lillywhite zusammen, der für uns ein legendärer Produzent ist. Er hat U2 und Simple Minds aufgenommen, zwei der größten Bands unserer Kindheit. Und wir gingen nach Bearsville, Upstate New York, der Heimat einer unserer Lieblingsbands, The Band. Also waren alle unsere Helden in diesem Studio und der Produzent war ein Held für uns. Die Kulisse war perfekt, es schneite. Es war wie ein wahr gewordener Traum, wie ein Märchen. Wir waren so aufgeregt, weil man sechs Jahre lang versucht, einen Plattenvertrag zu bekommen und sich fragt, wie das wohl sein würde, und dann bekommt man einen Plattenvertrag und es ist immer wie „Oh mein Gott, was kommt als nächstes?“. Es ist sehr explosiv, wie der große Knall. All die Dinge, die in den ersten sechs Monaten passieren, wenn man einen Plattenvertrag bekommt: das Album aufnehmen, die ersten Interviews geben, auf Tour gehen, das ist sehr intensiv.

War Steve Lillywhite schon vorher Travis-Fan oder hat sich das erst im Studio ergeben?
Gute Frage! Er hörte vorher die Demos, die wir der Plattenfirma gegeben hatten, um einen Plattenvertrag zu bekommen. Es waren ziemlich gute Demos. Ich weiß nicht, ob er uns live gesehen hatte. Wir wurden ihm einfach mit Nachdruck von Andy McDonald empfohlen, der unser A&R-Manager war. Und Steve kannte Andy, weil Andy mit Kirsty MacColl zusammen war und Kirsty MacColl war mit Steve verheiratet, also waren sie Bekannte und kannten sich schon lange. Als Andy also Steve anrief und sagte: „Ich habe da diese Band. Sie sind verdammt brillant und ich möchte wirklich, dass du sie produzierst“, meinte Steve gut, okay. Bei den Aufnahmen war die Band vor mir da und baute alles auf. Ich hatte Halsschmerzen oder so etwas und blieb ein paar Tage länger in London und kam zwei Tage später um 22 Uhr abends an und wir begannen sofort mit den Aufnahmen. Und innerhalb der ersten fünf bis zehn Minuten meinte er „das wird unglaublich“. Wir waren gut, wissen Sie, wir haben wirklich gut zusammen gespielt, wir haben viel geübt und ziemlich viele Shows gespielt.

Ganz am Ende des Gesangs bei „U16 Girls“ sind alle Vocals wieder fast durchgehend in einem Take. Aber am Ende des Gesangs ging das Mikrofon „kaputt“ (auf Deutsch), irgendetwas explodierte im Inneren des Mikrofons …

Das muss sehr bestätigend für Dich gewesen sein.
Auf jeden Fall, es gab so viele magische Momente. Nachdem wir vor ihm gespielt hatten, meinte er: „Mein Gott, ihr könnt wirklich live spielen, lasst es uns einfach live aufnehmen und minimale Overdubs machen“. Also ist alles auf dem Album wirklich live, wir sind alle im Raum und spielen (spielt ein Luftschlagzeug). Und es gibt einen Song namens „Hazy Shades Of Gold“, das ist eine B-Seite, entweder auf „All I Want To Do Is Rock“ oder „U 16 Girls“, jedenfalls auf einer der ersten Singles. Und ich spiele in einer Kabine in der Ecke des Raumes und ich schaute auf die andere Seite, wo das Schlagzeug stand, weil ich Neils Hand auf den Hi-Hats für den Takt beobachten wollte (spielt wieder Luftschlagzeug), aber Dougie kam mir in die Quere und stellte sich vor das Schlagzeug und ich rief „Get back Dougie, get back“ und Steve ließ es auf der Aufnahme, also ist es sehr live. Und es gibt auch noch eine andere Stelle. Ganz am Ende des Gesangs bei „U16 Girls“ sind alle Vocals wieder fast durchgehend in einem Take. Aber am Ende des Gesangs ging das Mikrofon „kaputt“ (auf Deutsch), irgendetwas explodierte im Inneren des Mikrofons. Es klingt wie ein Effekt, aber tatsächlich explodierte das Mikrofon.

