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Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten: Jethro Tull – „This Was“


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Der verhaltens­auffällige Flötist Ian Anderson war bereits im Vor­jahr beim seinerzeit nicht gesendeten Fernseh­-Special „Rock And Roll Circus“ der Rolling Stones als Attraktion eingeführt worden.

Jethro Tull aus Blackpool hatten sich für das Plattencover ihres Debüts, „This Was“, als Greise verkleidet und ge­schminkt, aber auch im Alltag eignete ihnen eine gewisse verwahrloste Zotteligkeit mit Hang zum Hut.

Die Songs verbinden aufs Verschrobenste bu­kolische Betrachtungen und märchenhafte Spinti­sierereien: „Serenade To A Cuckoo“, „Dharma For One“, „Cat’s Squirrel“ und hippiemäßige Idyllen wie „My Sunday Feeling“ fügen sich zu einer Art Psychedelik der Naturschwärmerei, die Land­leben, Versenkung und Ekstase gleichermaßen adoriert.

Von „Café Bleu“ vom Style Council be­hauptete Paul Weller 1984: „Das beste Debüt seit Jethro Tull.“ Diskutabel.


Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten

Ohne Konzerte und Festivals fanden wir uns plötzlich abends auf unsere Plattensammlungen zurückgeworfen und stellten fest: Oft sind es nicht die kanonisierten Klassiker, die man besonders gern auflegt.

Stattdessen sind es Alben im Katalog eines lieb gewonnenen Künstlers, die man ganz für sich allein zu haben scheint, weil der Rest der Welt sie verschmäht oder gar schon vergessen hat – missverstandene Geniestreiche, verkannte Meisterstücke, vernachlässigte Schlüsselwerke und Platten, die einfach viel besser sind als ihr Ruf und eine Neubewertung verdienen.


Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten: Pearl Jam - „No Code“

Nicht schnell genug, nicht hymnisch genug. Aber vor allem: An die Stelle Grunge­typischer Nöte (Süchte, Missbrauch durch die Eltern, Unverstandensein) rückte eine fast schon meditative Betrachtung der Existenz. – „He’s alive but feels absolutely nothing/ So is he?“ Der Folk von „Who You Are“, der Identitätsproblemen einen versöhnlichen Ton entgegensetzt, war ihre erste lebensbejahende Single –und das nach vier Alben in sechs Jahren. Kritiker fanden das Album „inter­essant“, freundlich für „geht so“. Pearl Jam schauten mit „No Code“ bewusst nach vorn Und es ging mit einem drastischen Bedeutungsschwund bei Fans und jungen Erwachsenen einher. Sie vermissten Bodenhaftung bei Eddie Vedder,…
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