• François Ozon

    - Eine neue Freundin

    Ein Lippenstift fährt über ihren sinnlichen Mund, ein Mascara­stift zeichnet ihre langen Wimpern nach, blonde Haare umrahmen ihr schönes Gesicht. Ihre blauen Augen leuchten wie Saphire. Sie trägt ihr weißes Hochzeitskleid, dessen Schleifchen und Bändchen von fremden Händen festgezurrt werden. Dann fährt eine Hand über ihre Augen und schließt sie. Da erst wird uns Zuschauern […] mehr…

  • John Williams - Butcher’s Crossing

    „Stoner“, dieser grandiose wiederentdeckte Roman von 1965 über einen stoischen, gleichmütigen Literaturprofessor irgendwo in Missouri, war nicht nur ein Campus-Buch, sondern im weitesten Sinne auch ein Western: Denn John Williams erzählt in seiner unnachahmlich genauen Sprache die Geschichte einer Selbstfindung, einer Konfrontation mit dem Ich, also das, wovon dieses Genre in erster Linie lebt. Erst […] mehr…

  • Calexico - The Edge Of The Sun

    Man hat das Werk von Calexico oft als „cineastisch“ bezeichnet, besonders in Europa schätzt man die Tex-Mex-Mood-Music, bei der vorm inneren Auge imaginäre Grenzstädte im gleißenden Sonnenlicht schimmern, die einem Regisseure wie Robert Rodriguez irgendwann mit fahlgelbem Farbfilter ins Unterbewusstsein gebrannt haben. Ihre Heimat an der US-Grenze zu Mexiko war von Beginn an Leitthema von […] mehr…

  • Peter Richter - 89/90

    Kurz vor den Sommerferien 1989 verbringt Peter Richters 16-jähriger Erzähler die Nächte mit seinen Kumpeln noch im Dresdener Freibad, ein Jahr später stehen sie sich bei den Straßenschlachten zwischen Rechten und Linken mit Baseballschlägern gegenüber. Dazwischen liegen die letzten Monate des Kommunismus, ein Jahr, in dem die alte Ordnung ersatzlos wegbricht und die neuen Freiheiten […] mehr…

  • Marcel Reich-Ranicki/Peter Rühmkorf - Der Briefwechsel

    Sie kamen aus feindlichen Lagern: der konservative, aber grundliberale Kritikerstar und der „rote“ Poeta laureatus, der zeit seines Lebens ein schlechtes Gewissen hatte, für die „FAZ“ schreiben zu „müssen“. Die beiden kannten sich von den Tagungen der Gruppe 47 und aus  der Hamburger Literatenszene und hegten trotz weltanschaulicher Differenzen Sympathie füreinander. Als Reich-Ranicki zur „FAZ“ […] mehr…

  • Tex Rubinowitz - Irma

    „Wenn mehr Menschen rauchen würden, gäbe es wohl nicht einmal mehr Kriege, denn die Raucher seien so entspannt, dass sie genussvoll leben und leben lassen könnten.“ In keinem Fall politisch korrekt, dafür aber ungemein humorvoll klingen die lebensphilosophischen Ansichten in Tex Rubinowitz’ quasi mit dem Bachmann-Preis prämiertem Roman „Irma“. Als cool bis gaga könnte man […] mehr…

  • J.D. Salinger - Die jungen Leute; Salinger –…

    Wenn man sich mit Jerome D. Salinger beschäftigt, dann führen alle Wege an einen Strand der Normandie, der von der Invasionsarmee Utah Beach genannt wurde, und in einen Wald südlich von Aachen, in dem im November 1944 eine der grausamsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs geschlagen wurde. J. D. Salinger, 25 Jahre alt, überlebte das Gemetzel […] mehr…

  • Dave Eggers - Eure Väter, wo sind sie?…

    Dass Dave Eggers für das Aufspüren aktueller politisch und gesellschaftlich relevanter Themen ein Händchen hat, ist unbestritten: Ob Flüchtlingsschicksale, Terrorismus-Hysterie oder die schöne neue Internetwelt – er hat eine literarische Antwort. Wenngleich der neue Roman mit dem alttestamentarischen Titel zunächst nur Fragen stellt. Ein junger Mann kidnappt sieben Menschen – darunter ein Astronaut, ein Vietnam-Veteran, […] mehr…

  • Milan Kundera - Das Fest der Bedeutungslosigkeit

    Dass ausgerechnet Kundera, der immer den kleinsten Gesten einen großen Sinn und eine Entsprechung in der Weltgeschichte zuweisen konnte, in seinem ersten Roman nach 14 Jahren Schreibpause mit der Bedeutungslosigkeit kokettiert, ist schon verwunderlich. Er schreibt von einer Gruppe älterer Herren, die durch Paris flanieren, philosophieren und seltsame Geschichten erzählen, denen oft die Pointe fehlt. […] mehr…