Eure Single „All I Want To Do Is Rock“ hattet ihr jedoch schon zuvor aufgenommen, richtig? Welchen Einfluss hatte Lillywhite auf den Track?
Das war zwei Jahre früher. Niko Bolas war der Produzent, er hat mit Neil Young gearbeitet und das „Freedom“-Album gemacht und damals gerade mit Mike Scott von den Water Boys in einem Ort namens Findhorn im Norden von Schottland gearbeitet. Wir sprachen mit einem A&R-Typen, der irgendwie herumflatterte, und er sagte zu dem Produzenten: „Ihr solltet euch diese Band mal ansehen“, und er kam runter, um eine Show von uns zu sehen, und dann gefiel es ihm und er nahm uns mit ins Studio und brachte uns bei, wie man spielt. Er nahm unseren Schlagzeuger Neil beiseite und sagte: „Warum schlägst du das ganze Schlagzeug? Du musst nur die Hi-Hat, die Kick Drum und die Snare schlagen und das war’s“, er geht zum Bassisten „Warum ist dein Bass so hoch? Warum spielst du all diese Noten? Nagel mich einfach mit dön dön dön an die Wand“. Er lehrte uns das Vereinfachen. Und er spielte uns AC/DCs „Back in Black“ vor und sagte: „Hört euch an, wie sie spielen und wie einfach das ist“ – und drillte uns. Danach bin ich mit all dem Rock in meinem Kopf losgezogen und habe „All I Want To Do Is Rock“ geschrieben, das war der Ausgangspunkt. Es war also nicht Steve, sondern Niko, der „All I Want To Do Is Rock“ inspirierte.

Es war der erste Song, den ihr als Band zusammen gespielt habt, das erwähnst du sehr oft. Was bedeutet der Song damit für dich?
Ich sehe es gerne als den ersten Travis-Song an, auch wenn es nicht so ist. Aber es ist derjenige, den wir alle zusammen im Proberaum gespielt haben, als Dougie in die Band kam. Es war der erste Moment, in dem wir die Band aus der Taufe hoben und es ist auch der erste Song auf dem Album. Ich wollte, dass unsere Karriere mit 4 Klicks beginnt – 1,2,3,4 – und das war so beabsichtigt. Es ging also um mehr als nur um den Song. Vor zwei Wochen habe ich das Album „Good Feeling“ die ganze Woche durchgehört und es war großartig, aber ich erinnere mich an diesen ersten Moment: Du sitzt ruhig im Auto, drückst auf Play und die Klicks fangen an und es kam mir alles wieder in den Sinn, diese ganze Reise beginnt mit vier Klicks.

Ihr habt mit „Good Feeling“ etwa 40.000 Alben verkauft. Für euch als Band war das riesig, aber ich habe gelesen, dass es Gerüchte gab, dass ihr vom Label fallen gelassen würdet. Wie hat das eure weitere Karriere beeinflusst?
Richtig, aber wir wussten nichts davon. Es gab Gerüchte in der Musikbranche, dass wir fallen gelassen werden sollten. Weil sie so viel Geld in uns steckten, hat Andy McDonald wirklich auf uns gesetzt und wir gingen auf Tour und spielten 246 oder 242 Shows allein für das erste Album, was eine Menge Geld kostet, allein das Touren, und die ganze Presse und die Promotion, alles. Und es kam nichts zurück, er hat kein Geld verdient und eigentlich eine Menge Geld mit unserem ersten Album verloren. Aber Andy ist alles andere als zimperlich. Eine Menge Plattenfirmen würden eine Band einfach fallen lassen, aber stattdessen verdoppelte er das Engagement für die Band. Für das nächste Album gingen wir also mit Mike Hedges nach Frankreich, wir holten Nigel Godrich. Wir haben uns wirklich angestrengt, um das zweite Album fertig zu bekommen, aber keiner von uns war sich bewusst, dass wir fallen gelassen werden könnten. Ich habe das erst drei Jahre, nachdem „The Man Who“ herauskam, erfahren, als mir ein Journalist von den Gerüchten erzählte. Aber es ist ohnehin schwer genug, überhaupt einen Song zu schreiben. Wer weiß schon, woher Songs kommen?

