Nachruf auf Chris Cornell: Der Erlöser der klassischen Rockmusik

Geklöppel, Feedback-Geflirre, dann ein zickiges Gitarrenriff, tiefergelegtes Bassdröhnen und der glasklare, erotisch aufgeladene Gesang des schönen Mannes: „And you stare at me / In your Jesus Christ pose“. Ich verstand immer „I’m your Jesus Christ pose“, und das war fair enough. Denn der schöne Mann, der im Video zu dem Song mit nacktem Oberkörper, wehender Löckchenmatte und eben jener Erlöser-Pose in der Wüste herumsteht, war Chris Cornell, Vorsteher der Band Soundgarden, Erneuerer des Rock und hier gerade in der Form seines Lebens.

Nun ist er tot. Mittwochnacht plötzlich und überraschend gestorben, mit gerade mal 52 Jahren, im Anschluss an ein Konzert seiner Band in Detroit.

Damals, 1991, hoben Soundgarden an, den Mainstream zu erobern. Nur einen Monat vor „Badmotorfinger“, dem Album von dem „Jesus Christ Pose“ stammt, war „Nevermind“ veröffentlicht worden. Cornell und Kurt Cobain kamen beide aus Seattle, hatten den Sound erfunden, den man dann Grunge nannte, hatten sich aber nicht viel zu sagen. Cobain machte sich über den Älteren lustig; es gibt eine wackelige Videoaufnahme, in der er Cornells Gesangsstil nachäfft. Nirvana kamen vom Indie-Punk, Soundgarden von Led Zeppelin. Und was Nirvana zur größten Band der Neunziger machte, das fehlte Soundgarden weitgehend: Das Gespür für Pop. Depressiv waren beide, Cobain und Cornell.

Scheidungskind Cornell saß zunächst und seit den frühen 80er-Jahren hinter dem Schlagzeug, zunächst auch noch bei Soundgarden, die er gemeinsam mit dem Bassisten Hiro Yamamoto und dem Gitarristen Kim Thayil 1984 gründete. Das erste Soundgarden-Album, „Ultramega OK“, erschien 1988 – ein Jahr vor Nirvanas Debüt – noch auf dem ultramegakorrekten Undergroundlabel SST, dessen Motto „Corporate Rock still sucks“ damals auf der Stoßstange jedes verbeulten Vans zwischen Detroit und Seattle klebte. Kaum ein Jahr später wechselten sie zur Corporate Company A&M, auf „Louder Than Love“ war aber immerhin „Big Dumb Sex“, der Song mit dem markigen „Fuck you“-Refrain. Doch erst mit „Badmotorfinger“ und „Jesus Christ Pose“ erfüllte sich das Versprechen eines erneuerten Hardrocks, einer Metal-Band für Hipster, heißer, schöner, eleganter als ein Lavastrom.



So erfuhren Soundgarden von Chris Cornells Tod

Im Zuge des laufenden Rechtsstreits zwischen Soundgarden und Chris Cornells Witwe wurden nun Details bekannt, wie die verbleibenden Bandmitglieder von dem Tod des Sängers erfuhren. Während die Leiche des Frontmanns in einem Hotelzimmer in Detroit gefunden wurde, waren die anderen gerade in ihrem Bus auf dem Weg zu einer Show in Columbus, Ohio. Unterwegs sah Drummer Matt Cameron dann eine Nachricht mit „R.I.P“ auf Facebook. In einem Klageschreiben heißt es wie folgt: „Am 17. Mai flog Chris nach Detroit, um sich den anderen Bandmitgliedern für ein Soundgarden-Konzert in dieser Nacht im Fox Theatre anzuschließen. Nach der Show – wie es…
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