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Nu-Metal: Die 10 besten Songs eines (un)coolen Genres

Nu-Metal ist ein musikalisches Phänomen, das gerne belächelt wird. Das protzige Proletentum von Limp Bizkit, die ständige Stilisierung als Outsider von Bands wie Korn oder Slipknot, gebündelt in rohe Riffs aus High-Gain-Gitarrenverstärkern.

Einerseits ist das unterhaltsam. All die Songs werden auch heute noch auswendig mitgegrölt, wenn Papa Roach und Konsorten auf den großen Festivals in Deutschland, Österreich und der Schweiz Sommer für Sommer wieder attraktive Slots füllen, um den älteren Teil des Publikums an die eigene Jugend zu erinnern. Das selbe Prinzip wie bei den seit einigen Jahren wuchernden 90er-Jahre-Partys, nur eben live und mit Gitarren. Ein lebendes Museum.

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Andererseits ist Nu-Metal eben doch mehr als pure Belustigung, wie in einem Rückspiegel betrachtet. Insbesondere mit einem Abstand von mehr oder weniger 2o Jahren lässt sich feststellen, dass die Bewegung Inspiration für zahlreiche nachfolgende Musiker geboten hat, deren – im Musikbusiness wie Gold gehandelte – Coolness von den Rating-Agenturen in den Musikzeitschriften und im öffentlichen Diskurs deutlich höher eingestuft wurde.

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Mal abwarten, worüber wir 2039 etwas zu lachen haben.

Limp Bizkit – „Break Stuff“

„Break Stuff“ von Limp Bizkit. Was soll man dazu noch sagen. Frontmann Fred Durst ist für den Text des Songs ungefähr ähnlich wenig eingefallen: „It’s just one of those days / When ya don’t wanna wake up / Everything is fucked / Everybody sucks / You don’t really know why / But you wanna justify / Rippin‘ someone’s head off“. Nicht wenige dürften das Lied gerade wegen des Stumpfsinns geliebt haben – oder sie tun es immer noch.

Es war der definitive Durchbruch der Band aus Jacksonville, Florida, und es fasst ziemlich gut zusammen, wofür eines der Aushängeschilder des Nu-Metal bekannt ist. Brachiale und prollige Gitarrenriffs, treibende Grooves und eben das nicht vorhandene literarische Feingefühl des Fred Durst.

Wiederum lässt sich argumentieren, dass es für diese Art von Songs keine andere Band als Limp Bizkit gibt. Das, was sie tun, tun sie wirklich gut. Beziehungsweise das, was sie getan haben. Wie im Grunde alle Nu-Metal-Bands – mit wenigen Ausnahmen – haben auch Limp Bizkit ihre Hype-Welle spätestens 2006 ausgeritten und drehen sich seitdem eigentlich nur noch um sich selbst.

„Break Stuff“ ist also ein Song, der seinesgleichen sucht. Ohne Zweifel besitzt er eine unbändige Energie, die man nun mögen kann oder nicht. Ihre Existenz anzweifeln wird jedoch schwierig. Besonders schön wird dies in der Live-Version des Woodstock Festivals aus dem Jahr 1999 deutlich. Die Zuschauer sind sogar so freundlich und helfen beim Höhepunkt des Songs um die 3:18-Marke bereits beim Abbau des Festival-Geländes.

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Linkin Park – „In The End“

Ohne Zweifel sind Linkin Park die mit Abstand finanziell erfolgreichste Band aus dem Sammelbecken des Nu-Metal. Die musikalische Wandlung in deutlich sanftere Gefilde hat den Amerikanern aus Los Angeles zumindest geschäftlich sehr weitergeholfen – und sie damit weiter in den Strudel des Pop-Business verfrachtet. Die Tragödie um den Tod Chester Benningtons hat einmal mehr bewiesen, welche Auswirkungen dies haben kann.

Zu Beginn ihrer Karriere stand der Knall in Form des Albums „Hybrid Theory“. Schon Wochen vor dessen Erscheinen lief die erste Single „One Step Closer“ in der Heavy Rotation sämtlicher großer US-Radiosender. Es folgten 15 Millionen verkaufte Kopien ihres Debüts, ausgedehnte Touren im In- und Ausland, starke mediale Aufmerksamkeit – das volle Programm.

Noch erfolgreicher als „One Step Closer“ war allerdings „In The End“. Gepaart mit einem futuristischen Musik-Video – heute belächelt, damals state of the art – übten Linkin Park einen enormen Einfluss auf eine ganze Generation aus. Fred Durst bekundete im Nachgang zu Benningtons Tod, dass es das Genre des Nu-Metal ohne ihn und Linkin Park so nie gegeben hätte.

