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John Bonham: Der Tag, an dem der Led-Zeppelin-Drummer starb


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Direkt mit dem ersten Song auf Led Zeppelins allererster LP veränderte John Bonham das klassische Rockschlagzeug für immer. Noch Jahre später amüsierte sich Jimmy Page darüber, wie der Song „Good Times Bad Times“ und dessen atemberaubenden Bass-Drum-Einsatz für Verwirrung bei den Zuhörern sorgte: „Alle waren sich sicher, dass Bonzo zwei Bass-Drums benutzt, während er in Wirklichkeit nur eine hatte.“ Dieses Darbieten, so gewichtig, so lebendig, so virtuos und bedacht, legte den Grundstein für Bonhams finessenreiche Karriere bis zu seinem viel zu frühen Tod 1980.

„Ich habe Jahre, wirklich Jahre, damit verbracht, in meinem Kinderzimmer ständig Bonhams Schlagzeugspielen zuzuhören und versucht, es ihm in seinem Schwung, seinem ‚behind-the-beat‘-Swagger, seiner Geschwindigkeit oder seiner Power gleich zu tun“, so Dave Grohl in einem Interview mit der US-Ausgabe des ROLLING STONE. „Ich habe nicht einfach das auswendig gelernt, was er gemacht hat auf den einzelnen Alben. Mir ging es vor allem darum, mich in dieselbe Position zu bringen und nach demselben instinktiven, rhythmischen Kompass zu gehen wie er.“

Die erste Probe von Led Zeppelin

Bonhams Stil war unbestreitbar, und er war vor allem dafür bekannt, Triolen statt sauberer Einzelschläge zu spielen. Ein Stil, den er von seinen Lieblings-Jazzmusikern gelernt hatte, was den Liedern der Band zusätzliches Flair verlieh. Obwohl jedes Mitglied sein eigenes spezifisches Talent einbrachte, galt Bonzo als der Herzschlag der Gruppe, da seine Art des Schlagzeugspiels der Musik Kraft, Emotion und Originalität verlieh.

John Bonham im Juni 1973

Dass diese Attribute in Led Zeppelins Musik allgegenwärtig waren, zeigte sich bereits ab der ersten gemeinsamen Probe, denn am 12. August 1968 wurde in einem kleinen Proberaum in der englischen Hauptstadt London Musikgeschichte geschrieben.  Jimmy Page, John Paul Jones, John Bonham und Robert Plant fanden sich zum ersten Mal an ihren Instrumenten zusammen, was den Anwesenden zeigte, dass dort etwas ganz Besonderes entstand. Es sollte nicht lange dauern, bis diese Band ihren ersten Auftritt spielte. Bereits am 7. September desselben Jahres standen die vier Musiker gemeinsam auf der Bühne. Was später unter dem Namen Led Zeppelin die Rockwelt umkrempeln sollte, hieß zunächst aus Vertragsgründen noch noch The New Yardbirds. Wie die Probe verlief – und wie sich das historische erste Zusammentreffen für die Mitglieder anfühlte, erzählte Gitarrist und Songschreiber Jimmy Page in einem Interview mit der „Ultimate Classic Rock Nights Radio Show“

Musikalisch miteinander verbunden

Laut Jimmy Page waren sich die Musiker sofort bewusst, dass sie wie füreinander bestimmt waren: „Ich wusste, dass sich das wie etwas anfühlte wie nichts zuvor, und ich wusste auch, dass wir alle im selben Boot saßen“, erinnert sich der 76-Jährige. Page ist sich sicher, dass es den anderen Bandmitgliedern genauso ging: „Was sie auch immer zuvor gemacht haben, sie waren nie in einer so intensiven Situation mit so einer schwerwiegenden Verbindung – musikalisch auf profunde Art miteinander verbunden – und das auf unserem ersten Treffen, bei dem wir uns erst bereit machten, zu spielen“.

Page weiter: „Ich habe mit Robert in meinem Haus gearbeitet, bin diverse Dinge mit ihm durchgegangen, die ich machen wollte, wie ‚Dazed And Cofused’, ‚Babe I’m Gonna Leave You’ … aber diese erste Probe war schon genug, dass wir alle begeistert waren. […] Wir nahmen im Oktober 1968 auf, die Yardbirds gab es noch im Juli 1968. Sie können sich vorstellen, wie schnell dieses ganze Ding entstanden ist“.