Wenn man sich die Grammys in diesem Jahr anschaut, gibt es viele tolle Sachen, viele tolle Produktionen. Aber wenn man die Produktion abzieht, ist da nichts mehr

Was denkst du, woher Songs kommen?
Es gibt zwei Denkschulen beim Song-Schreiben. Die eine ist Song by Design und die andere ist Song by Divine. Und ich bin sehr von der Schule der Divine Songs, wo man einfach nur dasitzt und das Zeug hochsprudelt und man nicht genau weiß, was es ist und man dieses kleine Stückchen hat, wo man sagt „oh, das ist cool“. Und beim Song by Design sind fünf bis zehn Leute in einem Raum und überlegen: „Was reimt sich auf Door? Four, more, score?“ (lacht). Das ist eher kommerziell. Der Druck für jemanden, der auf eine nicht kommerzielle Art und Weise schreibt, ist viel größer, weil man nach etwas ganz besonderem sucht, das einem die Haare zu Berge stehen lässt, nach etwas, das wahrhaftig und ehrlich ist und einen zum Weinen bringt, wenn man es hört. Dieser Druck negiert fast jeden anderen Druck. Also, ich bin mir nicht sicher, ob wir etwas geändert hätten, wenn ich gewusst hätte, dass wir vom Label fallen gelassen werden würden. Vielleicht.

Ich habe den Eindruck, dass du fast ein bisschen pessimistisch bist, was das Song-Schreiben heutzutage angeht. Du befürchtest, dass wir vielleicht alle Melodien aufgebraucht haben, richtig?
Ja es war vielmehr eine Frage, ob das der Fall ist. Wenn man sich die Musik jetzt anschaut, scheint es, als ob alle niedrig hängenden Früchte weg sind. Denn wenn ich das Radio anmache, höre ich nicht mehr viele Songs, die mich dazu bringen, mein Auto anzuhalten und in Tränen auszubrechen. Wenn man sich die Grammys in diesem Jahr anschaut, gibt es viele tolle Sachen, viele tolle Produktionen. Aber wenn man die Produktion abzieht, bleibt nichts übrig. Es ist nur Produktion und das liegt daran, dass die Produzenten jetzt die Songwriter im Geschäft sind. Und Produzenten sind keine Songwriter. Produzenten sind Produzenten. Songwriter sind wie ich, sie sind mehr wie „woooo mystisch, wooo man“ (flackert mit den Fingern in der Luft) und Produzenten sind wirklich gut darin, Zeug gut klingen zu lassen. Ich denke, das Beste passiert, wenn man einen Songwriter hat, der die Songs divined, und einen Produzenten, der genau weiß, wie man sie zusammensetzt, damit sie unglaublich klingen. Wenn sie zusammenkommen und als Team arbeiten, ist das die perfekte Sache. Wenn man die ganze Produktion wegnimmt, hat man immer noch die Wahrheit, die Sache, die einen immer noch umhaut. Ich kann dir den Song immer noch vorspielen und du denkst „Oh mein Gott“. Aber das passiert im Moment nicht, aber vielleicht ist es nur eine Phase, wer weiß.

All diese Typen schreiben oberhalb des Halses. Alles kommt aus dem Kopf und nicht aus dem Herzen.

In Bezug auf das Songwriting hast du gesagt, dass diese Wahrheit, der Kern des Songs, immer von einer Quelle, einer Person kommt.
Ja, ich glaube nicht, dass es für jeden so ist, aber für mich ist es so. Man kann mit anderen Leuten schreiben und ich schreibe gerade selbst mit Leuten, um zu sehen, wie sich das anfühlt, aber sie schreiben ganz anders als ich, nämlich sehr industriell und seelenlos. Wir hatten Gespräche, in denen ich sagte: „Ich glaube, ich weiß, wie du schreibst, aber du musst auch mal mit mir mitgehen, und ich zeige dir, wie ich schreibe“. All diese Typen schreiben oberhalb des Halses. Alles kommt aus dem Kopf und nicht aus dem Herzen. Ich denke, sie müssen nur da runter gehen und herum graben und sie werden einige erstaunliche Dinge finden, wenn sie gründlich genug suchen.

