Hat „Star Wars“ ein Disney-Problem?

E-Mail

Hat „Star Wars“ ein Disney-Problem?

Facebook Twitter Google+ Whatsapp Email Kommentare
von

Als im Jahr 2015 die „Star Wars“-Reihe erfolgreich mit „Episode VII – Das Erwachen der Macht“ nach vielen Jahren Pause fortgesetzt wurde, sah eigentlich alles sehr vielversprechend aus: Der neue Teil kam bei Fans und Kritikern gut an und bei Disney schien die Marke „Star Wars“ gut aufgehoben. Doch der gute Eindruck sollte trügen: Bereits beim 2016 veröffentlichten Spin-Off „Rogue One: A Star Wars Story“ machten Berichte über Probleme die Runde.

So wurde im Juni 2016 bekannt, dass fast die Hälfte des Films neu gedreht werden musste. Disney soll mit der von Regisseur Gareth Edwards („Monsters“, „Godzilla“) abgelieferten Arbeit unzufrieden gewesen sein und ließ geschätzte 40 Prozent des Films noch einmal drehen. Edwards bekam laut den Berichten Hilfe von J.J. Abrams und Tony Gilroy. Statt „Rogue One“ aktiv zu gestalten, verkam er zur Marionette von Disney, die keinerlei Entscheidungsfreiheiten mehr genoss – so schien es zumindest. Zugegeben, der finale Film überzeugte und schien nicht unter den Nachdrehs gelitten zu haben. Aber es ist auch mehr als offensichtlich, dass so gut wie alle Szenen aus den Trailern nicht im fertigen Film zu sehen sind. Von offizieller Seite hieß es aber seinerzeit natürlich, dass alle mit den Nachdrehs zufrieden sind. Wer es glaubt …

Das Disney-Imperium schlägt zurück

Doch „Rogue One“ sollte kein Einzelfall sein, Disney hat sich noch mehr eingemischt. 2018 kommt der nächste „Star Wars“-Ableger ins Kino: Für den Han-Solo-Film konnte das Regie-Duo Phil Lord und Chris Miller gewonnen werden. Mit „21 Jump Street“, „The Lego Movie“ und „22 Jump Street“ haben sich die Beiden in Hollywood bereits einen Namen gemacht und sie schienen die perfekte Wahl zu sein. Im Juni dieses Jahres wurde aber bekannt, dass das Duo aufgrund der berühmten „kreativen Differenzen“ das Handtuch geschmissen hat. Ob sie von sich aus gekündigt haben oder von Disney gefeuert wurden, ist allerdings nicht bekannt. Doch schon wenige Tage nach dieser Hiobsbotschaft kam bereits die nächste Negativ-Schlagzeile: „Han Solo“-Darsteller Alden Ehrenreich musste Nachhilfe im Schauspielern kriegen. Wohlgemerkt, die Produktion des Han-Solo-Films war zu diesem Zeitpunkt bereits im vollen Gang.

Als neuer Regisseur wurde übrigens Ron Howard („Apollo 13“, „A Beautiful Mind“) auserkoren. Eine sicherere Wahl für den neuen Auftragsregisseur des Films hätte Disney vermutlich nicht auswählen können. Und auch zu Verzögerungen soll es deshalb trotzdem nicht kommen – Disney hält am bisherigen Kinostart fest. Und das ist für den Konzern auch sehr wichtig, denn die riesige Marketing-Maschinerie läuft bereits auf Hochtouren und eine Verschiebung des Films um mehrere Wochen oder gar Monate hätte horrende Folgen und Verluste für Merchandise & Co. Das kann und will Disney natürlich nicht zulassen.

In den Pinewood Studios in London wird gerade das noch namenlose „Star-Wars“-Spin-Off zu Han Solo gedreht. Nun gibt es ein erstes Foto von den Dreharbeiten.
Von links nach rechts: Woody Harrelson, Regisseur Christopher Miller, Phoebe Waller-Bridge, Alden Ehrenreich, Emilia Clarke, Regisseur Phil Lord, Joonas Suotamo und Donald Glover.

Und wieder einer weniger…

Doch auch bei der neunten und vorerst letzten Episode von „Star Wars“ gibt es schon jetzt im Vorfeld große Probleme. Colin Trevorrow („Safety Not Guaranteed“, „Jurassic World“) sollte den Film eigentlich drehen, jetzt wurde aber bekannt, dass er und Disney getrennte Wege gehen. Von offizieller Seite hört man natürlich nur, dass beide Parteien „unterschiedliche Visionen“ haben – eine andere Umschreibung für „kreative Differenzen“. Hinter den Kulissen soll es aber Spannungen zwischen Lucasfilm-Präsidentin Kathleen Kennedy und Trevorrow wegen des Drehbuchs gegeben haben. Vielleicht liegt der Grund aber ganz woanders? Trevorrows aktueller Film „The Book Of Henry“ wurde nicht nur von Kritikern zerrissen, er ging auch an der Kinokasse baden. Hat Disney etwa kalte Füße bekommen und will für den Dreh lieber auf Nummer sicher gehen? „Star Wars: Episode IX“ hatte es ohnehin schon schwer, da ursprünglich Leia eine sehr große Rolle spielen sollte. Durch den Tod von Carrie Fisher musste das Drehbuch jedoch umgeschrieben und massiv abgeändert werden.

Erfolg um jeden Preis

Eines steht fest: „Star Wars“ ist neben Marvel eine der wichtigsten Marken für Disney, wenn nicht sogar die wichtigste. Nicht nur die Filme sorgen für Einnahmen in Millionenhöhe, auch Merchandise und Themenparks sind eine wahre Goldgrube für das Unternehmen. Doch es zeigt auch, dass das „Star Wars“-Imperium in Wahrheit nur ein Kartenhaus ist. Denn wenn die Filme als Zugpferd versagen, sinkt auch das Interesse an Spielzeug, Bettwäsche und anderen „Star Wars“-Artikeln. Und auch die Besucher des Freizeitparks dürften fern bleiben.

Zukünftige Episoden und Spin-Offs müssen daher ein voller Erfolg werden, damit „Star Wars“ auch auf lange Sicht für Disney lukrativ bleibt. Doch natürlich sind es eben jene Negativschlagzeilen, die ein schlechtes Licht auf Disney werfen und drohen, am Kartenhaus zu wackeln. Und dass es nie gut ist, wenn sich Studios zu sehr in die Entstehung von Filmen einmischen, hat die Vergangenheit bereits zu oft gezeigt.

Am 14. Dezember 2017 kommt „Star Wars: The Last Jedi“ ins Kino. Hier hat man bisher (noch) nichts Negatives gehört.

Disney/Lucasfilm
E-Mail

Nächster Artikel

Vorheriger Artikel