John Bonham wächst heran

John Bonham fand in dieser Dynamik ein Umfeld, in dem er sich vollkommen frei und natürlich entfalten konnte. Es war der lang gehegte Wunsch eines jungen Mannes, der zwanzig Jahre zuvor, am 31. Mai 1948, im englischen Redditch geboren wurde. Als Kind trommelte er auf Blechdosen, Kochtöpfen und allem, was sich irgendwie als Drumset umfunktionieren ließ. Als er zehn Jahre alt war, kaufte seine Mutter ihm seine erste Snare, gefolgt von einem alten, rostigen Schlagzeug der Marke Premier. Da war er fünfzehn.

Jon Bonham auf der Bühne, 1977

Unterricht nahm er nie, er schaute sich alles bei seinen großen Vorbildern Ginger Baker und Gene Krupa ab. Für den Jazz-Schlagzeuger Krupa teilte Bonham die gleiche Leidenschaft wie Keith Moon. Beide bewunderten ihn, da er die Rolle des Schlagzeuger in einer Band zu jener Zeit gänzlich anders interpretierte als seine Kollegen. Er saß nicht einfach im hinteren Teil der Bühne und hielt stur den Takt. Krupa wurde selbst zum Frontmann, durch seine Bewegungen und sein ausladendes Spiel. John Bonham und Keith Moon übersetzten diesen Stil in die Rockmusik.

Bonham zeichnete noch etwas anderes aus. Er war laut. Sehr laut. In manchen Clubs der Umgebung war er ein ungern gesehener Gast, da er immer alle anderen Musiker übertönte. Ihn aufzunehmen schien ohnehin eine nicht zu bewerkstelligende Aufgabe zu sein. Terry Webb & The Spiders waren Bonhams erste professionelle Band, es folgten A Way of Life und The Crawling King Snakes (gemeinsam mit Robert Plant). Erfolgreich war keine dieser Bands. Er hielt sich irgendwie mit Gelegenheitsjobs in der Baufirma seines Vaters über Wasser und heiratete früh.


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Der Aufstieg mit Led Zeppelin

Die Erfahrungen und Bekanntschaften, die John Bonham in den Bands seiner Jugend sammelte, sollte sich später trotz des ausbleibenden Erfolges als richtungsweisend herausstellen. 1967 stieg er in Robert Plants Band of Joy ein, mit der er Anfang 1968 als Support für den Amerikaner Tim Rose auf Tour ging. Rose war so begeistert von Bonhams Spiel, dass er ihn für seine eigene Band rekrutieren wollte. Der Umworbene sagte zu, da es ihm in unsteten Zeiten ein festes Einkommen ermöglichte. Für die Band of Joy war es hingegen das Ende. Doch auch mit Tim Rose verbrachte Bonham nicht viel Zeit.

Im Sommer 1968 empfahl Robert Plant seinen ehemaligen (und zukünftigen) Bandkollegen an einen gewissen Jimmy Page. Die Yardbirds hatten sich aufgelöst und Page war auf der Suche nach Musikern für eine neue Band. Obwohl Bonham gut dotierte Angebote von Joe Cocker und Chris Farlowe erhielt, nahm er Pages Angebot (nach zusätzlichen Überredungsversuchen des Managers Peter Grant) an. Als Begründung gab er an, dass er die Musik der Yardbirds lieber möge als die von Cocker und Farlowe. Es war die richtige Entscheidung, wie die erste Probe mit Page, Plant und Jones zeigte.

John Bonham und Jimmy Page beim ersten Led-Zeppelin-Konzert im September 1968.

Der 24. September 1980

Im September 1980 – zwölf Jahre nach dem entscheidenen Tag im Londoner Proberaum und nach einer unvergleichlichen Karriere – hatten alle vier Mitglieder von Led Zeppelin mit den Proben begonnen, um sich auf ihre erste Nordamerika-Tournee seit 1977 vorzubereiten, die am 17. Oktober in Montreal, Kanada, beginnen sollte. Die Proben fanden in der Nähe von Jimmy Pages Haus in Windsor statt, wo die Band unterkam.

