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Ramones: Ihre Geschichte und der Tod der Gründungsmitglieder


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Die Ramones mögen den Punk-Rock erfunden haben oder auch nicht. Unbestreitbar gehören sie zu den wichtigsten Bands in seiner Geschichte und schufen einen stilistischen Prototyp, dem unzählige Bands folgten. In ihnen bündelte sich der Donner und Blitz von The Who, die Geschwindigkeit und der Primitivismus von Iggy und den Stooges. Dazu abwechselnd mürrische und alberne Grübeleien in Form von Songtexten, die die Pop- und Jugendkultur der 70er gleichzeitig verspotteten und feierten. Die Ramones synthetisierten ihre Einflüsse zu etwas Rohem und Revolutionärem, einer Wut aus stampfenden Rhythmen und peitschenden Gitarren, zusammengehalten von rudimentären und doch unwiderstehlichen Melodien.

Die Ramones waren melodisch, aggressiv und herausfordernd in ihrer Umarmung des Minimalismus. Bands wie The Clash und die Sex Pistols, auch Rancid und Green Day bauten auf ihrer Formel auf. Unmöglich, Punk zu sagen und dabei nicht Ramones zu meinen. Ihre ersten vier Alben – „Ramones“ (1976), „Leave Home“ (1977), „Rocket to Russia“ (1977) und „Road to Ruin“ (1978) – wiesen den Weg für eine Bewegung. Songs wie „Blitzkrieg Bop“, „Now I Wanna Sniff Some Glue“, „Pinhead“, „Rockaway Beach“ und „I Wanna Be Sedated“ wurden zwar selten bis nie im Radio gespielt und sind doch fester Bestandteil des amerikanischen Rock-Kanons.

Die Ramones live

Brüder im Geiste

Alles begann im Frühjahr 1974. Im New Yorker Stadtteil Queens fanden sich Jeffrey Hyman, John Cummings und Douglas Colvin ursprünglich als Trio zusammen, bevor Thomas Erdelyi als Schlagzeuger hinzustieß. In Anlehnung an Paul McCartneys Alter-Ego Paul Ramone nannten sie sich Ramones und kleideten sich als Homage an den Rock and Roll der 50er in Blue Jeans und Lederjacken. Eine Eintracht, die nicht sinnbildlich für ihre Zukunft sein sollte.

Als sie sich zum ersten Mal zu viert im Performance Space Studio in New York trafen, war Erdelyi erstaunt über die Existenz von zwei brandneuen Songs. „Ich war schockiert, denn sie waren nicht nur originell, sondern ich hatte solche Songs noch nie gehört, sie waren so bizarr“, erinnerte er sich. „Ich fand sie sehr künstlerisch. Einer war ‚I Don’t Wanna Walk Around With You‘ und der andere war ‚I Don’t Wanna Get Involved With You‘. Ein und derselbe Song mit leicht verändertem Text.“

Thomas Erdelyi wurde 1952 in Budapest geboren, doch seine Familie wurde wie schon Millionen Europäer vor ihnen zur Immigranten-Familie. Sie ließ sich in Forest Hills nieder, einem New Yorker Vorort der Mittelklasse, wo Thomas bald auf Gleichgesinnte stieß. „Ich traf Johnny [Cummings] an meinem ersten Tag in der High School 1964. Er war charismatisch, kontaktfreudig, hielt Hof am Mittagstisch. Ich hatte das Gefühl, dass sich eines Tages ein Kult um ihn entwickeln würde.“ Erdelyi behielt Recht.

Die Macht der Ideen

Erdelyi und Cummings schlossen ihre Freundschaft über die Musik. Teil des Bundes war außerdem ein schlaksiger, unbeholfener Junge, Jeffrey Hyman, den Erdelyi bei einer Jamsession kennenlernte: „Ich spielte Gitarre, er trommelte und sagte kein Wort, aber ich sah ihn immer in der Nähe – er sah so ungewöhnlich aus, dass man ihn nicht übersehen konnte.“ Doug ‚Dee Dee‘ Colvin, Sohn eines Army-Angehörigen, zog ein Jahr später aus Deutschland in die Nachbarschaft. Den übrigen Jugendlichen erzählte er gern, er habe rund um die Kaserne Naziutensilien verkauft, um sich Morphium zu besorgen. „Er erzählte diese großartigen Geschichten, von denen wir später herausfanden, dass sie alle erfunden waren“, erinnerte sich Erdelyi.

