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Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten: Bob Dylan – „Planet Waves“


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Den Geschichtsbüchern zufolge ist „Blood On The Tracks“ von 1975 Bob Dylans kreatives Comeback nach Jahren kreativer Flaute, die er in der privaten Versenkung verbrachte.

Hier verarbeitet er, so die Legende, seine Ehekrise und lässt uns – womöglich beeinflusst von Joni Mitchells intimem „Blue“ – zum ersten und letzten Mal in die Tiefen seines Herzens schauen.

Lieder über Kindheit und Familie

Aber stimmt das wirklich? Ist Dylan nicht genau in dem Moment, als wir glauben zu wissen, wer er ist und was er tut, schon wieder durch allerlei Spiegelkabinette und Wortlabyrinthe verschwunden?

Das Album, auf dem er sich tatsächlich offenbart, ist „Planet Waves“, dieses eilig anlässlich einer Comeback-Tour mit The Band aufgenommene elektrisierende Werk, auf dem die Vorfreude und die Nervosität vor der Rückkehr auf der Bühne zu spüren sind, auf dem Dylan von seiner Kindheit erzählt, Liebeslieder für Frau und Kinder singt, aber auch von Zweifeln und alten Wunden berichtet, die ihm das Leben zugefügt hat.

Er macht sich bereit für den Aufbruch ins Ungewisse, der Motor brummt schon.


Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten

Ohne Konzerte und Festivals fanden wir uns plötzlich abends auf unsere Plattensammlungen zurückgeworfen und stellten fest: Oft sind es nicht die kanonisierten Klassiker, die man besonders gern auflegt.

Stattdessen sind es Alben im Katalog eines lieb gewonnenen Künstlers, die man ganz für sich allein zu haben scheint, weil der Rest der Welt sie verschmäht oder gar schon vergessen hat – missverstandene Geniestreiche, verkannte Meisterstücke, vernachlässigte Schlüsselwerke und Platten, die einfach viel besser sind als ihr Ruf und eine Neubewertung verdienen.


Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten: Sonic Youth – „NYC Ghosts & Flowers“

Erst hat man ihnen 1999 in der Nacht vor einem Konzert im kalifornischen Orange County alle Gitarren geklaut, dann versuchte man ein Jahr später auch noch, ihnen ihre Coolness zu nehmen. „NYC Ghosts & Flowers“ sei „Metal Machine Music“ einer neuen Generation, und Sonic Youth seien verblasene New Yorker, die glaubten, auch mit über vierzig noch relevant und bedeutend zu sein, hieß es in einer legendär gewordenen Null­-Punkte­-Besprechung der Auskenner-Website Pitch­­fork. Stimmt alles. Yacht-Punk? Das von Jim O’Rourke produzierte Album klingt wie eine Ausstellungseröffnung in einem Art Space an der gentrifizierten Lower East Side, bei dem der Kurator vor dem…
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