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Bon Scott: Die tragische Todesursache des AC/DC-Sängers

Ronald Belford „Bon“ Scott wurde am 9. Juli 1946 im schottischen Forfar geboren, bevor er mit seiner Familie nach Australien auswanderte. Damit teilte er eine wichtige Gemeinsamkeit mit den Young-Brüdern, doch bis er sie kennenlernte, vergingen einige Jahre. Als Schlagzeuger und Sänger arbeitete er in diversen Bands an seinem Ruf in der australischen Musikszene. 1974 war es schließlich soweit: Bon Scott ersetzte Dave Evans als Sänger von AC/DC.

AC/DC mit Bon Scott 1979

Mit AC/DC zum Weltruhm

Scotts Ex-Frau Irene Thornton berichtete nach dem Tod des Musikers von seiner ersten Begegnung mit seiner zukünftigen Band. Im August 1974 kamen AC/DC nach Adelaide und spielten dort im Pooraka Hotel eine Show – allerdings ohne Sänger. Es war das erste Mal, dass Bon Scott AC/DC spielen sah. Ein Freund ermutigte ihn während des gesamten Konzerts, auf die Bühne zu springen, um die instrumentalen Interpretationen alter Rock-’n‘-Roll-Klassiker mit Leben zu füllen. Scott ließ sich überreden und machte den Abend zu etwas ganz Besonderem. Laut Thornton spielte die schottischer Herkunft Scotts und der Young-Brüder eine entscheidende Rolle, die ihnen half, einen direkten Draht zueinander zu finden.

Fortan ging es immer weiter steil bergauf. Mit „Highway To Hell“ gelang 1979 der endgültige Durchbruch, der mit all seinen Schattenseiten einherging. „Ich bin seit 13 Jahren auf Tour“, beschwerte sich Sänger Bon Scott bereits ein Jahr früher. „Flieger, Hotels, Groupies, Alk. Das kratzt ganz schön an einem.“ Vielleicht so etwas wie ein Vorbote des nahen Endes. Und so wurde „Highway To Hell “ letzter Wille und Testament: Vor dem Gitarrensolo von Angus Young schreit er „Don’t stop me!“. Das schaffte auch niemand.

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Auf dem Highway To Hell

Kaum ein Song prägte das Image von AC/DC mehr als „Highway To Hell“. Aber anscheinend war das Atlantic Records, ihrem Label in den USA, alles etwas zu heiß.

Wie die Band zuletzt mit einem Instagram-Post den eigenen Fans erklärte, wurde 1979 kurzerhand etwas retuschiert, um der Band das Fegefeuer auszutreiben. Heißt: Das Feuerinferno, das die Band einrahmt und das auf der australischen Fassung des Albums zu sehen ist, blieb dem Rest der Welt „erspart“.

Das Logo von AC/DC ist im unzensierten Original ebenfalls etwas dunkler und der Titel „Highway To Hell“ ist gelb auf der Unterseite des Basshalses geschrieben.

Zum Vergleich: Das bekannte Artwork von „Highway To Hell“

Das Ende – Bon Scott stirbt in London

Im Februar 1980 befanden sich AC/DC in London. Auch im globalen Rock-Zirkus waren sie angekommen. Angus und Malcom Young arbeiteten am 15. Februar an den ersten Songs für „Back in Black“, „Have a Drink On Me“ und „Let Me Put My Love Into You“. Bon Scott stieß zur Session und brachte seine Ideen ein, allerdings eher am Schlagzeug als am Gesang. Wenige Tage zuvor besuchte Scott die Franzosen von Trust, die ebenfalls in der englischen Hauptstadt an neuem Material arbeiteten. Die dort aufgezeichnete Jam-Session ist die letzte Aufnahme, auf der Scott zu hören ist.

Kurze Zeit später war er tot. Am Abend des 18. Februar 1980 begab sich Scott zusammen mit seinem Freund Alistair Kinnear auf eine Sauftour in den Club Music Machine, heute bekannt als KOKO. Kinnear, der den schlafenden Rockstar auf der Rückbank seines Renault 5 nicht wecken konnte, nahm ihn auf dem Heimweg schließlich mit zu sich in die Overhill Road 67. Scott, immer noch nicht ansprechbar, wurde über Nacht im Wagen zurückgelassen. Am nächsten Tag trat Alistair Kinnear vor die Haustür, um nach seinem Freund zu sehen. Leblos lag Bon Scott im Wagen, woraufhin Kinnear umgehend einen Krankenwagen rief. Zu spät. Im King’s College Hospital konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Bon Scott wurde gerade einmal 33 Jahre alt.