Die Ramones im CBGB

Doch es war genau das, was die Ramones auszeichnete. Die richtigen Sachen erfinden, die richtigen Ideen haben, und das über die Musik hinaus. Sich den kollektiven Nachnamen Ramone zu geben, war der vermutlich beste solcher Einfälle. Cummings wurde Johnny Ramone, Colvin war Dee Dee Ramone und Hyman wurde zu Joey Ramone. Die Leute nahmen tatsächlich an, sie seien Brüder. „Es schuf ein Gefühl der Zusammengehörigkeit“, sagte Joey. „Wir haben das mit den Namen vielleicht von den Walker Brothers übernommen, aber wir mochten es als Idee“, gab Erdelyi alias Tommy Ramone später zu. Der Name war das Herzstück eines entstehenden großen Plans. „Was wir gemacht haben, war fast wie ein Konzept. Mir wurde klar, dass es nicht auf die Musikalität ankam, sondern auf die Ideen. Alles, was funktionierte, haben wir behalten. Vieles wurde verworfen, wir haben Dinge links und rechts fallen gelassen. Wenn es nicht funktionierte, zack, war es raus. Wir spürten immer, was sich richtig anfühlte.“

„One, two, three, four!“

Schon in diesem frühen Stadium entwickelte die Band ihre Markenzeichen. Dee Dees gebrülltes „one, two, three, four“ vor den Songs, dazu Tommys unverwechselbares Trommeln, die unaufhörliche Kettensäge als Gitarre. All das, während der schlaksige Joey abstruse Songs in einem seltsamen Brooklyn-Mockney-Gekläff sang. „Schon sehr früh sang er mit diesem seltsamen britischen Akzent“, so Erdelyi. „Ich weiß nicht, woher das kam, vielleicht von seiner Vorliebe für Herman’s Hermits, aber wir haben es unterstützt. Wir fanden es cool, weil es anders war.“ Auch der Inhalt der Songs war ungewöhnlich. „Wir mochten Horror-Comics, B-Movies, das Mad-Magazin“.

„Zu dieser Zeit waren alle so ernst, dass jeder, der Humor benutzte, nicht ernst genommen werden konnte. Sie dachten, wir wären zurückgeblieben, und oberflächlich betrachtet mag das auch so gewirkt haben. Man musste schon Intellekt haben, um die Ramones zu verstehen. Wir hatten ein enzyklopädisches Wissen über Musik und alle Formen von Kultur. Wir hatten unseren Geschmack und der wurde gefiltert. Der Mist wurde rausgeschmissen.“

Ramones

Debüt im CBGB

Am 16. August 1974 gaben die Ramones ihr Debüt im CBGB in Manhattan. „Der Laden war unter einer Absteige, in der man ein Feldbett für 1,65 Dollar die Nacht bekommen konnte“, sagte Television-Gitarrist Richard Lloyd. „Draußen auf dem Bürgersteig lagen immer Ohnmächtige herum. Wir fanden diesen Ort und begannen, jeden Sonntag dort zu spielen. Wir entschieden uns für Doppelkonzerte, zwei Bands, die abwechselnd je zwei Sets spielten. Es lag Hundescheiße auf der Bühne, Urin und Wein tropften von der Decke, aber es war ein Brutkasten.“

Die Bands der Gegend behandelten das CBGB als Live-Proberaum, mit einem Publikum voller Musikerkollegen. Darunter Mitglieder von Blondie, Talking Heads, den Heartbreakers, Patti Smiths Band und Television. Die Ramones waren Stammgäste und arbeiteten fast so eifrig an ihrer Bühnenshow wie an ihren Songs. Marc Bell, zu dieser Schlagzeuger der Punk-Ikone Wayne County und späterer Marky Ramone, erlebte einen dieser frühen CBGB-Gigs. „Sie spielten schlampig, sie mussten Songs unterbrechen und von vorne anfangen, um das Intro zu wiederholen. Sie stritten sich über Songs, aber so war es nun mal. Wir waren da, um unsere Fähigkeiten zu verbessern.“

Die Ramones mit Iggy Pop im CBGB

„Diese frühen Shows waren das reinste Chaos“, stimmte Erdelyi zu, als er einmal auf die Tage im CBGB angesprochen wurde. „Sie waren komplexe, seltsame, mutierte Persönlichkeiten“, ergänzte Lenny Kaye von der Patti Smith Group. „Die Tatsache, dass sie zusammenkommen und Musik machen konnten, ist ein großer Triumph dessen, wozu Musik existiert. Es ist ein Ort, an dem man seine Verrücktheit in etwas kanalisieren kann, das magisch ist, und die Ramones waren definitiv magisch.“

