Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Ringo, mein Lieblings-Beatle


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Folge 212

Ich muss acht oder neun Jahre alt gewesen sein, als ich die Beatles entdeckte. Mein Bruder hatte ein paar Platten, die ich aus seinem Zimmer stahl. Mir gefiel vor allem „Abbey Road“, wegen der Hülle natürlich und weil ich der Rückseite entnahm, dass die Platte 1969, meinem Geburtsjahr, erschienen war.

Bald besaß ich das Rote und das Blaue Album sowie ein Buch mit Liedtexten, pseudopsychedelischen Zeichnungen und Fotos. Spätestens durch das Betrachten dieser Fotos wurde Ringo mein Lieblings-Beatle. Er sah lustig und nahbar aus und schien den meisten Spaß an diesem Beatles-Ding zu haben. Ringo war der Kinderbeatle.

Ringo Starr war der einzige Beatle mit Künstlername

Fortan schrieb ich alles Lustige in der Beatles-Musik (die nautischen Befehle in „Yellow Submarine“ oder die Kinderstimme in „The Continuing Story Of Bungalow Bill“) ihm zu. Ich fand die anderen drei eher nichtssagend, wobei mir Lennon ein wenig unheimlich erschien, da er anfangs eher als Sonnyboy auftrat, in der späteren Phase aber den Look einer alten Oma pflegte.

Außerdem war Ringo ganz klar der beste Songschreiber der Band: Hallo – der Mann hatte „Octopus’s Garden“ komponiert, mein Lieblingslied! Die Zeilen „I’d like to be under the sea/ In an octopus’s garden in the shade“ resonierten unglaublich stark in mir, sie tun es noch heute.

Octopus’s Garden (Remastered 2009)
von The Beatles – Topic

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Was mir zusätzlich imponierte: Ringo war der einzige Beatle, der einen Künstlernamen verwendete. Und was für einen! So wollte doch wohl jeder heißen! Wer behauptet, Ringo Starr sei kein guter Schlagzeuger, findet vermutlich auch, Bob Dylan könne nicht singen. Mir tun diese Menschen leid, sie verstehen wenig von Musik und noch weniger von der menschlichen Seele.

Ringo Starr ist der songdienlichste Schlagzeuger, den es gibt. Allerdings liefert er nicht einfach nur einen simplen Beat ab, der den Song, seine Melodie und seinen Text, gegebenenfalls ein Solo sowie die harmonischen Preziosen stützt – er zieht fast jedem seiner Parts eine Ringo-Kommentarebene ein und wird so vom Rhythmusarbeiter zum melodischen Miterzähler der Stücke. Oft scheint sein Spiel zu sagen: Okay, das hier mag ein trauriges Lied über eine Verflossene sein, aber ganz so einfach ist die Geschichte nicht, es gab auch lustige Zeiten.



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