Nachruf auf Chris Cornell: Der Erlöser der klassischen Rockmusik


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Noch zwei Mal erhob Chris Cornell sein schönes Haupt: Ein paar Monate vor dem smarten feedbacksatten Sechsminüter „Jesus Christ Pose“ (wo er ja übriges einen Spiegel nagelt, in dem er sich selbst sieht – quite freudianisch, isn’t it?) hatte Cornell mit Mitgliedern von Mother Love Bone und Pearl Jam die Band Temple Of The Dog gegründet, ein temporäres Nebenprojekt, das viel deutlicher noch als Soundgarden auf seine Liebe zu klassischen Hardrock- und Metal-Motiven verwies. Ihr einziges Album ist ein feinnerviges Pastiche, elegant schimmernder Rock, wie es ihn in jener Zeit eigentlich nicht gab. Die Arbeit mit den Kollegen der später um ein Vielfaches erfolgreicheren Band um Eddie Vedder (der übrigens auch ein kleines bisschen auf „Temple Of The Dog“ mitwirkt) mag abgefärbt haben. Mit „Black Hole Sun“ schufen Soundgarden 1994 eine der schönsten Hardrock-Balladen, ein krächzendes, federleichtes, gleichwohl bassig-schweres Klammerbluesmonster, das die Zeit gut überdauert hat. („Superunknown“, das dazugehörige Album, eher nicht in voller Länge.)

Cornells ewige Sehnsucht

Ein knappes Jahr später erschoss sich Cobain. Und mit Grunge war es schnell vorbei. Auch mit Soundgarden. Chris Cornell wurde nicht zum neuen Rock-Messias, füllte nicht die Leerstelle, die Cobain hinterlassen hatte – nicht wenige (vor allem in der Musikindustrie) hatten das wohl gehofft. Es kam überhaupt keiner mehr nach. Pearl Jam wurden groß, aber Vedder kein Idol. Die Nullerjahre kamen, Cornell hatte nun mit Musikern von Rage Against The Machine eine neue Band, Audioslave, gegründet. Die klangen ein bisschen nach Cornells ewiger Sehnsucht, den Hardrockträumen der Siebzigerjahre und überdauerten die Nullerjahre nicht.

Cornell nahm Soloalben und einen James-Bond-Song auf, er reformierte Soundgarden und spielte beim Lollapalooza. Aber all das waren natürlich bloß noch Nachwehen eines großen Moments Anfang der Neunzigerjahre, als Cornell wie der Erlöser der klassischen Rockmusik im Wüstensand stand. Dass der Song dann nach wahnsinnig vielen Minuten noch in einer Feedback-Improvisation enden durfte, machte eben auch den Unterschied zu den Anderen aus. Sowohl zu denen aus dem Mainstreamradio wie auch zu dem Nachbarn aus Seattle, der seine Rockpose im eigenen Badezimmer so gnadenlos nachäffte.

Jeff Kravitz FilmMagic, Inc


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