Sire Records

So sah es auch Danny Fields, ehemaliger Manager von Lou Reed, den Stooges und den Doors, als er die Ramones im Sommer 1975 zum ersten Mal in CBGB sah. Nach der Show unterhielten er sich mit den Bandmitgliedern auf dem Bürgersteig vor dem Club, dem einzigen Ort weit und breit, an dem man sich nicht anbrüllen musste, um sein Gegenüber zu verstehen. Auf Fields Angebot, das Management der Band zu übernehmen, antwortete Johnny trocken, die Band bräuchte 3.500 Dollar für ein neues Drumset, dann sei man im Geschäft. Am nächsten Tag flog Fields nach Florida, um sich von seiner Mutter einen Scheck ausstellen zu lassen.

Nicht ganz unerfahren heuerte Fields zudem Lisa Stein als Co-Managerin an. Stein war die Frau des Sire-Records-Boss‘ Seymour Stein, der den Ramones ihren ersten Plattenvertrag anbot, nachdem auch er den Weg ins CBGB angetreten war. Laut Patti Smith war es der erste Plattenvertrag für eine Punk-Band überhaupt. Mit Craig Leon als Produzent gingen die Ramones im Februar 1976 in die Plaza Sound Studios in New York, doch eigentlich hielt Tommy sämtliche Zügel in der Hand. „Ich war mir bewusst, dass ich seine Vision interpretiere. Tommy hatte das ganze Konzept bereits geplant,“ so Leon.

In nur fünf Tagen entstand das Debüt-Album „Ramones“ mit „Blitzkrieg Bop“ als Opener. „Wir hatten ein sehr kleines Budget, mussten also schnell arbeiten“, erklärte Erdelyi. „Am ersten Tag hatten wir alle eine schlimme Erkältung, so dass wir die Songs neu aufnehmen mussten und dabei etwas Zeit verloren. Es war außerdem schwierig, mit den Toningenieuren zu arbeiten, weil sie nicht einordnen konnte, was wir machten. Wir haben es dann in einer Marathonsession gemischt.“

Die Ramones beim Cover-Shooting für ihr Debüt-Album

Gute Presse, schlechte Verkaufszahlen

Das Album erhielt gute Kritiken, doch die Radiostationen ignorierten es vollkommen. Ein Muster, das sich in den Folgejahren wiederholen sollte. Doch anders als in ihrer Heimat trafen sie in England einen Nerv. Im Juli 1976 flogen die Ramones für zwei Auftritte als Support für The Flamin‘ Groovies im Roundhouse und als Headliner im Dingwalls nach London, wo die Punk-Bewegung weiter Gestalt annahm. „Wir wussten, dass wir die Locations ausverkauft hatten, also ahnten wir, dass etwas im Gange war“, sagte Erdelyi. Danny Fields erinnerte sich mit Erstaunen an die dreitägige Reise: „Sie spielten vor 3.000 Leuten. Ihr größtes Publikum zuvor waren 50 Leute gewesen. Die Fans standen Schlange, um sie zu treffen, um mit ihnen zu schlafen, um mit mir zu schlafen. Die Garderobe war voll mit Leuten von The Clash, The Damned und den Sex Pistols. Johnny Rotten musste an verknoteten Bettlaken hochklettern, um durch das Fenster zu kommen.“

Während die Sex Pistols in England immer häufiger die Titelblätter zierten, kehrten die Ramones für ihre Headline-Shows in die Holzfällerbars und Bowlingbahnen ihrer Heimat zurück. „Eine Möglichkeit, Platten zu verkaufen, war, für größere Bands zu eröffnen und ihnen das Publikum zu stehlen“, verriet Manager Fields. „Aber die Ramones waren eine schreckliche Vorband. Ständig wurden sie mit Gegenständen beworfen.“

Die Ramones 1976

„Wir eröffneten für Black Sabbath, das war schmerzhaft“, erinnerte sich Tourmanager Monte Melnick. „Das Publikum wollte sie nicht hören, sie warfen Batterien, Münzen, Eispickel – sie machten keine Witze. Das Publikum von Ted Nugent war etwas einfacher, sie warfen nur mit Sandwiches. Wir spielten vor Toto, die so entspannt waren, dass sie gar nicht realisierten, was los war.“ Für die Booking-Agenten dauerte es Jahre zu erkennen, dass die Ramones nur als Headliner funktionierten.

