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Musik aus dem Waschkeller: The Middle Kids sind die Band der Stunde

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Musik aus dem Waschkeller: The Middle Kids sind die Band der Stunde

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Manchmal besteht eine Band aus ein paar Typen, die irgendwann gemeinsam entdecken, dass sie so etwas wie Musiker sind. Es gibt aber auch Gruppen, die setzen sich aus oft filigranen Musikern zusammen, die zuvor ohne Begleitung einfach nicht das finden, was sie suchen. Musiker also, die eine Band nötig haben.

Die Middle Kids aus Sydney gehören zu letzterer Kategorie. Das Trio, bestehend aus Sängerin Hannah Joy, ihrem Ehemann und Bassisten, Tim Fitz, sowie dem Schlagzeuger Harry Day, fühlt sich mit dem Bandkonzept ausgesprochen wohl. Es hat auch gedauert, bis das Fundament für diese Konstellation gelegt war. Einst hatte Joy als Musiklehrerin gearbeitet, sich mit einer Hochzeitsband über Wasser gehalten und im Chor gesungen. Experimente mit Piano-­Folk und Dance Music brachten in Australien erste Erfolge.

Gemeinsam musizieren als Erlebnis

Sie fühlten sich aber für Joy alles andere als richtig an, auch weil diese Musik ohne Resonanz erarbeitet wurde. „Ich wollte etwas, das wirklich stimmig ist und Frauen und Männer zusammenbringt“, sagt die Sängerin. „Tim hat mich dann mit seinen bizarren Liedern davon überzeugt, dass etwas anderes hermuss.“ Die Middle Kids haben sich vor dem Erscheinen von „Lost Friends“, ihrer Debütplatte, mit einer erstaunlichen EP ihr Publikum bereits erarbeitet. Im vergangenen Jahr spielten sie in Conan O’Briens Late-Night-Show.

Die kraftvoll zubeißende Single „Edge Of Town“, ein Amalgam aus Indie-Rock-Gestampfe und Pop-Hymne, rotiert bei Spotify, seit sie von Elton John in seiner „Beats 1“-Show gelistet wurde. Dann ging es mit den Cold War Kids und Ryan Adams auf Amerikatour, für Joy die Erfüllung eines Traums. Vielleicht klingen die Aufnahmen auf ihrem Debüt auch deshalb so, als hätte die Band – neben so ziemlich jedem Song von Angel Olsen – Alternative-Country- und Americana-Alben verschlungen.

https://www.youtube.com/watch?v=Zj8kWGx9xVU

„Ich habe ja lange Zeit in Maryland gelebt, und Tim ist in ­Ryan Adams und Patsy ­Cline verliebt“, so Joy. Mit „Maryland“ ist ein rührendes Lied auf dem neuen ­Album, das an diese Erfahrung anknüpft. Irgendwann muss dann auch noch Fleetwood Mac hinzugekommen sein, jedenfalls klingen Stücke wie „Mis­take“ und „Please“, als würde sich die Band innig vor ihnen verneigen. „Ich liebe Christine McVie“, gibt Joy denn auch unumwunden zu. „Sie ist eine meiner großen Heldinnen.“

Euphorie und Trauer

Die meisten Lieder auf „Lost Friends“ pendeln zwischen Glückszuständen und der tiefen Sorge vor dem Verlust von Sicherheiten. Vieles handelt von den Schwierigkeiten des Beziehungslebens. Wie findet man sich, obwohl alles dagegenspricht? Was ist echte Gemeinschaft – und wie entwickelt sich Intimität? Viele Tracks seien aufgenommen worden, als gäbe es noch die 80er-Jahre, erzählt Joy. „Erst kamen die Gitarrenanteile, dann der Bass, schließlich sind wir ins ländliche Australien gefahren, um dort die Drums aufzunehmen“, führt Joy weiter aus. Die Musik sei an verschiedenen Orten entstanden, um sich immer wieder von Einflüssen zu isolieren. „Der größte Teil entstand aber sowieso bei uns im Waschkeller – nachdem wir zusammen Spaghetti gegessen haben.“

https://www.youtube.com/watch?v=Uy9lw7O2L9Q

Der von Mixing-Producer Peter Katis (The National, Interpol) herausgearbeitete Garagenrock-­Klang der Middle Kids vermittelt diese Lässigkeit und Unmittelbarkeit wie selbstverständlich. Einer der größten Einflüsse bei der Entstehung der Platte kam dann auch als Tipp von ihm: der hierzulande kaum bekannte Paul Kelly. Der australische Songwriter probierte zwischen Bluegrass und Dub-­Reggae so ziemlich jeden Musikstil aus, den es gibt – aber vor allem ist er Hannah Joy zufolge ein großartiger Erzähler.

„Unsere Songs sind schon sehr ambitioniert“, sagt sie. „Aber wenn ich mir eines wünschen könnte, dann wäre es, noch besser Geschichten erzählen zu können.“

Middle Kids auf Deutschland-Tour

  • 04.11. Köln – MTC
  • 07.11. Hamburg – Molotow
  • 09.11. Berlin – Kantine am Berghain

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