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Die besten deutschen Songs aller Zeiten: Klaus Lage Band – „Faust auf Faust“


Keinen anderen hätte Hauptkommissar Schimanski als Ratgeber und Einflüsterer akzeptiert: Klaus Lage, auf dem Höhepunkt seiner Popkarriere auch schon 35, abgebrochene Lehre als Baustoffkaufmann, erfolgreiches Erzieherstudium, Sozialarbeiter.

Runder Mann mit runder Brille, der alles Robuste, Wehrhafte, Belastbare an der Rock’n’Roll-Musik symbolisiert, ihren konservativen Kern mitunter, eben auch ihre Weisheit. „Fang du jetzt bloß nicht an zu weinen, du spielst doch sonst so’n harten Mann“, rippenknufft Lage hier am Liedanfang den Sparringspartner, wie der Weihnachtsmann in Jeans, väterlich, immer wieder unterbrochen durch die quengelnde Gitarre von Sidekick Rolf Klein.

Es war die Zeit, als der sogenannte Deutschrock zum ersten Mal eine große Nummer war, die Musiker Jacketts trugen, oft Saxofone dabei waren, in allen Sendungen, von Dieter Thomas Hecks „Hitparade“ bis „Peter’s Pop-Show“.

Gute Vokabeln für Liebe und Wehmut

Klaus Lage und seine Männer aus Berlin waren unter den Hitparadentauglichen die am wenigsten Modischen, am besten Geerdeten – weshalb sie in „Faust auf Faust“, dem Titelsong zum gleichnamigen Schimanski-Kinofilm, auch das Wortspiel mit der Kohle wagen konnten, dem subventionierten Zeug aus dem Ruhrgebiet und dem Schotter, mit dem sich die alten Freunde gesundgestoßen hatten.

Klaus Lage und Ulla Meinecke 1985 bei einem Charity-Konzert der „Band fŁr Afrika“ (Live-Aid-Konzert in KŲln) / Personen, Musik, Musikerin, Auftritt, singen, Sšnger, Sšngerin, singer, Musik, music, Mikrofon, Sonnenbrille / RTG9

Das schreckliche Klischee vom Straßenköter mit Gefühl: Lage hat es so perfekt verkörpert wie kein anderer, weil er eben auch für die Liebe und die Wehmut gute Vokabeln hatte. Dass sein größter Hit, „1000 und 1 Nacht (Zoom!)“, etwas Überhang auf der emotionalen Seite hatte, mag ihn geärgert haben – mit dem Schimanski-Song brachte er alles zurück in Balance.

„Sie will wie du auch zu viel wissen, auch ihr ist keine Spur zu heiß“, so muss die Frau sein, die den Kommissar zum Weinen kriegt. Eine Hymne auf den Pott, den ewigen Kampf der hard-working men. Und die gebrochenen Herzen am Ende der Bar.

rs


Früherer „Tatort“-Schauspieler Tilo Prückner ist tot

Der Schauspieler und Autor Tilo Prückner ist am vergangenen Donnerstag im Alter von 79 Jahren in Berlin gestorben. Das berichtete die Deutsche-Presse-Agentur unter der Berufung auf Prückners Familie. 50 Jahre lang war Prückner immer wieder in Rollen kauzig-verschmitzter Charaktere im deutschen Fernsehen zu sehen. Zuschauer*innen kannten Prückner unter anderem als den Hamburger „Tatort“-Kommissar Eduard Holicek (2001 — 2008) sowie aus der ARD-Krimiserie „Rentnercops,“ in welcher er die Hauptrolle spielte. Auch für Kinofilme trat er immer wieder vor die Kamera. In Til Schweigers Film „Honig im Kopf“ war er 2014 als Dr. Ehlers zu sehen. In „Ostwind“ (2013) spielte Prückner die…
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