Tommy Ramone verlässt die Band

Die Ramones hatten etwas Besonderes, aber es kostete sie viel, um es zu beweisen. „Es war schwer für mich“, so Erdelyi. „Wir kamen gut miteinander aus, bis wir anfingen zu touren. Das trifft auf viele Bands zu, aber die Ramones waren anders. Was die Musik so anders und aufregend machte, waren ihre Persönlichkeiten, aber sie machten es gleichzeitig hart, mit ihnen in einer Band zu sein. Ich verlor den Bezug zur Realität. Ich war in der Welt der Ramones, nicht in der normalen Welt. Es war, als wäre man in einem Picasso-Gemälde, alles war schräg. Man muss sich nur die Songs anhören, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie es war, mit diesen Leuten zusammen zu sein.“

Johnny Ramone

 

Nach drei Alben und unermüdlichem Touren verließ Thomas Erdelyi 1978 die Band und konzentrierte sich auf seine Rolle als Produzent. Laut Dee Dee Ramone, konnte man keine all zu stabile Geschichte haben, wenn man den Ramones beitrat, was sich nicht nur in ihren Songs widerspiegelte. „Joeys Zwangsneurosen wurde nicht diagnostiziert, also dachten alle, er sei völlig verrückt“, verriet Melnick. „Er konnte nicht anders, er musste den Türknauf sechsmal berühren, auf den Bordstein gehen und dann vom Bordstein runtergehen. Einmal kamen wir von einer Tour zurück und er sagte: ‚Ich muss zurück zum Flughafen, um etwas zu berühren‘ und sprang in ein Taxi. Er musste es einfach tun. Dee Dee hatte mehrere Persönlichkeiten. Man wusste nie, wer auftauchen würde, der Liebe, der Unanständige, der Fröhliche, der Traurige.“

Schwergewichte des Wahnsinns

Marc Bell, mittlerweile bei den Voidoids gelandet, ersetzte Tommy und wurde zu Marky Ramone. „Von dem Moment an, als ich dazu kam, haben Joey und Johnny nicht miteinander gesprochen“, erinnerte sich Bell. „Joey mochte Johnny nicht, weil sie politisch nicht einer Meinung waren. Johnny mochte Joey nicht, weil er ihn für einen Freak hielt, aber Joey und Dee Dee schrieben alle Songs und Johnny hätte ohne sie keine Band gehabt. Dee Dee und Joey hatten psychische Probleme, Dee Dee nahm Drogen, ich trank gerne und Johnnys Problem war, dass er mit uns zu tun hatte. Es war ein Irrenhaus, wir waren echte Geisteskranke.“

Dee Dee, Joey, Tommy und Johnny Ramone

Als die Band 1980 schließlich auf Phil Spector traf, kollidierten zwei Schwergewichte des Wahnsinns. Spector rief Sire-Boss Seymour Stein regelmäßig an, nachdem er die Ramones 1977 im Whiskey A Go Go in Hollywood gesehen hatte. Joey Ramone stimmte früh für eine Zusammenarbeit, Johnny war sich lange unsicher, doch zum fünften Album „End of the Century“ konnte sich die Band nicht mehr wehren.

Konträr zum Punk-Mythos sehnte man sich nach Erfolg, nach Plattenverkäufen und Radio-Hits, also entschied man sich für einen Hit-Produzenten. Nicht zuletzt auch eine Entscheidung von Sire Records. Zugleich bedeutete dies das vorläufige Aus für Thomas Erdelyi als Produzent und Ramones-Architekt, der sein Schicksal mit Fassung trug. „Ich hatte kein Problem damit. Ich war froh, dass wir noch ein Label hatten. Bis Mitte der 80er habe ich nichts mehr mit der Band gemacht. Es war hart, aber so war es nun mal“

„End of the Century“

Auch die Management-Verträge mit Danny Fields und Lisa Stein wurden nicht verlängert. Gewissermaßen ihr Glück, denn die Sessions mit Phil Spector wurden zum Albtraum. Seine manische Persönlichkeit war selbst für die Ramones zu viel, die von Spector durch den Aufnahme-Marathon in seinem Stil getrieben wurden. So musste Johnny Stunden um Stunden den selben Akkord spielen, worauf sich Spector einen einzigen Take in Dauerschleife und ohrenbetäubender Lautstärke anhörte. Den Höhepunkt fand die Zusammenarbeit, als sich die Ramones in Spectors Villa als Geiseln wiederfanden, gezwungen, sich ebenfalls in Dauerschleife den Anthony-Hopkins-Film „Magic“ anzusehen. Dass Spector sie dabei mit einer Waffe bedrohte, gehört laut Marky Ramone indes zu den gern wiederholten Fabeln der Bandgeschichte.

