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Tarantino-Ranking: Alle Filme von “Reservoir Dogs” bis “The Hateful Eight”

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Tarantino-Ranking: Alle Filme von “Reservoir Dogs” bis “The Hateful Eight”

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Weiterlesen: Ranking – Die zehn wichtigsten Tarantino-Tracks

9. Django Unchained (2012)

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Es gibt auch in Tarantinos Welt nichts Schlimmeres als Wiederholung oder Berechenbarkeit. Und das erfahren wir ausgerechnet bei seinem erfolgreichsten Film (mehr als 400 Millionen Dollar Einspielergebnis, zweiter Drehbuch-Oscar für Tarantino) doch recht häufig. Ein Beispiel ist der recht mühsam aufgebaute Prolog, in dem Christoph Waltz doch nur in einer Landa-Variation zunächst die Leute um den Finger wickelt um dann den freundlichen Mörder zu geben.

“Django Unchained” beginnt bereits wie eine Tarantino-Parodie. Der Bezug zum Italowestern-Helden im Titel, dazu das geradezu ins Gesicht springende “Django”-Titellied von 1966, das wirkt alles so übergeschnappt wie schlicht. Als der echte Django, gespielt von Franco Nero, dann tatsächlich einen Gastauftritt hat, weiß der Regisseur ausgerechnet das nicht zu nutzen – Nero stellt sich an einer Theke einfach nur als “Django” vor.

Woran denkt der über die Jahre gereifte Tarantino-Jünger natürlich als Erstes, wenn er über Tarantino und a) Western b) Gitarre und c) Soundtrack nachdenkt? Natürlich an Johnny Cash. Deshalb war der Trailer schon schwer zu ertragen, die Musikwahl zu offensichtlich. Die Lieder dieses Mannes erschallen heutzutage aus jeder “Urban Outfitters”-Umkleide.

Als bekannt wurde, dass der in Dramen selten überzeugende Will Smith die Rolle des Django doch nicht übernehmen wurde, durfte der Zuschauer sich freuen. Nur findet sein Ersatz, Jamie Foxx, nie wirklich Zugang zur Figur. Er tritt seltsam gehemmt auf, selbst seine – innere – Befreiung am Ende trägt noch die Handschrift seines von Waltz gespielten Mentors Dr. King Schultz. Der natürlich Kopfgeldjäger und Deutscher und Zahnarzt ist. Schultz und sein dämlicher Wackelzahn auf der Kutsche. Es ist nicht penibel, wenn man sich wünscht, dass historische Darstellungen halbwegs korrekt sind. Das Spaßgefährt fällt völlig aus dem Rahmen.

Don Johnson und Jonah Hill wiederum irritieren durch ihre “Wir wollen auch bei Tarantino dabei sein”-Rollen. Ob aber Leonardo DiCaprio als Plantagenbesitzer Calvin Candie erfasst hat, dass er ausgerechnet in seiner tragikomischen Darstellung mehr Potential zeigte als in seinen ernsten Rollen? Seit Scorseses “Aviator” von 2004 ist er auf den Typ schwitzender Maniac abonniert, eine anscheinend freiwillige Beschränkung, alles nur, um endlich den Oscar zu bekommen. Hier spielt DiCaprio zwar, zur Karikatur geworden, bis fast zum Schluss alle Kollegen nieder. Doch dann kommt seine rassistische Tischrede, er theoretisiert wie zuvor nur Bill aus “Kill Bill”, und all das endet in Crescendo und Gewalt – die man seit Minuten antizipieren konnte. Dabei ist sein Calvin nicht ohne neugierig machende Geheimnisse: Wird er durch die Mandingo-Kämpfe seiner Sklaven sexuell erregt?

Zumindest ist die bei Tarantino oft geradezu pornographisch dargestellte Gewalt wie geschaffen für diesen Film. Wo sonst könnte es sinnvoller sein als hier, um auf die Lebensbedingungen der Sklaven hinzuweisen. Jede gezeigte Brutalität tut dem Zuschauer zu Recht weh, die Folter, die Peitsche, das Glüheisen. In der beeindruckendsten Szene des Films beschließt der sonst so nüchterne Schultz spontan, in letzter Minute, zum Rächer zu werden, weil ihn Flashbacks plagen. Ein Sklave wurde vor seinen Augen von Hunden zerrissen – und wir glaubten, ihn hätte das kalt gelassen.

“Django Unchained” war mit einer Dauer von 168 Minuten bis dato Tarantinos längster Film, und der – bis auf kleine Rückblenden – erste komplett linear erzählte. Das hat sich gerächt, er kommt einem wirklich sehr lang vor.

Für eine schöne Neben-Erzählung hat es hier aber dennoch gereicht: Tarantinos Verknüpfung seines “Southerns” mit der Geschichte der Germanen, der Geschichte der Sklaven mit der der Nibelungen, ist einfach zu schön. Ein Märchen, das eine großartige Kino-Erzählung abgeben würde. Der Regisseur deutet an, dass Django und seine Frau Broomhilda von Schaft (Kerry Washington) die Vorfahren eines Mannes mit abgewandeltem Nachnamen sind: John Shaft, der Privatdetektiv, bekannt aus dem Blaxpoitation-Film von 1971.

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