Robert Plant beschrieb später Bonhams Gemütsverfassung, als sie zu ihrer letzten gemeinsamen Probe fuhren: „Am allerletzten Tag seines Lebens, als wir zur Probe fuhren, war er nicht ganz so glücklich, wie er sein konnte. Er sagte: ‚Ich habe die Nase voll vom Schlagzeugspielen. Jeder spielt besser als ich.‘ Als wir im Auto fuhren, zog er die Sonnenblende ab und warf sie aus dem Fenster, während er sprach. Er sagte: ‚Ich sag dir was, wenn wir zur Probe kommen, spielst du Schlagzeug und ich singe.‘ Und das war unsere letzte Probe.“

Jon Bonham in Japan, 1971

Als sie am Proberaum ankamen, begann Bonham mit einem Trinkgelage, das sich über zwölf Stunden hinziehen sollte. Er hatte alarmierende 40 Shots Wodka getrunken, wie sich später herausstellte. Am späten Abend wurde er auf einem Sofa in Jimmy Pages nahegelegenem Haus bewusstlos, sodass ihn ein Crewmitglied der Band ins Bett brachte. Damit er sicherer lag, legte der Roadie Bonham noch ein Kissen auf die Seite.

Es war schrecklich“

Was am nächsten Tag geschah, beschrieb Bassist John Paul Jones in eigenen Worten: „Benje [der Tourmanager von Led Zeppelin. Anm. d. Red.] und ich haben ihn gefunden. Es war wie: ‚Lasst uns nach oben gehen und nach Bonzo sehen‘. Wir versuchten, ihn aufzuwecken… Es war schrecklich. Dann musste ich es den anderen beiden sagen… Ich musste Jimmy und Robert die Nachricht überbringen. Das hat mich sehr wütend gemacht – über seine Verschwendung… Ich kann nicht sagen, dass er in guter Verfassung war, denn das war er nicht. Es gab einige gute Momente während der letzten Proben … aber dann begann er mit dem Wodka. Ich glaube, er hatte getrunken, weil es einige Probleme in seinem Privatleben gab. Aber er starb durch einen Unfall. Er hatte sich falsch hingelegt, was jedem hätte passieren können, der viel getrunken hat.“

Led Zeppelin im Jahr 1977
Led Zeppelin im Jahr 1977

Unmittelbar nachdem Bonham entdeckt worden war, wurde am Morgen ein Krankenwagen gerufen, doch es war zu spät. Er wurde nur 32 Jahre alt. Die Polizei traf ebenfalls bei Jimmy Pages Haus ein, in dem keine verdächtigen Umstände festgestellt wurden. Am 18. Oktober fand im Gericht von East Berkshire eine Untersuchung von John Bonhams Tod statt, bei der man klarstellte, dass er durch das Einatmen seines eigenen Erbrochenen im Schlaf gestorben war, was zu einem Lungenödem führte. Ein Lungenödem beschreibt eine Flüssigkeitsansammlung in der Lunge, die zu Atemstillstand führen kann. Als offizielle Todesursache wurde Alkoholkonsum“ angegeben.

John Bonhams Beerdigung

John Bonhams Trauerfeier fand am 10. Oktober 1980 in der Rushock Parish Church in Worcestershire statt. Etwa zweihundertfünfzig Trauergäste, darunter Familie, Freunde, Bandkollegen und andere Musiker, nahmen daran teil: Roy Wood, Denny Laine, Bev Bevan und Jeff Lynne. Paul McCartney hinterließ einen Kranz, dazu Tribut-Aufnahmen, die von Schlagzeugerkollegen wie Carmine Appice, Phil Collins, Cozy Powell und Carl Palmer eingespielt worden waren. Nach dem Familiengottesdienst machte sich der Trauerzug auf den Weg zum Krematorium von Worcester, wo der Abschlussgottesdienst abgehalten wurde.

Bedenkt man die einzigartige Verbindung der vier Mitglieder von Led Zeppelin, überraschte es nicht, als Page, Plant und Jones einige Wochen nach Bonhams Tod mit ihrem Manager Peter Grant im Londoner Savoy Hotel zusammenkamen, um einstimmig zu beschließen, dass die Band in einer Welt nach Bonham nicht mehr existieren könne. Eine Erklärung der Band lautete wie folgt:

„Wir möchten, dass bekannt wird, dass der Verlust unseres lieben Freundes und der tiefe Respekt, den wir für seine Familie empfinden, zusammen mit dem tiefen Gefühl ungeteilter Harmonie, das wir und unser Manager empfinden, uns zu der Entscheidung veranlasst haben, dass wir nicht so weitermachen können, wie wir waren.“

„Ein massiver Verlust für alle“

Noch viele Jahre später war Jimmy Page nicht um kleine Worte bemüht, als es um das Andenken seines Freundes und Bandkollegen ging: „Das Ableben von John Bonham…sprechen wir lieber über die Einführung von John Bonham auf dem ersten Album und ‚Good Times Bad Times‘. Es ändert sich das Schlagzeugspiel über Nacht“, sagte Page 2015. Das war also im Jahr 1968. Und wir sprechen hier von 1980. Es sind zwölf Jahre, in denen John Bonhams musikalischer Beitrag von der gesamten Musikwelt in jeder Hinsicht geschätzt wurde – die Tatsache, dass sich das Schlagzeugspiel dadurch veränderte, die Tatsache, dass es die Wertschätzung der Menschen für das Schlagzeug und die Musik veränderte.“ Page betonte außerdem mehrfach, dass Bonhams Tod ein massiver Verlust für alle“ sei. „Jeder war von der Musik John Bonhams berührt worden“.