  • Maurenbrecher - Rotes Tuch

    Noch mehr als „No Go“ verschiebt „Rotes Tuch“ den Fokus weg vom klassischen Songwriting. Die zentralen Stücke des Albums sind Erzählungen, Beobachtungen, Reportagen, manchmal nur Gesprächsfetzen, die Maurenbrecher über Akkordvariationen schnaubt, gurgelt, höhnt. „Hochwasser“ verlegt Bob Dylans „High Water (For Charley Patton)“ in die im Jahr 2013 überschwemmten Gebiete Ostdeutschlands. Das neunminütige „Wer hat, der […] mehr…

  • Anne Philippi - Giraffen

    „Wir werden nie aufhören, so zu leben.“ Westbam hatte einen Track, der so hieß, Rainald Goetz hat ihn zitiert. Anne Philippi verkokst ihn. Ihre Tour de Force durch das Berlin der Panorama-Bar-Besucher, Vitra-Sessel-Besitzer und Suff-Schwadroneure schwankt zwischen beißender Kühle und banaler Öde. Eva, die dahintreibende Erzählerin, liebt Henry, den Antreiber. Sie sind 24-hour party people, […] mehr…

  • Simple Minds - Sparkle In The Rain

    Nach dem überraschenden Erfolg von „New Gold Dream“, zugleich der vorläufige Höhepunkt des süßlichen Big-Dream-Sounds, den die Simple Minds Anfang der 80er-Jahre aus dem Ärmel schüttelten, musste etwas Neues her – Musik für die Massen. Die Schotten erlagen wie viele Bands in dieser Zeit der Versuchung, ausverkaufte Fußballstadien zu beschallen. Wahrscheinlich holten sie sich deshalb […] mehr…

  • Marina And The Diamonds - Froot

    Electra Heart ist tot. Aber nicht nur das: Zeitgleich  mit ebenjener Protagonistin scheint auch das zweite, gleichnamige Werk von Marina Diamandis aus ihrer Diskografie eliminiert worden zu sein. „Froot“ schließt nämlich direkt dort an, wo „The Family Jewels“, das furiose Debüt der Halbwaliserin und -griechin von 2010, aufhörte. War besagtes Konzeptalbum zu komplex, zu ambitioniert, […] mehr…

  • Brian Wilson - No Pier Pressure

    Niemandem würde man nach all den Rückschlägen ein Meisterwerk im Spätherbst der Karriere mehr wünschen als Brian Wilson, doch die Zeichen stehen nicht gut. Seine Begleitmusiker gaben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zwar alle Mühe, die neuen Wilson-Lieder wie Klassiker klingen zu lassen, doch von der alten kompositorische Klasse war das – mit Ausnahme […] mehr…

  • Death Cab For Cutie - Kintsugi

    Kein Abschied – ein Neuanfang. Im August 2014 gab Chris Walla seinen Ausstieg bei Death Cab For Cutie bekannt. So wird dieses neue Album der Band ein Abschiedsalbum für beide Parteien; Walla hatte zwar den Produzentenjob schon an Rich Costey (Muse, Interpol) abgegeben, war während der Aufnahmen aber voll involviert. Vielleicht ist es dieser Abschied, […] mehr…

  • Sufjan Stevens - Carrie & Lowell

    Konzept Erinnerung: In seinen Liedern besingt der amerikanische Songschreiber die Vergangenheit und die Endlichkeit mehr…

  • Ron Sexsmith - Carousel One

    Tröstliche bis lässig-forsche Popsongs vom Meister aus Kanada mehr…

  • Dagobert - Afrika

    Bedingt gelungenes Update vom Schlager-Hipster zum Pop-Maestro mehr…

  • Laura Marling - Short Movie

    Ein paar Dinge sind großartig an diesem Album, die nichts mit seiner Güte zu tun haben: Laura Marling lebt freiwillig in Los Angeles  – aber sie findet alles in der Stadt banal und sagt es ohne Ambivalenz: Den Leuten scheine zu viel Sonne auf den Kopf. Die andere Sache, die Laura Marling demystifizieren will, ist […] mehr…

  • Courtney Barnett - Sometimes I Sit And Think,…

    In den Neunzigern ging mal eine Theorie um, nach der es die Jahre zwischen 614 und 911 nach Christus nicht gegeben haben soll. Die Australierin Courtney Barnett spielte auf ihren ersten beiden, hierzulande auf einer Platte mit dem Titel „A Sea Of Split Peas“ zusammengefassten EPs eine Musik, die klang, als hätte es den größten […] mehr…