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Papa Roach – „Last Resort“

Ebenso wie „In The End“ von Linkin Park zeigt „Last Resort“ von Papa Roach, dass es in den Texten der diversen Nu-Metal-Bands oft um viel mehr als stumpfe Aggressionen geht. Der Song kreist um das Thema Suizid und schildert die Erfahrungen des Sängers Jacoby Shaddix, der einem Freund nach einem Selbstmordversuch das Leben rettete. Leider zeigen die jüngsten Ereignisse um Bennington, Cornell und Bergling, dass Depression eine Krankheit ist, auf die das persönliche Umfeld oft mit Hilflosigkeit reagiert.

Bis heute ist „Last Resort“ Papa Roachs größter Hit. Insbesondere in Deutschland erfuhr er nach seiner Veröffentlichung im Jahr 2000 außerordentliche Beliebtheit. Verwunderlich ist das nicht wirklich, schließlich bekommt man das Gitarren-Riff nie wieder aus dem Kopf. Wer um 2000 herum mit Rockmusik sozialisiert wurde, wird es nachts um 3:27 Uhr nach dem Aufwecken aus einer Tiefschlafphase vorsingen können. Garantiert.

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Deftones – „Be Quiet And Drive“

Wie so viele Bands wollten die Deftones aus Sacramento, Kalifornien nie dem Genre zugeordnet werden, dessen Stempel sie von der Öffentlichkeit aufgedrückt bekamen. Dabei zählen sie, wenn man so will, zu den Mitbegründern desselben. Bereits 1988, also lange vor dem Nu-Metal-Hype, lernten sich Chino Moreno, Abe Cunningham und Stephen Carpenter in der Schule kennen und gründeten kurz darauf die Deftones. Nach einigen Jahren des Live-Spielens, unter anderem mit Bands wie Korn, und einem verhältnismäßig erfolgreichen Debüt-Album „Adrenaline“ erschien 1997 das Zweitwerk „Around The Fur“.

MTV nahm das Video zu „Be Quiet And Drive“ in seine Heavy Rotation und schob die Band damit weiter an. Vollkommen zurecht. Nicht nur bewiesen die Deftones auf den nachfolgenden Alben, dass sie das Gegenteil von einer Eintagsfliege sind. Auch „Around The Fur“ zeigte das unglaubliche kreative Potenzial der Amerikaner. Der gefährlich anmutende Groll fernab jeglicher Peinlichkeit, Chino Morenos Stimme, die ins Mark trifft, innovative Arrangements. Der Lohn folgte in Form des kommerziellen Durchbruchs.

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Korn – „Freak On A Leash“

Für viele der Inbegriff des Nu-Metals schlechthin. Als fünfte und letzte Single des 1998er-Albums „Follow The Leader“ wurde „Freak On A Leash“ von Korn schnell zum Genre-Klassiker und zum obligatorischen Bestandteil einer jeden Korn-Show. Zum Ende der 90er waren Korn längst eine große Band mit einem üppigen Produktionsbudget für Alben, Promotion und Musik-Videos. Star-Comiczeichner Todd McFarlane leistete seinen Beitrag zum Video des obskuren Songs, das zahlreiche Auszeichnungen erhalten sollte.

Korn arbeiteten daran, ihr verrücktes Image zu manifestieren, und Jonathan Davis lyrische Nonsens-Einlage zur Mitte von „Freak On A Leash“ war ein weitere Maßnahme. Das Eigentümliche der Band wird in diesem Lied perfekt zugespitzt, es untermalt das – sicherlich stilisierte – Outsider-Gefühl, dem sich viele Fans zugehörig fühlten. In gewisser Weise pointiert der Song sogar die gesamte inhaltliche Haltung des Nu-Metal mit seiner Wut, dem Hadern, dem Zweifeln und der seltsam anmutenden Ausdrucksweise. Cool hin oder her.

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Slipknot – „Duality“

Apropos seltsam anmutende Ausdrucksweise. Nu-Metal befand sich schon im Abebben, als Slipknot mit der Single „Duality“ 2004 ihr Album „Vol.3: The Subliminal Verses“ ankündigten. Für das Album taten sie sich mit niemand Geringerem als Rick Rubin zusammen, denn auch die Maskenmänner aus dem Niemandsland Iowa in der US-amerikanischen Pampa hatten sich bereits etabliert und einen weltweiten Ruf erspielt.

Den internen Zerwürfnissen der Band konnte dies nicht entgegenwirken. Hinzu kam, dass Rubin seine physische Anwesenheit auf ein Minimum beschränkte, da er gleichzeitig mehrere Bands einrichtete. Slipknot-Sänger Corey Taylor äußerte im Nachgang in mehreren Interviews seinen Unmut über das Verhalten des Star-Produzenten. Ebenfalls berichtete Taylor von seinem ausgiebigen Alkoholkonsum während der Aufnahmen, den er jedoch schrittweise in den Griff bekam.

Die entstehenden Spannungen führten letztlich zu Songs wie „Duality“. Für das Video begab sich die Band in ein abgelegenes Haus nahe ihrer Heimatstadt Des Moines, das renoviert werden sollte. Entgegen dem eigentlichen Plan nahmen sie es mit den wütenden Statisten auseinander und verursachten eine Schadensersatzklage von 50.000 Dollar.

