Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten: Television – „Adventure“


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„Marquee Moon“ ist die grandiose, „Adventure“ die gute Platte. Sie erlitt das klassische Zweites­-Album­Schicksal: Die Kritik war enttäuscht, die Fans waren enttäuscht, die Verkäufe mehr als enttäuschend.

Tatsächlich feh­len „Adventure“ die Direktheit und Dringlichkeit des Debüts, die Songs sind sorgfältig produziert und ge­schmirgelt, und es sind auch deutlich andere Songs.

Seltsa­men Klänge der Ondioline

Aber was für ein Auftakt: der straighte Rock von „Glory“, dann die überlegene Eleganz von „Days“, wo sich die verblichenen Byrds und die noch unge­borenen R.E.M. treffen und Tom Verlaine eines sei­ner schönsten kleinen Gitarrensoli spielt.

Oder „The Fire“ mit seiner assoziativen Lyrik und den seltsa­men Klängen der Ondioline, eines von Al Kooper in den 60er-Jahren eingesetzten Synthesizer­-­Vorläufers. Und in „Ain’t That Nothin’“ darf Richard Lloyd zeigen, dass es bei Television einen zweiten Gitarristen gab.

„Adventure“ birgt Schönheiten und große Songs, es wirkt reflektiert, ausgeruht, subtil und denkbar weit von allem entfernt, was man 1978 von Television erwartet hätte.


Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten

Ohne Konzerte und Festivals fanden wir uns plötzlich abends auf unsere Plattensammlungen zurückgeworfen und stellten fest: Oft sind es nicht die kanonisierten Klassiker, die man besonders gern auflegt.

Stattdessen sind es Alben im Katalog eines lieb gewonnenen Künstlers, die man ganz für sich allein zu haben scheint, weil der Rest der Welt sie verschmäht oder gar schon vergessen hat – missverstandene Geniestreiche, verkannte Meisterstücke, vernachlässigte Schlüsselwerke und Platten, die einfach viel besser sind als ihr Ruf und eine Neubewertung verdienen.