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Ein Jahr US-Präsident: Trumps Rache an Obama


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Archiv-Fundstück: 09. November 2016

Einen Monat nach der Amtseinführung des 41. Präsidenten der USA spielte Neil Young das Lied zum ersten Mal vor Publikum. Es war der 21. Februar 1989, ein klirrend kalter Tag. Etwas mehr als sechs Minuten lang donnerte „Rockin’ In The Free World“ durch das Paramout Theatre in Seattle. Neil Young sang von verarmten und verwahrlosten Menschen, von dem neben einer Mülltonne ausgesetzten Baby einer Crack-Mutter, das niemals die Chance haben würde zu leben und „never get to be cool“. Obwohl Young den Namen nicht erwähnte, wusste jeder, dass George Bush den Song inspiriert hatte, dass er von der Unfreiheit in einer freien Welt handelt, von der Freiheit und ihrer Bedrohung durch eine falsche Politik. „Keep on rockin’ in the free world“, eine Aufforderung, eine Hoffnung.

Am Freitag um 12 Uhr Ortszeit legte der designierte 45. Präsident der Vereinigten Staaten vor dem Kapitol in Washington seinen Amtseid ab. Neil Young hatte Donald Trump verboten, seinen Song im Wahlkampf zu benutzen, und bis zuletzt hatten dessen Helfer Mühe, Künstler zu finden, die bei der After-Show-Party auftreten wollten. Sogar eine Springsteen-Cover-Band sagte in letzter Minute ab. Die Amtseinführung kennt Traditionen und Rituale, aber nichts davon ist festgeschrieben. Meist legt der neue Präsident seine Hand zum Schwur auf die Bibel – nur John Quincy Adams nahm 1825 stattdessen die Verfassung – und sagt: „So help me god“. Aber das muss er nicht.

Donald Trump schon gar nicht. Der ehemalige Immobilienunternehmer und Fernsehunterhalter hat mit allen tradierten Verhaltensmustern demokratischer Politik gebrochen. Er verachtet die Politik. Er sagt: Ich bin kein Politiker. Ich bin gut darin, Deals abzuschließen. Dabei geht es nicht um die Ökonomie, stupid, sondern um Betriebswirtschaft. Die USA sind eine Firma, seine Firma, die er entrümpeln und sanieren muss. Die Welt drum herum ist diesem Interesse untergeordnet. Wenn es gut läuft, versteht er das unter Politik: einen Deal aushandeln zum Nutzen seiner Firma. Was ihr nutzt, dass nutzt auch den Amerikanern.

Jähzorn und Verletzlichkeit

Der Kulturbruch, den Donald Trump verkörpert, ist einschneidend. Nicht nur, weil er Strafzölle androht und eine Mauer bauen will. Nicht nur, weil er auf die EU pfeift, die NATO belächelt, Angela Merkel und Meryl Streep beschimpft, Journalisten droht, Putin umarmt, keine Ahnung von geopolitischen Fakten, Allianzen und Strategien hat, täglich Unsinn twittert, verstörende Interviews gibt, Konkurrenten und Mitstreiter demütigt, seine Wohnung in Goldtönen ausstattet, seinen Sohn im Kinderanzug auf einen Steiff-Löwen setzt, Körperbehinderte nachäfft, gelegentlich lügt, sich selbst widerspricht und damit geprahlt hat, Frauen einfach an die „Pussy“ zu greifen. Sondern weil er all das tut. Unaufhörlich. Es sind keine Ausrutscher, keine Missgeschicke, in den Unfassbarkeiten zeigen sich Trumps Stil und Trumps Haltung. Erst die Summe der Unfassbarkeiten lässt den Kulturbruch so tief erscheinen.



The Rolling Stones drohen Donald Trump mit Klage

The Rolling Stones haben genug davon, dass ihre Musik auf Wahlkampfveranstaltungen von Donald Trump läuft. Der US-Präsident und sein Team haben bereits mehrere Unterlassungserklärungen ignoriert – nun droht die Band, wenn nötig auch gerichtlich gegen die unerlaubte Nutzung ihrer Songs vorzugehen. „Es könnte das letzte Mal sein, dass Trump Jagger/Richards-Songs bei seinen Kampagnen benutzt“, so ein Sprecher der Stones laut dem US-amerikanischen ROLLING STONE. In dem Statement, das am Samstag (27.06.) veröffentlicht wurde, heißt es, dass die Anwälte und die BMI (US-amerikanische Gesellschaft zur Wahrnehmung von Urheberrechten) eine weitere Warnung ausgesprochen haben – wenn der Präsident im Wahlkamp also weiter…
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