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System Of A Down – „Chop Suey!“

Rick Rubin produzierte außerdem gemeinsam mit Daron Malakian, dem Gitarristen von System Of A Down, das zweite Album der Band, „Toxicity“. Dem legendären Radio-Host Zane Lowe berichtete er viele Jahre später in einem Interview davon:

„Ich erinnere mich daran, wie ich sie zum ersten Mal live gesehen habe. Sie haben im Viper Room in L.A. gespielt und es war rappelvoll. Während der gesamten Show habe ich gelacht. Das war das Lustigste, das ich jemals gesehen hatte, aber auf eine positive Art und Weise. Es war kein: „Was für ein Witz“. Es war einfach sowas von drüber und extrem. […] Armenische Volkstänze mit Heavy-Metal-Riffs und wilden politischen Texten. […] Sie haben offensichtlich nirgendwo reingepasst, aber sie waren so gut, dass sie das Nichtpassen hinter sich gelassen haben. Diese Künstler mag ich am liebsten.“

Vielleicht war es der „Fluch“ des Zeitpunktes, der System Of A Down letztlich doch unter Sammelbegriff des Nu-Metals steckte. Trotzdem hat Rubin mit Sicherheit Recht. Es gibt keine Band wie System Of A Down. Politische und gesellschaftskritische Lyrics gab es bereits vorher, aber die Art und Weise, wie die Band aus Los Angeles all dies rüberbrachte, war vollkommen neu. Hyperaktiv, zynisch, stets am Rande des Verrückten. Der Song „Chop Suey!“ „handelt davon, dass verstorbene Menschen von der Gesellschaft anders betrachtet werden, je nachdem, wie sie starben. Wenn ich von einer Überdosis Drogen sterben würde, würden die Leute sagen, dass ich es verdient hätte, weil ich Drogen missbraucht habe“, so Malakian.

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Staind – „It’s Been Awhile“

Vor Pathos triefender Schwermut, Fotos im Kerzenfeuer verbrennen, einsam zigarettenrauchend auf Abhängigkeit und gescheiterte Beziehungen zurückblicken. Wenn „Duality“ von Slipknot das aggressive ist und „Freak On A Leash“ von Korn das seltsame, dann ist „It’s Been Awhile“ von Staind das melancholische Ende des Nu-Metals.

Staind haben insgesamt mehr als 15 Millionen Platten verkauft, einen Großteil davon in – na klar – den USA. Es ist ein bisschen so wie mit den Millionen-Städten in China oder Indien. Man hat, wenn überhaupt, mal am Rande etwas von ihnen mitbekommen und doch leben in ihnen mehr Menschen als in Berlin, Madrid, Athen oder irgendeiner anderen europäischen Hauptstadt. Immer ein wenig unter dem Radar. Der größte Ausschlag auf dem Radar-Messgerät von Staind war mit Sicherheit „It’s Been Awhile“. Nostalgiker sagen: „Make rock ballads like it’s 2001 again!“

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P.O.D. – „Youth Of The Nation“

Der Amoklauf an der Columbine High School im April 1999 sowie die Morde an der Santana High School im März 2001 bilden die thematische Grundlage für „Youth Of The Nation“ von P.O.D.. Letzteres Massaker ereignete sich während der Aufnahmen zum Album „Satellite“. Die Band stand auf dem Weg zum Studio im Stau und wunderte sich über die Hubschrauber und vorbei rasenden Polizei-Autos, bevor sie die Erlebnisse des Tages in den Song umwandelten.

Erneut kann das Plakative des Songs verwundern. P.O.D. aber sahen es als ihre Aufgabe, das Thema in dem Lied aufzugreifen und sich damit vor allem an junge Menschen zu richten, um über das Thema zu informieren.

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Incubus – Pardon Me

Incubus sind neben den Deftones und System Of A Down diejenigen, die am deutlichsten ihren eigenen Weg aus dem Nu-Metal herausgegangen und konnten am ehesten das Uncoole abschütteln – oder waren vielleicht auch nie uncool. Zwar war es vor allem der Song „Drive“, der Incubus als Mainstream-Act etablierte, doch „Pardon Me“ vom 1999er-Album „Make Yourself“ steht diesem in Nichts nach. Die Band um Brandon Boyd war musikalisch immer auf einer anderen Ebene als der Großteil der restlichen Nu-Metal-Acts. Zu elaboriert waren die Arrangements, zu detailliert das gesamte klangliche und textliche Erscheinungsbild.

„Pardon Me“ entstand, nachdem Boyd nach einer Tour feststellen musste, dass ihn seine langjährige Freundin betrogen hatte und seine Großmutter sowie ein enger Freund gestorben waren. In einem Magazin sah er ein Bild eines Mannes, der sich selbst angezündet hatte und stellte den Bezug zu seinem eigenen Leben her. „Pardon me while I burst into flames“.

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