Insbesondere die jüngeren Generationen werden durch die sozialen Medien mit Informationen überschwemmt. Sehr verkopft und rational zu handeln um diese Flut zu ordnen und sich anschließend einzuordnen, also zu vergleichen, liegt nahe – auch in der Kunst.
Ja, wenn ich mir meinen Sohn und seine Freunde anschaue, die Generation der Millennials, dann habe ich das Gefühl, dass sie weniger emotional sind, weil sie alle in ihren Köpfen sind. Jeder ist immer an seinem Telefon. Ihr Gehirn denkt sich also Worte aus, sagt dem Affen, dass er seine Daumen bewegen soll, um mit dem anderen Gehirn auf der anderen Seite der Stadt zu sprechen, mit dem Freund, der in seiner Wohnung sitzt. Und dessen Gehirn hört wiederum, wie das Telefon *bing bing* macht, und sagt dem Affen, er soll das Gerät abnehmen. Aber es sind Gehirne, die mit Gehirnen reden. Man kann nicht am Leben sein und kein PTBS haben, nicht einmal ein winziges bisschen. Menschen sind wie Steine im Bach. Sie rollen den Bach hinunter, und ein Fluss fließt über Sie hinweg, und glättet Sie. All diese Beulen und Striche sind unterhalb des Halses. Alles wird im Inneren festgehalten. Und das Gehirn ist wie ein Regierungszentrum, das die ganze Zeit befiehlt: „Mir geht’s gut, mir geht’s gut“, während man eigentlich einfach auf sein Bauchgefühl hören sollte. Man muss das einfach abschalten (zeigt auf seinen Kopf), das ist es, was Meditation bewirkt. Auf das stille Tier hören, auf das nicht so oft gehört wird. Wenn man zum Beispiel in eiskaltes Wasser springt, schaltet man das auch aus. Man muss nicht meditieren oder so. Man muss nur einen verrückten Schock bekommen und schon ist man wieder ein Tier. Und ich glaube, die jungen Generationen tun das nicht, aber das ist nicht ihre Schuld, es ist unsere Umwelt, die das bewirkt.

Gibt es mit Blick auf die zweite Veröffentlichung von „Good Feeling“ etwas, was Du an dem Album gerne geändert hättest?
Auf jeden Fall. Ich denke, das Album klingt gut, aber Steve war kurz davor, in die Entzugsklinik zu gehen. Er ging nach dieser Platte in die Entzugsklinik. Er war auf einem Kollisionskurs mit dem Tod. Ich glaube nicht, dass wir ihn in seiner absoluten Bestform erwischt haben. Er hat eine großartige Performance aus uns herausgeholt, und darin war er brillant. Er hat wirklich viel Energie und ist die ganze Zeit super drauf, aber zum Abmischen sind wir in die RAK Studios gegangen, die eigentlich in Ihrer Nähe sind, und er hat einen furchtbaren Hall draufgelegt. Und ich dachte immer, es hätte einen besseren Mix bekommen können. Es hätte einen anderen Reverb gebrauchen können. Aber wir haben noch die Monitor-Mixe. Monitor-Mixe sind das, womit man die Studios nach der Aufnahme verlässt, bevor sie neu abgemischt werden. Wir haben diese gefunden und sie klingen großartig. Als wir Bearsville verließen, dachten wir, oh mein Gott, das ist unglaublich. Und dann haben wir es gemischt und es klang immer noch gut, aber dieses ursprüngliche Gefühl, das haben wir tatsächlich auf einem Band und in guter Qualität. Irgendwann werden wir eine sehr limitierte Auflage davon machen, damit die Leute sie hören können, eine Art alternativer Mix.

Travis veröffentlichten 2020 ihr neues Album „10 Songs“. Ihr Debütalbum „Good Feeling“ von 1997 gibt es seit dem 02.04.2021 als Neuauflage im Onlinestore der Band.


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