„Er war der Groove-Meister“, sagte Black-Sabbath-Schlagzeuger Bill Ward. „Er schrieb die Bibel über das Rock-Schlagzeugspiel. Um die ursprüngliche Grundlage zu lernen, die einen Schlagzeuger in die heutige Ära des Rock- oder Metal-Schlagzeugspiels bringt, muss man John Bonham zuhören. Er war eine Institution für sich selbst.“

Nie wieder das Selbe

„Es konnte nie mehr dasselbe sein“, sagte Peter Grant 1990. „Es waren diese vier Menschen – sie waren Led Zeppelin. Die Musik und der Verstand – einzigartig. Als diese vier Jungs auf der Bühne standen … totale Magie. Dass es nie wieder dasselbe sein kann, ist bewiesen – diese verdammte Live Aid-Sache.“

Er bezog sich dabei auf die Katastrophe, die die erste Wiedervereinigung der Band bei der Wohltätigkeitsveranstaltung 1985 darstelle. In Philadelphia wurden Page, Plant und Jones von zwei Schlagzeugern begleitet, um Bonhams Abwesenheit auszugleichen: Phil Collins und Tony Thompson. Bei den folgenden vereinzelten Auftritten trat Bonhams Sohn Jason auf, der zwar über ein enzyklopädisches Wissen über das Spiel seines Vaters verfügt, die Lücke allerdings nicht füllen konnte. Das bisher letzte Mal, dass sich die Band die Bühne teilte, war im Dezember 2007 beim Ahmet Ertegun Tribute Concert.

Doku über Led Zeppelin

Um die Geschichte der Band für die Nachwelt festzuhalten, erscheint zum 50-jährigen Jubiläum von Led Zeppelin die erste offizielle Dokumentation der Band – nacherzählt von den Bandmitgliedern „in ihren eigenen Worten“.

Regisseur des noch unbetitelten Films ist Bernard MacMahon, der für die Musik-Dokumentarreihe „American Epic“ bereits emmynominiert ist. Die Doku wird neue Interviews von Sänger Robert Plant, Gitarrist Jimmy Page und Bassist John Paul Jones sowie Archiv-Interviewaufnahmen von John Bonham beinhalten.

„Definitive Erzählung“ von Led Zeppelins Geburt

Der Dokumentarfilm, der sich derzeit in der Postproduktion befindet, wird als „definitive Erzählung von der Geburt der erfolgreichsten Rockband der Welt“ bezeichnet und ausschließlich aus der Sicht der Band erzählt – mit bisher unveröffentlichtem Archivfilmmaterial und -Fotos sowie modernster Audio-Restauration der Led-Zeppelin-Songs. Sowohl Page als auch Plant sagten, dass sie „American Epic“, das die Wurzeln der amerikanischen Musik der „Roaring Twenties“ nachempfindet, davon überzeugt hätte, sich in MacMahons Film einzubringen.

Led Zeppelin
Led Zeppelin

„Als ich sah, was Bernard sowohl visuell als auch akustisch für die bemerkenswerte Leistung von ‚American Epic‘ getan hatte, wusste ich, dass er qualifiziert sein würde, unsere Geschichte zu erzählen“, so Jimmy Page in einer Erklärung. „Die Zeit war reif für uns, unsere eigene Geschichte zum ersten Mal mit eigenen Worten zu erzählen“, fügte John Paul Jones hinzu. „Ich denke, dass dieser Film diese Geschichte wirklich zum Leben erwecken wird.“

Welche Macht Led Zeppelin entfachten, rezensierte ROLLING-STONE-Autor Jörg Gülden bereits 1998. Sein Beitrag über die BBC Sessions“ aus dem Archiv lesen Sie hier nochmal nach:

Aus DAS ARCHIV-Rewind, Ausgabe 2/1998:

Led Zeppelin – BBC Sessions  ****

von Jörg Gülden

Einmal vom nicht zu entschuldigenden Tatbestand, daß dieses Doppelalbum fast verpennt worden wäre, abgesehen, heißt es nun für die Stones-Fraktion, zum Beißholz zu greifen. Sagen wir’s mal so: Das, was die Rolling Stones zu Beginn ihrer Karriere musikalisch schufen, war im rechten Licht betrachtet – nichts anderes als ein Neuaufguß amerikanischer Blues- und R&B-Klassiker, verpackt in eine zeitgemäße Beat-Camouflage und für ahnungslose Ami-Kids gar ein Re-Import der eigenen Roots-Klänge.

