Disco: Die Geschichte der 12-Inch-Single, und wie sie die die Popmusik für immer veränderte


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„I Feel Love“ von Donna Summer und Giorgio Moroder ist die Disco-Hymne aus dem Jahr 1977. Gleichzeitig setzte das Lied ein deutliches Zeichen in Richtung elektronischer Tanzmusik. Die beinahe ausschließlich aus synthetischen Klängen bestehende Produktion, der four-on-the-floor-Kick, Donna Summers schwebender Gesang  – perfekte Zutaten für einen Dance-Track, der vor allem durch seine Wiederholungen hypnotisiert. „I Feel Love“ ist ein Lied, das den Einfluss von Disco auf die Popmusik illustriert wie kaum ein anderes. Nich nur durch den Sound und die Struktur, sondern ebenso anhand eines damals neuartigen Vinyl-Formats, das ihm ein natürliches Zuhause gab: die 12-Inch-Single.

Singles als Naturgesetz der Popmusik

Die kleine 7-Inch-Single beherrschte die Popmusik seit den frühen Tagen des Rock’n’Roll. Jukeboxen wurden mit ihr gefüttert, was insbesondere in den 1950ern ein absolut elementarer Faktor in der musikalischen Sozialisation von Millionen von Jugendlichen war. Die erschwinglichen und beständigen Scheiben landeten ebenso auf den Plattenspielern zu Hause. Vor allem aber gestalteten Radio-DJs ihre Sendungen mit ihnen. Bei 45 Umdrehungen pro Minute boten sie gerade eben so viel Raum dass dreieinhalb Minuten Musik in guter Klangqualität auf jeder Seite Platz fanden.

Ab den 1950ern und während der 1960er-Jahre betrug die durchschnittliche Länge eines Nummer-Eins-Hits in den USA zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Minuten. Dieses Diktat wurde letztlich von der Begrenzung der Abspieldauer der 7-Inch-Singles vorgegeben. Keine 7-Inch, keine Radio – kein Radio, kein (finanzieller) Erfolg. Entweder man beugte sich dieser Maxime, oder man fand im Mainstream nicht statt. Ähnliche Züge lassen sich auch mit der Etablierung des Streamings beobachten. Bei Spotify zählt erst eine Abspieldauer ab der 31. Sekunde als Stream, der Geld bringt. Popsongs heutzutage müssen die Hörer sofort packen, damit nicht weitergeklickt wird. Kein Raum für Experimente, längere Intros oder Ausbrüche aus dem Schema F der Popindustrie.

Für Vinyl-Käufer ist der Plattenladen ein Ort der Ruhe und Befreiung
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Im Untergrund tut sich etwas: Disco-Revolution

In New York entwickelte sich zu Beginn der 1970er-Jahre eine musikalische Revolution: Dance-Clubs wurden gegründet. Bevor Disco synonym mit Saturday Night Fever verwendet wurde, war es eine Untergrundbewegung, angetrieben von den Innovationen junger DJs auf der Suche nach der aufregendsten Party. Schnell wurde ihr Einfluss auch an der Oberfläche bemerkbar. Eine Hand voll unkonventioneller Disco-Songs landeten auf Spitzenplätzen der Billboard-Charts – ohne jemals wirklich Aufmerksamkeit im Radio bekommen zu haben.

Jason Todd Getty Images


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