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Stevie Wonder und sein Album-Meisterwerk „Songs In The Key Of Life“

Verworfene Auswanderungspläne (Ghana), ein neuer 37-Millionen-Dollar-Deal, eine Plattenfirma (Motown), die „We’re Almost Finished“-T-Shirts unters Volk wirft, als Stevie Wonder doch noch mal länger im Studio verschwindet: So war das, als „Songs In The Key Of Life“ Ende September 1976 endlich veröffentlicht wurde. Selten, vielleicht nie, wurde jegliche Erwartung weniger enttäuscht.

Denn Wonder lieferte nicht nur einen Bestseller (14 Wochen US-Nummer 1, dritter „Album of the Year“-Grammy in Folge), sondern auch gut 104 Minuten Musik, die genau den Albumtitel treffen. 21 Songs durchdringen Schlüsselmomente menschlicher Existenz: Freude und Schmerz, Liebe und Hass, Geburt und Tod, Sehnsucht nach Transzendenz, Erkenntnis, Gerechtigkeit.

Viele Songs hat Stevie Wonder fast im Alleingang eingespielt

Manches hat auch Komik, aus Verzweiflung geboren: wenn er Reißaus Richtung „Saturn“ nehmen will, wo der Schnee orange ist, die Menschen 205 Jahre alt werden und Autos überflüssig sind, „’cause we’ve learned to fly“. Oder wenn ein klassisches Synthesizermotiv den Streifzug durchs „Village Ghetto Land“ satirisch grundiert.

Musikalisch ist „Songs In The Key Of Life“ ein Füllhorn, das afro-amerikanische Musik auf den Punkt bringt: mit der Kindheitsode „I Wish“, dem Ellington-Tribute „Sir Duke“, der brodelnden Geschichtslektion „Black Man“, mit „As“, das Song und Funk-Jam ausbalanciert. Zugleich weist Wonder darüber hinaus. Wie unerhört etwa Harp und Harfe in „If It’s Magic“ zusammenfinden!

Viele Tracks hat Wonder (fast) im Alleingang eingespielt, unterstützt von Nathan Watts (Bass), Greg Phillinganes (Keys), Mike Sembello (Gitarre). Dazu Gäste wie Herbie Hancock („As“) und George Benson („Another Star“). Retrospektiv erstaunt, dass Wonder in diesem kreativen Wirbelsturm nicht selbst fortgefegt wurde. Doch er konnte sich auf seine Gabe verlassen, Text und Musik so ineinanderzufügen, dass sich das Schwere oft leichter anfühlt, als es ist, und das Leichte nie banal.

Wie peinlich kann es werden, die Überwältigung angesichts der Geburt des eigenen Kindes zu vertonen! „Isn’t She Lovely“ aber bringt die schiere Freude des Moments einfach zum Klingen, unverfälscht und ansteckend, statt sie mit Botschaft zu behelligen.



„One World“: Stevie Wonder covert Bill Withers' „Lean On Me“

Beim „One World – Together At Home“-Festival gab es einige Highlights: Eddie Vedder, Lady Gaga, Paul McCartney, die Rolling Stones. Aber auch Stevie Wonders Auftritt war bewegend. Er coverte „Lean On Me“ des verstorbenen Bill Withers. Ein Lied für einen Freund. Stevie Wonder – Bill Withers' „Lean On Me“: https://twitter.com/AustinKellerman/status/1251666186909224961?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1251666186909224961%7Ctwgr%5E393535353b636f6e74726f6c&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.nme.com%2Fnews%2Fmusic%2Fwatch-stevie-wonder-lean-on-me-bill-withers-one-world-2649487
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