Unsere Leser wollen Bon Scott und AC/DC auf der großen Leinwand
Bon Scott

Die Todesursache und unbeantwortete Fragen

Die offizielle Todesursache von Bon Scott wird von der Londoner Gerichtsmedizin als akute Alkoholvergiftung und Unfall angegeben. Scott war an seinem Erbrochenen erstickt. Der Autor Jesse Fink zweifelt diese Umstände allerdings an. In seinem 2017 erschienenen Buch „Bon: The Last Highway“ behauptet er, das Erbrechen Scotts sei durch eine Überdosis Heroin herbeigeführt worden.

Fink zitiert den UFO-Gitarristen Paul Chapman, dass Bon Scott und ein weiterer Freund, Joe Fury, am Abend des 18. Februar zusammen in seiner Wohnung gewesen seien. Scott habe das Apartment kurz darauf verlassen, um Heroin zu kaufen. Ebenso habe Fury Chapman bereits am Morgen des 19. Februar mitgeteilt, dass Scott tot sei – erst am Nachmittag ging Kinnears Notruf bei der Ambulanz ein. Darüber hinaus sollen Scott und Kinnear nicht alleine in Overhill Road gewesen sein. Der Musiker Peter Berrett und seine Frau Zena Kakoulli waren nach Finks Angaben ebenfalls in der Wohnung Kinnears anwesend.

AC/DC 1977

Nach dem Tod des AC/DC-Sängers rankten sich schnell Verschwörungstheorien um dessen Ableben. Alistair Kinnear habe gar nicht existiert und Bon Scott sei absichtlich mit den Abgasen des Renaults getötet worden, die ins Innere des Wegen geleitet worden seien. Die Existenz Kinnears bewies Jesse Fink jedoch selbst, indem er seine Todesurkunde in Spanien ausfindig machte. Auch hatten Temperaturen unter dem Gefrierpunkt nichts mit Scotts Tod zu tun, da Fink anhand von meteorologischen Aufzeichnungen bewies, dass es in der Nacht vom 18. auf den 19. Februar 1980 in London nicht gefroren hatte.

„Back in Black“

Unmittelbar nach Bonn Scotts Tod spielten die übrigen Mitglieder von AC/DC mit dem Gedanken, die Band aufzulösen, doch die Überlegungen wurden schnell wieder verworfen. Man kam zu dem Schluss, Scott hätte es nicht anders gewollt. Unterstützung erhielten AC/DC zudem von der Familie des Verstorbenen, die ausdrücklich betonte, wie sehr sie ein Weitermachen begrüßte.

Brian Johnson wurde 1980 Sänger von AC/DC

Nun musste ein neuer Sänger her. Bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger bekam die Band von niemand Geringerem als Bon Scott selbst Hilfe. Noch vor seinem Tod erzählte er Angus Young vom damaligen Geordie-Sänger Brian Johnson. Young berichtete später: Ich erinnere mich, dass Bon mir Little Richard vorspielte und mir dann die Geschichte erzählte, als er Brian singen sah.“

Laut Youngs Aussage erzählte Scott: „Da ist dieser Kerl da oben, der aus vollem Herzen schreit, und als nächstes legt er sich auf die Bühne. Er liegt auf dem Boden, dreht sich herum und schreit. Ich fand es toll. Um das Ganze noch zu krönen – man konnte keine bessere Zugabe bekommen – wurde der Kerl mit dem Rollstuhl von der Bühne geholt.“ Später in dieser Nacht wurde bei Johnson eine Blinddarmentzündung diagnostiziert, was die Ursache für seine „Showeinlagen“ war.

Nur fünf Monate nach dem Tod von Bon Scott beendeten AC/DC die Arbeit an „Back in Black“, das sie als Tribut an ihren toten Mitmusiker veröffentlichten. Der Rest ist Geschichte.

 

Fin Costello Redferns
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CT
Jason Squires WireImage

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