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Neunte Kunst - exklusiver Einblick

Trans-Superheld „Dragman“: Fliegen nur mit Frauenkleid


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Auch wenn die feministischen Tendenzen bei „Wonder Woman“ sogar bei konservativen Verfechtern des Superhelden-Comics ein Kopfnicken ernten, ist die erfolgreichste Gattung der Neunten Kunst nicht gerade ein blühendes Experimentierfeld für Diversität und Gender-Sensibilität.

Mögen früher die Begriffe andere gewesen sein, die den dargestellten Mangel an weiblicher Souveränität und den Überfluss klassischer westlicher Helden-Stereotype ausdrückten, so ist doch auch noch im Jahr 2021 festzustellen, dass sich Zeichner und Autoren schwertun, ihre Capeträger und anderweitig mit Superheldenkräften ausgestatteten Protagonisten der gesellschaftlichen Realität anzupassen.

„Dragman“: Sozialkritik als Lustprinzip

Steven Appleby, der für viele große Zeitungen, darunter den „Guardian“ und in Deutschland auch für „F.A.Z.“ und „DIE ZEIT“ zeichnet und illustriert, hätte es leicht gehabt, mit dem beißenden britischen Witz, für den er bekannt ist, diese im Grunde armseligen narrativen und ästhetischen Tendenzen sarkastisch zu kommentieren.

Aber sein bereits mehrfach ausgezeichneter „Dragman“ (seit 03. Mai auf Deutsch, Schaltzeit Verlag, 29 Euro) ist kein politisches Statement mit Sprechblasen. Vielmehr gelingt es Appleby einen ungemein lebendigen Comic-Thriller zu erzählen, in dem schon aufgrund der sozio-psychologischen Spannung des Szenarios Platz ist für schräge Komik, philosophische Abhandlungen über Machokultur und Eheleben sowie viele intime Einsichten.


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Die Rettung eines kleinen Mädchens vom Dach des Londoner Kunstmuseums wird jedenfalls zu einer weit über 300 Seiten für Spannung sorgende Initiationsreise ihres Helden, der auch die Biographie des inzwischen offen als Transfrau lebenden Familienvaters Appleby einfließen lässt und dessen jugendliches Faible für Crossdressing karikiert.

Sein Thema liegt dabei fast auf der Hand: Superhelden und Crossdresser führen beide Doppelleben.

Alle Bilder: Schaltzeit Verlag


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