Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten: Van Morrison – „Inarticulate Speech…“


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Mit „Inarticulate Speech Of The Heart“ setzte Van Morrison die spirituelle Su­che fort, die mit „Common One“ (1980) begonnen hatte. Manche nannten es Kitsch. Morrison nannte es Mystik.

Synthesizer und Trompe­te von Mark Isham, schon bei „Beautiful Vision“ im Jahr zuvor prägend, bestimmen auch hier zuweilen den Sound, aber vor allem ist es eine Folk-Platte: „Connswater“, „Celtic Swing“, „River Of Time“, „Cry For Home“ und „Irish Heartbeat“ sind rus­tikale Exempel für Morrisons „Caledonian Soul“.

Träumerische Versenkung

„Inarticulate Speech Of The Heart“ ist eine träume­rische Versenkung, einmal instrumental und gesummt, einmal kraftvoll gesungen.

Das größte Stück aber ist „Rave On, John Donne“: eine Beschwörung des englischen Dichters wie der Poesie als Impetus und Lebenselixier überhaupt, in die sich der Sän­ger wie in ein Mantra hineinsteigert.

Die Widmung „Special Thanks to L. Ron Hubbard“ zeigt die un­deutliche Sprache des Herzens. Drei Jahre später sollte Morrison eine Platte „No Guru, No Method, No Teacher“ nennen.


Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten

Ohne Konzerte und Festivals fanden wir uns plötzlich abends auf unsere Plattensammlungen zurückgeworfen und stellten fest: Oft sind es nicht die kanonisierten Klassiker, die man besonders gern auflegt.

Stattdessen sind es Alben im Katalog eines lieb gewonnenen Künstlers, die man ganz für sich allein zu haben scheint, weil der Rest der Welt sie verschmäht oder gar schon vergessen hat – missverstandene Geniestreiche, verkannte Meisterstücke, vernachlässigte Schlüsselwerke und Platten, die einfach viel besser sind als ihr Ruf und eine Neubewertung verdienen.