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Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten: Sonic Youth – „NYC Ghosts & Flowers“


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Erst hat man ihnen 1999 in der Nacht vor einem Konzert im kalifornischen Orange County alle Gitarren geklaut, dann versuchte man ein Jahr später auch noch, ihnen ihre Coolness zu nehmen.

„NYC Ghosts & Flowers“ sei „Metal Machine Music“ einer neuen Generation, und Sonic Youth seien verblasene New Yorker, die glaubten, auch mit über vierzig noch relevant und bedeutend zu sein, hieß es in einer legendär gewordenen Null­-Punkte­-Besprechung der Auskenner-Website Pitch­­fork. Stimmt alles.

Yacht-Punk?

Das von Jim O’Rourke produzierte Album klingt wie eine Ausstellungseröffnung in einem Art Space an der gentrifizierten Lower East Side, bei dem der Kurator vor dem poshen Kunst­-Establishment einen Vortrag über „Underground und Avantgarde in Zeiten des Neoliberalismus“ hält. Yacht-­Punk quasi.

Aber die Ausstellung selbst ist wun­derbar. Sonic Youth setzen uns auf die Spuren von William S. Burroughs, Allen Ginsberg, Glenn Branca und Jean­-Michel Basquiat. Die Gitarren klingen dazu so körperlos wie die Geister des coolen New York, die bei dieser Séance beschworen werden.


Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten

Ohne Konzerte und Festivals fanden wir uns plötzlich abends auf unsere Plattensammlungen zurückgeworfen und stellten fest: Oft sind es nicht die kanonisierten Klassiker, die man besonders gern auflegt.

Stattdessen sind es Alben im Katalog eines lieb gewonnenen Künstlers, die man ganz für sich allein zu haben scheint, weil der Rest der Welt sie verschmäht oder gar schon vergessen hat – missverstandene Geniestreiche, verkannte Meisterstücke, vernachlässigte Schlüsselwerke und Platten, die einfach viel besser sind als ihr Ruf und eine Neubewertung verdienen.


Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten: Joni Mitchell – „Don Juan's Reckless Daughter“

Man bewundert Joni Mitchell für die Schön­heit von „Ladies Of The Canyon“ (1970), die Inti­mität von „Blue“ (1971), die Slickness von „Court And Spark“ (1974), den komplexen Jazz­-Folk von „The Hissing Of Summer Lawns“ (1975) und das ätherisch schwebende Meisterwerk „Hejira“ (1976). „Don Juan’s Reckless Daughter“ (1977) gilt – ebenso wie das oft unterschätzte „For The Roses“ (1972) – als Übergangsalbum, das in diesem Fall nirgendwohin führte. Wenn man die Doppel-­LP heute mit frischen Ohren hört, macht sich ein Verdacht breit: Während man männlichen Künstlern jedes überbordende, ambitionierte, grenzüberschreitende, eklektische, sich jeder Katego­rie entziehende Werk, vom unvollendeten „Smile“ (Beach Boys,…
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