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Sind Gitarrensoli eigentlich toxisch männlich?

In den vergangenen Monaten wurde die britische Songwriterin Anna Calvi allerorten für ihre Gitarrenkünste gelobt und gefeiert. Und das in einer Zeit, in der die Gitarre doch eigentlich das Letzte zu sein scheint, was Aufregung verspricht. Bei ihren Konzerten kam man sich zugegebenermaßen auch ein bisschen vor wie in einem Museum. Die Künstlerin wand sich ekstatisch und zuckte unter der fingerflink selbst entfachten Energie. Und das Publikum schaute ihr dabei andächtig zu, so als stände es vor einem alten Ölschinken aus der Renaissance.

Diese Analogie ist natürlich nicht zufällig gewählt, denn tatsächlich ahmt Calvi hier ja antike Gesten aus einer Zeit nach, als noch Gitarrenhelden wie Jimi Hendrix, Jeff Beck, Jimmy Page oder Eric Clapton die Rockwelt regierten. Sie waren durch den Fortschritt der Verstärkertechnik an die Macht gekommen. Ihr Instrument war ihr Zepter, das sie oft minutenlang in die Höhe reckten, um alles zu übertönen, was sich ihnen in den Weg stellte. Dabei verzogen sie grotesk ihre Gesichter, ihre Körper erweckten den Eindruck, als surften sie über ihre eigenen Klangwellen.

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Oder war die Gitarre ein wildes Tier, mit dem sie rangen und das sie heldenhaft erlegten? Oder doch einfach ein riesiger Phallus, den sie liebkosten und, nun ja, reizten? Für letztgenannte Deutung spricht, dass diese Gitarrenhelden alle männlich waren und, wenn man den alten Mythen glauben darf, nicht nur ihre musikalische Potenz zur Schau stellen wollten. Es ging um sexuelle Befreiung! Allerdings eben nur um die männliche.

Es gab aber auch damals schon Unisex-Gitarrenhelden

Die ungewaschenen Hippies von The Grateful Dead wirkten nicht unbedingt, als wollten sie ihre Virilität ausstellen und sich vor ihrem Publikum mehrmals einen runterholen. Die Gitarrensoli von Jerry Garcia und Bob Weir waren eher weiblich fließend als männlich eruptiv. Das war keine Kopulationsmusik, das Publikum bewegte sich frei von vorgegebenen Formen und (Geschlechter-)Rollen im Ausdruckstanz. Vor allem Frauen, so schrieb ­etwa die amerikanische Musikjournalistin Ann Powers, hätten das als befreiend empfunden – neben der Musik spielte da aber sicher auch die Einnahme von LSD eine Rolle, denn wer in seinem eigenen Trip gefangen war, dachte in der Regel nicht daran, jemand anderen sexuell zu dominieren, sprich: zu begatten.



Neil Young bezeichnet Donald Trump als „Schande“ und bekennt sich zu Bernie Sanders

Seit wenigen Wochen ist Neil Young offiziell Bürger der USA. Nun nutzt er sein Recht, seine Meinung zu sagen, wie es ihm gefällt und richtet sich mit strengen Worten an den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der sei seiner Meinung nach „eine Schande für mein Land“. In einem offenen Brief auf seiner Website urteilte der Songwriter, dass Trump lediglich seinem eigenen Ego verpflichtet sei, anstatt Fehler zuzugeben, die dem Weißen Haus passieren. „Die Prahlerei über die US-Wirtschaft verschleiert nicht die Tatsache, dass die Zahlen heute das Erbe von dem sind, was man vor fast vier Jahren in die Welt gesetzt hat“,…
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