O. K., Led Zep betraten zwar ein paar Jährchen später die Bühne, bedienten sich auch aus der Schatztruhe, welche Robert Johnson, Muddy Waters & Co. randvoll hinterlassen hatten, machten daraus aber ein so eigenes, so urgewaltiges Ding, daß der Titel der Led Zep-Biographie „Hammer Of The Gods“ den Nagel – voller geht’s kaum – auf den Kopf trifft. Noch ein paar Vergleiche gefällig? Bitte sehr: Als Keith Richards noch dabei war, der Magie der Akkorde C, F, G per Wandergitarre auf die Spur zu kommen, war Jimmy Page (nach „Big“ Jim Sullivan) schon die Nr. 2 unter den Session-Gitarristen Englands.

Die Diskussion, wessen Stimme (Jaggers oder Plants) nicht von dieser Welt ist, dürfte sich seit dem vokalen Urknall auf „Whole Lotta Love“ wohl erübrigen, und warum selbst Trommel-Irrwisch Keith Moon (er hatte übrigens die Idee zum Luftschiff-Namen) zu John „Bonzo“ Bonham ehrfürchtig aufblickte, ist nach „Moby Dick“ keine Frage mehr. Und der Beitrag, den der enigmatische, aber geniale John Paul Jones (für Unwissende nur der tumbe Bassist) als Arrangeur zu Led Zeps Sound-Apokalypse beisteuerte, ist allein eine Story für sich wert.

Die Mauern beben

Waren Led Zep-Studioalben – die von der durch die extreme Polarisierung der zwei Hauptakteure (Plant auf der Suche nach dem „Herr der Ringe“, Page im Banne des Black-Magic-Gurus Aleister Crowley) bedingten wirren Ausrutscher ließen andere Songs, die in jeder Hinsicht ans Limit gingen, stets verzeihen monumentale Statements in Cinerama-Sound, so musizierte die Band live in einer Liga für sich. Jeder Auftritt -die durch Drogen oder Alk bedingten Peinlichkeiten zählen nicht – hinterließ ob seiner ultimativen Intensität den Eindruck, hier würden vier Musiker ihr definitiv letztes Konzert absolvieren und noch einmal alles aus sich herausholen.

Das, was Led Zep im März und Juni ’69 (in Mono und auf CD 1) sowie im April ’71 (Stereo und auf CD 2) vor handverlesenem Publikum für diverse BBC-Shows (u. a. John Peels „Top Gear“) live einspielten, soll fast die Mauern der betagten Rundfunkanstalt zum Einsturz gebracht haben, hätten nicht aus dem Büroschlaf gerissene Tontechniker in Panik alle Potentiometer auf 0,5 gedreht. Led Zep fuhren all ihre schweren Geschütze auf, deren Donner auf ewig nachhallen wird – von „You Shook Me“ über „Communication Breakdown“ bis zum obligatorischen „Whole Lotta Love“. Und wenn das Erdbeben der CD 1 auf dem Seismometer die Richter-Skala nach oben noch viel offener werden läßt, dann ist CD 2 das Nachbeben in Stärke 7.

John Bonham und Jimmy Page

Die Messlatte

Das Schlußwort gebührt dem englischen Kollegen Mat Snow, denn treffender läßt’s sich nicht auf den Punkt bringen: „Ein Fingerzeig, der zur rechten Zeit kommt. Denn falls ihr plant, euch selbst zu den Kings Of Rock’n’Roll zu krönen, dann habt ihr hier die Meßlatte, die’s zuvor zu überwinden gilt!“

„DAS ARCHIV – Rewind“ umfasst über 40 Jahre Musikgeschichte – denn es beinhaltet die Archive von Musikexpress, Rolling Stone und Metal Hammer. Damit ist von Popmusik über Indierock bis zu Heavy Metal nahezu jede Musikrichtung abgedeckt – angereichert mit Interviews, Rezensionen und Reportagen zu Filmen, Büchern und popkulturellen Phänomenen.

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Led Zeppelin: John Paul Jones wählt seine Lieblingssongs der Band

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