Das Resultat war eine typische Spector-Platte mit viel Bombast, Handclaps und dem überbordenden Einsatz von Hall. Johnny wollte „End of the Century“ sogar neu mischen lassen, was Thomas Erdelyi rückblickend womöglich dazu veranlasst hat, seine Ausbootung etwas weniger dramatisch zu sehen, zumal er 1984 für „Too Tough To Die“ als Produzent zurück berufen wurde. Zwar wurde das Album auf Platz 44 der US-Charts ihre meistverkaufte Platte, doch zum erhofften großflächigen Erfolg konnte auch der vermeintliche Hit-Produzent nicht verhelfen.

Johnny Ramone in typischer Pose

Während die Ramones sich weiter um sich selbst drehten – eine fanatische Fanbase hier, die jede Abkehr von der ursprünglichen Ramones-Formel als Sakrileg sah, die Sehnsucht nach Charts und Radio dort –, spannte Johnny Joey zudem seine Freundin aus. In Anspielung auf Johnnys konservative politische Einstellung schrieb Joey den Song „The KKK Took My Baby Away“, der trotz allem fester Bestandteil der Ramones-Konzerte wurde. Es war der letzte Sargnagel einer längst zerbrochenen Beziehung, die für sechzehn weitere Bandjahre vor sich hin siechte.

Die Ramones als Folklore

All das, was spätestens nach der Auflösung der Ramones 1996 geschah, wirkt bis heute unweigerlich wie Folklore. Samt Museum in Berlin und Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame. Ein Schicksal, das viele Bands ereilt, die eine Musikrichtung entscheidend geprägt haben, doch im Fall der Ramones hat man es sozusagen mit dem Prototypen zu tun. Kaum verwunderlich, wenn die gesamte Existenz einer solchen Band absichtlich auf einem (klugen und unterhaltsamen) Konzept basiert, von dem sie niemals loskommt. So landet man auf H&M-Shirts, die Teenager auf Instagram präsentieren. Insofern hat die Band doch das geschafft, wovon sie immer geträumt hat: So etwas wie Ikonen der Popkultur zu werden. Dass ihre Musik dabei eher im Hintergrund steht, gehört ebenso zu Wahrheit.

Die Todesursachen der Ramones

Als Joey Ramone noch Jeffrey Hyman war, diagnostizierten Ärzte kurz nach seiner Geburt einen Tumor in der Größe eines Baseballs. Zwar konnte das Geschwür entfernt werden, doch Hyman kämpfte sein ganzes Leben mit schlechter Gesundheit. 1995 attestiertem ihm die Mediziner ein weiteres Mal Lymphdrüsenkrebs, an dem er am 15. April 2001 schließlich starb. Er wurde 49 Jahre alt und hörte zum Abschied den U2-Song „In a Little While“ im Kreis seiner Familie.

John Cummings, alias Johnny Ramone, war die Antithese des typischen Rockstars. Er trank nicht, nahm keine Drogen und hasste Partys. Trotz seines gesunden Lebensstils erkrankte er 1998 an aggressivem Prostatakrebs und starb am 15. September 2004 an dessen Folgen in Los Angeles. Johnny Ramone wurde 55 Jahre alt.

Dee Dee Ramone sah den Ursprung von Punk-Rock einmal in wütenden Kids, die ihre Wut in Kreativität kanalisieren. Und Dee Dee hatte allen Grund, wütend zu sein. Prügel vom Vater, dazu eine alkoholkranke Mutter und andauernde Fehden zwischen seinen Eltern. Noch als Teenager in Deutschland begann er mit dem Heroin, später auch LSD und weitere Drogen. Schließlich war es das Heroin, das ihn durch eine Überdosis 2002 im Alter von 50 Jahren das Leben kostete.

Thomas Erdelyi, alias Tommy Ramone, starb als letztes der vier Gründungsmitglieder. Am 11. Juli 2014 erlag er dem Gallengangkrebs, der zu den seltensten Krebsarten zählt. Er starb in seiner Wohnung in New York und wurde 65 Jahre alt.

 

 

 

 

 

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